Die Synode des Ev.-Luth. Kirchenkreises Hamburg-West/Südholstein hat am Wochenende die Bildung von 15 Kooperationsräumen beschlossen und damit einen wichtigen Schritt für eine zukunftsfähige Kirche in der Metropolregion Hamburg eingeleitet. Kooperationsräume sind Zusammenschlüsse mehrerer Kirchengemeinden innerhalb des Kirchenkreises, um Stärken zu bündeln, Fokusthemen voranzutreiben und Kompetenznetzwerke zu etablieren. Ziel ist es, den Menschen in der Region auch weiterhin mit attraktiven Angeboten, Seelsorge sowie diakonischem Engagement zur Seite zu stehen – und dies auch bei schwierigen Rahmenbedingungen angesichts sinkender Mitgliedszahlen und Ressourcen.
„Mit den Kooperationsräumen investieren wir in die Zukunft unserer Kirche. Wir bündeln unsere Kräfte, um als Kirche für die Menschen in Hamburg und Südholstein relevant und ansprechbar zu bleiben. Wir wollen nicht nur verwalten, sondern gestalten – und das geht am besten gemeinsam. Diese Zusammenarbeit wird neue Kreativität freisetzen und es uns ermöglichen, die gute Nachricht von Gott auf neue und vielfältige Weise den Menschen näher zu bringen und als Kirche sichtbar zu sein“, sagt Propst Frie Bräsen zum Beschluss der Synode.
Es geht auch um den möglichst effizienten Einsatz von Pastorinnen und Pastoren in den Kirchengemeinden. Zuletzt war es immer schwieriger geworden, freiwerdende Stellen in den Gemeinden zu besetzen, weil auch dringend benötigte Theologen fehlen. Wenn die Mitgliederzahlen weiter zurückgehen, wird es für einzelne Gemeinden zudem schwieriger, ausreichend Pastoren einstellen zu können. Anstellungsträger für Pastorinnen und Pastoren ist der Kirchenkreis, jedoch werden wegen der geringeren Mittel immer weniger Stellen ausgewiesen. Manche Gemeinden müssen bereits mit nur einer Pastorenstelle auskommen. In ländlichen Gebieten ist es bereits üblich, dass sich ein Pfarrteam eines Kirchspiels um gleich mehrere Kirchengemeinden kümmert.
Die 15 Kooperationsräume im Überblick
Die 15 Kooperationsräume erstrecken sich über den gesamten Kirchenkreis und sind auf die drei Propsteien Pinneberg, Niendorf-Norderstedt und Altona-Blankenese verteilt. In der Propstei Pinneberg wurden sechs Kooperationsräume gebildet, die von den Elbmarschen über Uetersen und Wedel bis nach Pinneberg, Quickborn und Schenefeld reichen. In der Propstei Niendorf-Norderstedt entstehen drei Kooperationsräume in Norderstedt, Niendorf-Schnelsen sowie Eidelstedt-Lokstedt-Stellingen-Langenfelde. Die Propstei Altona-Blankenese entwickelt sechs weitere Kooperationsräume.
Jeder dieser Kooperationsräume umfasst mehrere Kirchengemeinden, die zukünftig eng zusammenarbeiten werden – von kleinen Gemeinden in ländlichen Gebieten bis zu größeren Stadtgemeinden. Diese Vielfalt spiegelt die unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten der Menschen in der Region wider und ermöglicht es, kirchliche Angebote passgenau auf die jeweiligen Bedürfnisse vor Ort abzustimmen.
Chancen für eine lebendige Kirche
Die Einrichtung der Kooperationsräume ist eine proaktive Antwort auf die vielfältigen Herausforderungen der Gegenwart und das Ergebnis eines längeren Prozesses, der auf eine Vision für eine lebendige und relevante Kirche in der heutigen Gesellschaft abzielt. Anstatt nur auf äußere Umstände zu reagieren, gestalten der Kirchenkreis und die Gemeinden damit aktiv ihre Zukunft. Die Kooperationsräume eröffnen zahlreiche Chancen:
Vielfältige Angebote: Die Bündelung von Kräften ermöglicht eine größere Bandbreite an Angeboten, die noch besser auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und Lebenswelten der Menschen eingehen
Effektiver Ressourceneinsatz: Personal, Gebäude und finanzielle Mittel können effektiver und sachgemäßer eingesetzt werden, um die Wirksamkeit der kirchlichen Arbeit zu erhöhen
Gabenorientierte Spezialisierung: Spezifische Angebote, wie zum Beispiel in der Jugendarbeit, der Kirchenmusik oder der Seelsorge, können kompetent und gabenorientiert umgesetzt werden
Attraktive Arbeitsbedingungen: Die Kooperationsräume ermöglichen die Schaffung von attraktiven Stellen für Hauptamtliche, auch in Gemeinden, die sich dies allein nicht mehr leisten könnten. Zudem wird die Teamarbeit, auch über Berufsgruppen hinweg, gefördert.
Starke Vernetzung: Kirche und Diakonie können gemeinsam handeln und sich stärker in der Region vernetzen, um gemeinwesenorientiert zu arbeiten
Die Kirchengemeinden haben innerhalb der Kooperationsräume die Möglichkeit, ihre Zusammenarbeit rechtlich unterschiedlich zu gestalten, sei es als Verbund eigenständiger Gemeinden, in einem Pfarrsprengel, in einem Kirchengemeindeverband oder durch eine Fusion. Rechtlich werden diese Räume als sogenannte Kirchenregionen verankert. Der Kirchenkreis berät die neuen Kooperationsräume in vielen Bereichen, zum Beispiel durch Organisationsentwicklung, in der Kommunikation oder beim Fundraising.


