Die Fußball-Weltmeisterschaft gehört zu den wenigen Ereignissen, bei denen Menschen aller Generationen gemeinsam jubeln, leiden und feiern. Besonders in den Elbvororten, in Ottensen oder entlang der Elbchaussee sind zahlreiche Gastronomen darauf vorbereitet, ihren Gästen die Spiele auf Großbildschirmen oder Leinwänden zu zeigen.

Doch nun sorgt ein Schreiben des Bezirksamtes Altona für erhebliche Unruhe. Darin werden Gastronomen daran erinnert, dass auf ihren Sommerterrassen weiterhin ein grundsätzliches Verbot für Tonübertragungen gilt. Laut Bezirksamt betrifft dies ausdrücklich auch die Übertragungen der Fußball-WM.

Die CDU-Fraktion Altona reagierte mit scharfer Kritik. Fraktionschef Sven Hielscher spricht von einem völlig falschen Signal. „Während sich Millionen Menschen auf die Fußball-WM freuen, verschickt das Bezirksamt Altona eine Liste mit Verboten. Das ist das völlig falsche Signal und eine unterirdische Art der Kommunikation“, findet Hielscher.

Aus Sicht der CDU seien Restaurants, Cafés und Bars gerade während großer Sportereignisse wichtige Treffpunkte. Statt Unterstützung zu erfahren, würden die Betriebe nun mit Verboten konfrontiert. Dabei gebe es durchaus Möglichkeiten, Ausnahmen zu beantragen.

Auch die FDP-Fraktion schlägt in dieselbe Kerbe. Ihr stellvertretender Vorsitzender Constantin Jebe erklärt: „Wer glaubt, die Hamburger müssten zum Fußballschauen, Jubeln und Feiern in den Keller gehen, hat den Charakter eines solchen Sportereignisses nicht verstanden.

Die Liberalen fordern vom Bezirksamt mehr Augenmaß. Kurzfristiger Torjubel oder emotionale Reaktionen dürften nicht isoliert betrachtet werden, sondern müssten im Zusammenhang mit einem zeitlich begrenzten Großereignis bewertet werden. Die Bezirksversammlung solle sich zunächst mit dem Thema befassen, bevor bei Bürgern und Gastronomen der Eindruck entstehe, gemeinsames Fußballerlebnis im Freien sei unerwünscht.

Tatsächlich gehen andere Städte in Deutschland deutlich großzügiger mit dem Thema um. So ermöglichen beispielsweise Berlin, Köln, Dortmund oder Augsburg während der Weltmeisterschaft unter bestimmten Auflagen Public Viewing in der Außengastronomie und schaffen dafür teilweise spezielle Ausnahmeregelungen. Ziel ist dort ein Ausgleich zwischen Lärmschutz und Fußballbegeisterung.

Das Bezirksamt Altona weist die Vorwürfe jedoch zurück. Bezirkssprecherin Jennifer Langhorst betont, das Schreiben sei nicht aus eigenem Antrieb verschickt worden. Vielmehr hätten Gastronomen über den Nachtbeauftragten um Klarstellung gebeten. Das Schreiben solle lediglich für Rechtssicherheit sorgen.

„Bei den formulierten Hinweisen handelt es sich inhaltlich um Auflagen, die die Gastronomen bei der Erteilung der Sondernutzungserlaubnis für die Außengastronomie erhalten haben“, erklärt Langhorst. Die betreffende Auflage sei eindeutig: „Die Benutzung oder Verwendung von Tonübertragungsgeräten und Musikinstrumenten ist nicht gestattet. Auch die Beschallung der Sondernutzungsfläche ist nicht gestattet.“ zitiert die Sprecherin das geltende Sondernutzungsrecht.

Nach Angaben des Bezirksamtes gilt diese Regelung nicht nur in Altona, sondern werde in allen Hamburger Bezirken bei Sommerterrassen angewendet. Deshalb habe die Auflage „selbstverständlich auch während der WM Bestand“.

Damit prallen derzeit zwei Sichtweisen aufeinander. Auf der einen Seite stehen Anwohner, die Anspruch auf Ruhe haben. Auf der anderen Seite Gastronomen und Fußballfans, die ein internationales Sportereignis gemeinsam erleben möchten. Ob das Bezirksamt seinen Kurs beibehält oder doch noch mehr Spielraum zulässt, dürfte die Politik in Altona in den kommenden Wochen weiter beschäftigen. Für die kommende Bezirksversammlung am 25. Juni hat die FDP-Fraktion einen Antrag eingebracht, der das Bezirksamt auffordern soll, in den nächsten Wochen das geltende Recht mit Augenmaß anzuwenden, um die Freude an der Begleitung dieses internationalen Sportereignisses nicht zu trüben.

Fest steht schon jetzt: Kaum hat die WM begonnen, wird in Altona nicht nur über Fußball diskutiert – sondern auch über die Frage, wie viel Jubel eine Sommerterrasse verträgt – schon wieder…