Wo sonst in Hamburg gibt es Wohnen, tolle Restaurants, Naherholung und unzählige Touristen auf einem Handtuch zusammengepresst? Wer hier Straßen neu plant, braucht Fingerspitzengefühl. Wer sich an der Elbchaussee umhört, bekommt aber schnell das Gefühl, dass hier mit dem Kopf durch die Wand geplant wird. Viele Anwohner und Gewerbetreibende haben mittlerweile das Gefühl, dass Verkehrssenator Anjes Tjarks überhaupt keine Rücksicht auf sie nehmen will. Die Stimmung vor Ort? Man glaubt, der Senator habe nur noch Fahrradfahrer im Blick und die Parkplatznot der Einheimischen interessiere ihn nicht im Geringsten. Was sie besonders aufregt: Der Mobilitätswende-Senator glänzt mit Abwesenheit. Weicht Anjes Tjarks bewusst dem Zorn der Oevelgönner aus?

Wer am steilen Elbhang wohnt, muss den Wagen logischerweise irgendwo da oben abstellen. Da geht es ja nicht um reine Bequemlichkeit, sondern darum, den Kinderwagen auszupacken oder einfach eine Kiste Wasser ins Haus zu schleppen. Hinzu kommen die ganzen Ausflügler, die besonders am Wochenende die Gastronomie stürmen und ans Wasser wollen. Die suchen natürlich auch alle einen Parkplatz. Wenn nun an der ohnehin dichten Elbchaussee weitere Flächen für den Radverkehr wegfallen, suchen sich die Autos ihren Weg in die schmalen Nebenstraßen. Die Folge: Dauernder Parkplatzsuchverkehr, ein Haufen Lärm, Abgase und durch das ständige Rangieren auch deutlich mehr Unfallgefahr. Das macht das Leben dort nicht gerade angenehmer.

Jetzt hat die CDU-Fraktion beim Senat mal offiziell nachgebohrt, was eigentlich Sache ist. Die Antwort aus dem Rathaus liest sich so, als sei alles noch völlig in der Schwebe, aber hinter den Kulissen wird munter an den Radverkehrsanlagen festgehalten.

Anke Frieling, die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der CDU, bringt den Frust treffend auf den Punkt. Sie sagt: „Der Senat tut so, als sei noch alles offen. Tatsächlich ist die Richtung längst vorgegeben: Der Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur hat Vorrang, während die berechtigten Interessen von Anwohnern, Gewerbetreibenden und Besuchern nachrangig behandelt werden.“

Am meisten irritiert die Anwohner, worauf die Verkehrsplaner ihre Berechnungen stützen. Anke Frieling legt da den Finger in die Wunde: „Dass die Datengrundlage für den erwarteten Parkplatzbedarf überwiegend auf Erhebungen im Winter und Frühjahr beruht und die Situation an den stark frequentierten Sommerwochenenden nicht untersucht wurde, macht das umso deutlicher.“ Man fragt sich schon: Wer analysiert denn den Ausflugsverkehr in Övelgönne, wenn es draußen friert, und lässt den Sommer einfach weg?

Am Ende bleibt die ganz praktische Frage, wie das Quartier am Leben gehalten wird. „Wer Parkplätze abbaut, muss zumindest erklären, wie ältere Menschen, Familien, Handwerker, Pflegedienste oder die örtliche Gastronomie künftig erreichbar bleiben“, fordert Frieling und schiebt nach: „Der Senat bleibt die Antworten darauf schuldig.“ Ihr Fazit hat es in sich und fasst die Stimmung vieler vor Ort zusammen: „Das ist eine Politik, die vergessen hat, dass sie Lösungen für alle Menschen finden muss – und nicht nur für diejenigen, die mit dem Fahrrad fahren.

Man merkt schon: Das letzte Wort ist an der Elbchaussee noch lange nicht gesprochen.