Exklusiv Bezirk Altona (23. Januar 2026, Konrad Matzen) · Ein länger andauernder Stromausfall würde den Bezirk Altona und damit die Elbvororte hart treffen: Heizung, Wasser, Kommunikation und medizinische Versorgung wären binnen kurzer Zeit eingeschränkt. Zwar hat der Katastrophenschutz dieses Szenario grundsätzlich im Blick, doch konkrete Konzepte für einen großflächigen Blackout fehlen bis heute weitgehend. Der jüngste Sabotagefall in Berlin zeigt, wie real diese Gefahr ist – und wirft die Frage auf, ob Altona im Ernstfall ausreichend vorbereitet wäre.
Ein Knopfdruck, ein Kabel, ein gezielter Angriff – und plötzlich ist es dunkel. Was wie ein theoretisches Szenario klingt, ist spätestens seit dem mehrtägigen Stromausfall nach einem Sabotageakt in Berlin-Steglitz/Zehlendorf zur realen Bedrohung geworden. Zehntausende Haushalte waren dort bei winterlichen Temperaturen ohne Strom, Heizung und teils ohne funktionierende Kommunikationsnetze. Notunterkünfte, Wärmestuben und Versorgungsangebote mussten improvisiert eingerichtet werden. Ein Szenario, das auch für Hamburg – und insbesondere für den dicht besiedelten Bezirk Altona – relevant ist.
Denn eine stabile Stromversorgung ist die Grundlage nahezu aller Lebensbereiche. Ohne Strom funktionieren weder Heizungen noch Wasserpumpen, weder Supermarktkassen noch Mobilfunkmasten. Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen sind auf Notstrom angewiesen, private Haushalte dagegen weitgehend auf sich gestellt. Gleichzeitig gilt die Strominfrastruktur als verwundbar – gegenüber Extremwetter, technischen Defekten und gezielten Sabotageakten.
Bereits vor einigen Jahren hatte sich das Bezirksamt Altona mit genau dieser Frage befassen müssen. Auf eine parlamentarische Anfrage hin wurde damals deutlich: Der bezirkliche Katastrophenschutz ist personell sehr begrenzt, der Regionale Katastrophendienststab nicht dauerhaft besetzt, spezifische Übungen zu Blackout- oder Sabotageszenarien fanden lange Zeit nicht statt. Eine flächendeckende Sirenenwarnung existiert im Bezirk nicht, und für einen länger andauernden Stromausfall – insbesondere im Winter – lagen keine konkreten Konzepte zur Unterbringung, Beheizung und umfassenden Versorgung der Bevölkerung vor.
Vor dem Hintergrund des kürzlich erfolgten Blackouts in Berlin hat die FDP-Bezirksfraktionsvorsitzende Katarina Blume im Bezirk erneut nachgefragt und erstaunliches festgestellt: An dieser grundsätzlichen Lage hat sich nur wenig geändert. Zwar wurde im Fachamt Interner Service inzwischen ein eigener Abschnitt „Zivil- und Katastrophenschutz“ eingerichtet und personell um eine zusätzliche Vollzeitstelle ergänzt. Materielle und finanzielle Ressourcen jedoch sind unverändert geblieben. Auch konkrete Notfallkonzepte für einen großflächigen Blackout wurden seit der letzten Anfrage im Jahr 2022 nicht neu entwickelt oder ergänzt.
Das Bezirksamt verweist darauf, dass ein flächendeckender Stromausfall eines der komplexesten und am schwersten planbaren Szenarien überhaupt sei. Lehren aus dem Berliner Sabotagefall würden zwar in die Weiterentwicklung der Notfallplanung einfließen, konkrete Anpassungen in der Krisenvorsorge gebe es derzeit jedoch nicht. Klar sei lediglich: Ein solches Szenario könne nur gemeinsam mit der Behörde für Inneres und Sport, Hilfsorganisationen, benachbarten Bezirken und weiteren Partnern bewältigt werden.
Besonders kritisch ist die Lage bei der praktischen Versorgung der Bevölkerung. Zwar könnten im Ernstfall mehrere Schulturnhallen als Notunterkünfte genutzt werden, diese sind nach Kenntnis des Bezirksamtes jedoch weder autark beheizbar noch mit Notstrom versorgt. Gesonderte Vorbereitungen speziell für einen winterlichen Blackout existieren nicht. Auch die Trinkwassernotversorgung bleibt ein Schwachpunkt: Die angekündigte Trinkwassernotbrunnen-Richtlinie ist bis heute nicht fertiggestellt, die Zahl der Brunnen im Bezirk liegt weiterhin bei sieben.
Im Bereich der Warnung und Kommunikation setzt Altona im Notfall vor allem auf soziale Netzwerke und mobile Lautsprecherdurchsagen, etwa durch Fahrzeuge der DLRG. Weitergehende Warnsysteme wie Sirenen, Cell Broadcast oder das Modulare Warnsystem (MoWaS) liegen nicht in bezirklicher Zuständigkeit, sondern bei der Innenbehörde. Eine flächendeckende Sirenenwarnung über das gesamte Bezirksgebiet hinaus existiert bislang nicht.
Immerhin: Seit 2022 wurden mehrere Schulungen und Übungen des Regionalen Katastrophendienststabes durchgeführt, darunter hamburgweite Stabsrahmenübungen unter Leitung der Behörde für Inneres und Sport. Dabei habe sich gezeigt, dass das Bezirksamt grundsätzlich in der Lage sei, flexibel auf unterschiedliche Lagen zu reagieren und mit Partnern wie Feuerwehr, Polizei und Hilfsorganisationen zusammenzuarbeiten. Eine explizite, detaillierte Planung für einen länger andauernden Stromausfall gibt es jedoch weiterhin nicht.
Bleibt die Eigenvorsorge der Bevölkerung. Hier verweist das Bezirksamt vor allem auf Informationsangebote der Innenbehörde und des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Broschüren mit Checklisten für Notvorräte liegen im Rathaus Altona aus, Hinweise auf Warn-Apps wie NINA oder KATWARN finden sich online. Eine gezielte bezirkliche Informationskampagne angesichts der veränderten Bedrohungslage ist bislang nicht angekündigt.
Der Blick nach Berlin zeigt: Ein Blackout ist kein fernes Gedankenspiel. Für Altona stellt sich damit dringender denn je die Frage, ob das bestehende Maß an Vorbereitung ausreicht – oder ob es nicht an der Zeit wäre, aus abstrakten Szenarien konkrete Vorsorge zu machen, bevor es tatsächlich zappenduster wird.


