Große Skepsis bestand nicht nur bei Ute Frank (Senioren-Union), die sich bei der Klönbank an der Liebermannstraße/Ecke Strehlowweg in Othmarschen mit einer Grünen Kollegin verabredet hatte – für ein Pressefoto. Daraus wurde jedoch nichts, denn offenbar war der Ort nicht korrekt kommuniziert worden. Umso authentischer wurde die Situation, denn jetzt war hier eine Frau, die sich einen Gesprächspartner suchte – und fand: Frank sprach eine ebenfalls ältere Frau an, die aus dem Strehlowweg in Richtung Elbe spazierte, ob sie für ein Foto zur Verfügung stehe. Spontan sagte sie zu und setzte sich neben Ute Frank. Doch das war nicht alles: Jetzt kamen die beiden ins Gespräch. Zuerst stellten sich die beiden Frauen vor, dann erfuhr Frank, dass Frau Müller aus Thüringen kommt und ihren Sohn in Hamburg besucht. Sie liebt es, mit den Hamburgern ins Gespräch zu kommen. „In Halle würden sich Menschen niemals auf der offenen Straße ansprechen und miteinander ins Gespräch kommen“, ist ihre Erfahrung. Die Hamburger seien zugänglich und hilfsbereit.

Das kann auch Dr. Ingo Lembke bestätigen, der die Klönbank am Groß Flottbeker Markt besetzt hatte. An die Brust geheftet ein Button mit dem Emblem der Grünen 60+. So war eindeutig erkennbar, zu wem sich der ehemalige Flottbeker Pastor bekennt. Er hatte sich zu Beginn der Aktion um 15 Uhr zu Ben auf die Bank gesetzt. Der befindet sich gerade in der Tischlerausbildung der Tischlerinnung Hamburg. Er liebt es, handwerklich zu arbeiten. „Wie so viele habe ich schon in der Kindheit Stöcker geschnitzt“, sagt er mit einem Lächeln, als würde er sich an gute Zeiten erinnern. Inzwischen werden dickere Bretter gehobelt, geschliffen und gebohrt. Zuhause näht er gerne. Gerade hat er sich einige ehemalige Vorhangstoffe bei seiner Mutter besorgt, die er für einen Freund zu einem Bademantel umnähen will. Der Waldorfschüler hat schon viel Erfahrung: Pullis, Westen, Hosen und Tunicen sind an seiner Nähmaschine entstanden. Dr. Lembke erzählt derweil von seiner Vision eines Ansprech-Kiosks am S-Bahnhof Othmarschen. Er beobachtet schon seit längerem die Vereinsamung nicht nur älterer Menschen, sondern vor allem der Jüngeren, die in einer virtuellen Welt Single bleiben und eigentlich immer Kontakt suchen. Am Ende der Unterhaltung tauschen sie Kontaktdaten aus. Hier haben sich zwei gefunden!

34 Kloenbank FrankUte Frank mit Marlies Möller aus Halle auf der Klönbank in der LiebermannstraßeEin paar Straßen weiter sitzt Frauke Neubauer auf der Klönbank Rugenbarg/Ecke Diekweg. Die Grünenpolitikerin trifft dort zuerst auch nur Leere und sitzt in der prallen Sonne. Dann lernt sie im Vorbeigehen eine Frau kennen, die gegenüber im Reetdachhaus wohnt. Jeden Sonntag macht sie den Platz um die Bank sauber. „Die haben vergessen, einen Mülleimer neben die Bank zu stellen“, erklärt sie. Auf ihre Anregung hin wurde zwar einer aufgestellt, für Raucher aber zu weit weg von der Bank. Ärgerlich! Neubauer will sich drum kümmern. Nächste Woche wollen sich auch diese beiden wieder treffen.

 

Nach dieser Aktion lässt sich sagen: Die Klönbänke kommen an. Zum Einen, weil es Menschen gibt, die sich ausruhen wollen. Zum Anderen, weil man ins Gespräch kommen kann mit Menschen, die man (noch) nicht kennt und in völlig neue Welten eintaucht. Spannend und belebend zugleich.

Das Engagement der Politikerinnen und Politiker hat sich gelohnt, denn Dr. Ingo Lembke & Co. mussten drei Jahre lang „dicke Bretter bohren“, um die Klönbänke überhaupt aufstellen zu lassen. „Die Investitionskosten für die Anschaffung und Aufstellung der Bänke sind nicht so sehr das Problem gewesen, vielmehr musste geklärt werden, wer für den Unterhalt und die Pflege der Klönbänke aufkommt“, weiß Dr. Lembke aus den Diskussionen zu einer Zeit, in der er noch aktiv in der Bezirksversammlung für die Grünen saß. In einer Großstadt, in der hälftig Singles leben und mehr Ältere als Junge das Stadtbild prägen, sind die Klönbänke genau richtig, um eine einfache Möglichkeit des Austausches zu schaffen.

 

Jetzt seid Ihr dran! Hier gibt es Klönbänke:

  • Bornheide/Borncenter 
  • Eckhoffplatz 
  • Kemal-Altun-Platz 
  • Liebermannstraße/Strehlowweg 
  • Louise-Schroeder-Straße/Schomburgstrasse 
  • Rosenhagenstraße/Eckernwoort 
  • Strandweg 
  • Wedeler Landstraße/Rissener Dorfstraße 
  • Wedeler Landstraße/Flerrentwiete 
  • Osdorfer Landstraße/Flottbeker Markt 
  • Ottensener Marktplatz 
  • Rugenbarg/Diekweg