Altona treibt den Klima- und Umweltschutz an vielen Stellen voran. Mit dem Klimaanpassungskonzept "COOL Altona", mit Projekten zur nachhaltigen Mobilität, mit der Baumbilanz und mit Initiativen rund um klimaresiliente Stadtentwicklung zeigt der Bezirk, dass das Thema längst in der Verwaltung angekommen ist. Gerade deshalb wird die Frage drängender, wer diese Vielzahl an Vorhaben eigentlich strategisch zusammenführt: Warum gibt es in Altona keinen eigenen Nachhaltigkeitsmanager oder -managerin?
Die kurze Antwort lautet: Eine eigenständige Stelle mit diesem Zuschnitt gibt es im Bezirk bislang nicht. Stattdessen liegen Klimaschutz, Klimaanpassung und damit verbundene Nachhaltigkeitsthemen in Altona bei einem Klimateam im Bezirksamt. Dieses Team ist organisatorisch im Fachamt Management des öffentlichen Raums angesiedelt und arbeitet in einer Matrixstruktur. Zum Team gehören nach offiziellen Angaben Thomas Ewertz für das Klimaschutzmanagement, Heike Bunte für Mobilität und Zamna Castillejos mit dem Schwerpunkt Stadtentwicklung und Klimafolgenanpassung. Zu den zentralen Projekten zählen die Koordination des integrierten Klimaschutzkonzepts, die Entwicklung und Koordinierung von "COOL Altona" sowie EU-Projekte im Bereich nachhaltiger Mobilität.
Dass es im Bezirk keine klassische Nachhaltigkeitsmanager-Stelle gibt, heißt aus Sicht der Verwaltung aber nicht, dass Nachhaltigkeit ohne Struktur bearbeitet wird. Jennifer Langhorst, Sprecherin des Bezirks Altona, verweist auf die Aufgabenteilung zwischen Stadt und Bezirk. "Mit der Stabsstelle Nachhaltigkeit in der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) legt die FHH an zentraler Stelle einen Schwerpunkt auf das Thema Nachhaltigkeit für die gesamte Stadt." Für Altona selbst sei das Klimateam die konkrete Anlaufstelle für Klimaschutz und Klimafolgenanpassung im Bezirk. Langhorst betont: "Das Klimateam übernimmt innerhalb des Bezirksamtes auch koordinierende Aufgaben zu Klimathemen und steht diesbezüglich in engem Austausch mit anderen Fachämtern und Abteilungen im Bezirksamt Altona."
Genau darin liegt aber auch der Kern der Debatte. Denn Koordination ist nicht dasselbe wie ein klar benannter politischer und verwaltungsinterner Gesamtverantwortlicher für Nachhaltigkeit. In Wedel ist man diesen Schritt weitergegangen und hat Klimaschutz, Umwelt und Mobilität in einer gebündelten Struktur zusammengeführt. Das Beispiel aus der Nachbarstadt dient deshalb zunehmend als Vergleichsfolie für Altona. Offenkundig ist: Während Wedel das Thema personell klar zuschneidet, arbeitet Altona bislang mit verteilten Zuständigkeiten und einem interdisziplinären Ansatz.
In Altona wird diese Konstruktion politisch unterschiedlich bewertet. Anna Vogel, SPD-Co-Fraktionsvorsitzende in Altona, verteidigt den eingeschlagenen Weg. "Das Wedeler Modell finden wir spannend, auch wenn wir nicht im Detail damit vertraut sind. Aber auch Altona hat eine übergreifende Struktur." Sie verweist darauf, dass im Bezirksamt ein eigener Bereich Klima existiere, dessen Leitung gerade neu besetzt werde. Vogel sieht darin den richtigen Zuschnitt: "Klimaschutz und Klimaanpassung sind Querschnittsaufgaben. Es geht darum, unterschiedliche Themen zusammenzubringen, Projekte voranzutreiben und für eine gute Abstimmung zu sorgen." Besonders wichtig sei zudem die Verknüpfung mit wirtschaftlicher Entwicklung: "Klimaschutz und wirtschaftliche Entwicklung gehören zusammen, in Altona wie in ganz Hamburg."
Tatsächlich zeigt auch eine aktuelle Stellenausschreibung, wie breit das Feld inzwischen gedacht wird. Gesucht wird im Bezirksamt Altona ein Gebiets- und Klimaschutzmanager im Dezernat Wirtschaft, Bauen und Umwelt. Die Stelle ist in der bezirklichen Wirtschaftsförderung verankert und soll an der Umsetzung des Maßnahmenkatalogs für das nachhaltige Entwicklungskonzept Schnackenburgallee mitwirken. Genannt werden unter anderem die Analyse von Gewerbeflächen sowie die Identifikation von Potenzialen für Klimaschutz und Gewerbe. Das deutet darauf hin, dass Klimafragen in Altona zunehmend mit Standort- und Wirtschaftspolitik verzahnt werden - aber eben projektbezogen und nicht in Form eines eigenständigen bezirklichen Nachhaltigkeitsmanagements.
Aus der Grünen-Fraktion kommt ein differenzierter Blick. Grünen Co-Vorsitzende Dana Vornhagen verweist darauf, dass mit dem Klimaschutz- und Klimaanpassungsteam bereits eine Struktur existiere, aus der etwa "COOL Altona" hervorgegangen sei. Aus der Linksfraktion in Altona wird auch Unterstützung für eine eigenständige Lösung signalisiert. Die klimapolitische Sprecherin, Heike Schoon, meint: "Eine separate Stelle für Nachhaltigkeitsmanagement im Bezirk Altona wäre auf jeden Fall sinnvoll." Vorrang habe aktuell jedoch zunächst, dass zur Umsetzung des Klimaanpassungskonzepts mindestens ein Klimaanpassungsmanager eingestellt werde.
Das Dilemma des Bezirks: Altona hat weder einen Stillstand beim Thema Nachhaltigkeit noch einen völligen Mangel an Zuständigkeiten. Im Gegenteil: Der Bezirk arbeitet an Klimaschutz, Anpassung und nachhaltiger Entwicklung auf mehreren Ebenen. Doch die Vielzahl der Maßnahmen - von "COOL Altona" über Mobilitätsprojekte bis hin zu Fragen der wirtschaftlichen Transformation spricht auch für eine stärkere Bündelung. Ein eigener Nachhaltigkeitsmanager könnte genau diese Klammer bilden: fachübergreifend, sichtbar und mit klarer Zuständigkeit.
Bislang setzt Altona stattdessen auf ein vernetztes Modell mit Klimateam, Fachämtern und zentralen Vorgaben aus der Umweltbehörde. Ob das auf Dauer reicht, wird sich daran entscheiden, wie wirksam die laufenden Konzepte umgesetzt werden - und ob aus Koordination auch jene strategische Schlagkraft entsteht, die andere Kommunen inzwischen ausdrücklich in einer Person oder einer eigenen Organisationseinheit bündeln. In Altona ist die Nachhaltigkeit also längst Thema der Verwaltung. Die offene Frage ist, ob sie auch einen eigenen Kopf bekommen soll.
















