Nienstedten (12. Februar 2026, Februar), Markus KrohnDie FDP-Bezirksfraktion ist mit einem Antrag zum Erhalt und zur konzeptionellen Weiterentwicklung des namengebenden Damwildgeheges für den Hirschpark im Grünausschuss der Bezirksversammlung gescheitert. Warum die Hirsche nicht dort bleiben können.

Das Damwildgehege musste geschlossen werden, nachdem die Amtsveterinärin wegen tierschutzrelevanter Defizite angedeutet hatte, die Schließung des Gatters anzuordnen. Die betroffenen Tiere wurden in das nahegelegene Wildgehege gebracht, wo sie artgerecht untergebracht werden konnten.

Laut Aussage der Amtsveterinärin im Ausschuss sei das Gehege über mehr als zehn Jahre nicht genehmigungsfähig und damit faktisch rechtswidrig betrieben worden. Ein rechtzeitiges Einschreiten sei nicht erfolgt. Warum nicht, konnte in der Ausschusssitzung nicht geklärt werden. Genauso wenig ist bislang nachvollziehbar, warum bei der umfassenden Sanierung im Jahr 2024 die Haltungsbedingungen nicht ausreichend berücksichtigt wurden, obwohl die Sanierung genau damit begründet wurde.

Hamburgs traditionsreicher Hirschpark, ein rund 24,5 Hektar großer Landschaftsgarten mit Baumbestand und Damwildgehege, blickt auf eine lange Geschichte zurück: Bereits im 19. Jahrhundert legte die Familie Godeffroy das Wildgatter an, das dem Park seinen Namen gab und ihn bis heute prägte. Seit Generationen zogen die Tiere Besucher an und galten als eines der identitätsstiftenden Elemente dieser beliebten Grünanlage an der Elbchaussee.

Doch Ende Januar 2026 hat das Bezirksamt Altona überraschend Konsequenzen gezogen: Trotz umfangreicher baulicher Maßnahmen in den Jahren 2023 und 2024 seien tierschutzgerechte Haltungsbedingungen weiterhin nicht dauerhaft gewährleistet, erklärte die Verwaltung. Dabei spielten wiederkehrende, teilweise aggressive Brunftkämpfe der männlichen Tiere eine zentrale Rolle – und mangelnde Rückzugsmöglichkeiten für das Wild.

Ein endgültiges Aus der Damwildhaltung im Hirschpark wollten aber weder Bürgervereine noch Freundeskreis oder die FDP-Fraktion billigen. Die FDP-Fraktion bezeichnete die Entscheidung im Ausschuss für Grün, Naturschutz und Sport als politisch gewolltes Aus des Geheges – und moniert fehlende Konzepte, fehlende Nachzucht und Jahre der Untätigkeit, obwohl erhebliche Mittel in die Anlage geflossen seien. Fraktionschefin Katarina Blume kündigte an, Akteneinsicht zu beantragen und mögliche rechtliche Schritte zu prüfen. Diese Kritik fußt auch auf Aussagen, wonach das Gehege über lange Zeit nicht genehmigungsfähig betrieben worden sein soll, ohne dass frühzeitig eingegriffen worden wäre.

Für viele Anwohner und Spaziergänger, die den Hirschpark als Naherholungsort mit Tiererlebnis schätzen, ist der Verlust des Damwildgeheges ein emotionaler Einschnitt. Die FDP-Fraktion hat einen Infostand mit Unterschriftensammlung am 21. Februar in Blankenese angekündigt, um Unterstützer für neue Lösungsansätze zu gewinnen.

Kommentar:

Es ist kein Wunder, wenn sich Anwohner, Bürger sowie manche Bezirkspolitiker über die plötzliche Schließung des Damwildgeheges im Hirschpark verwundert die Augen reiben. Klar ist, dass die Tiere geschützt werden sollten – nach neuesten Erkenntnissen, versteht sich, und gegen Menschen, die ihre Hunde nicht anleinen können, lautstarke Partys im Hirschpark feiern und das Fütterungsverbot ignoriert haben. Insofern ist es gut, dass die Verantwortlichen im Bezirk gehandelt haben – „besser spät als nie“, sagt der Volksmund.

Jetzt ist Zeit, um zu überlegen, wie man den Hirschpark denkmalgerecht und im Sinne der Anwohner gestalten kann. Vielleicht ist die Idee eines Spielplatzes gar nicht so falsch, auf dem lebensgroße hölzerne Hirsche zum Klettern einladen – als Erinnerung an eine Tradition.

Aber auch dieser Aspekt muss berücksichtigt werden: Es sollte geklärt werden, warum die Verwaltung so lange weggesehen hat und erst jetzt Konsequenzen zieht, wo – mal wieder – Hunderttausende Euro an Steuergeldern für ein Gehege verschwendet worden sind, das nicht funktioniert.

Inzwischen wäre es gut, wenn sich alle Enttäuschten an der Gestaltung einer modernen Version des Hirschparks beteiligen. Wer das Damwild erleben möchte, hat ohnehin im Wildgehege Klövensteen viel mehr davon.

Markus Krohn, Herausgeber