„Klar, es könnte immer etwas schneller gehen. Aber wir müssen den Behörden auch Zeit geben, die beschlossenen Maßnahmen richtig umzusetzen. Dafür stehe ich mit ihnen im regelmäßigen Austausch mit den zuständigen Stellen. Außerdem ist in der kurzen Zeit viel passiert: Die Beschilderung wurde überarbeitet, mehrsprachige Flyer verteilt, Social-MediaKampagnen gestartet. Es gibt Aufklärung in Schulen und Unterkünften, direkte Ansprache am Strand – all das gemeinsam mit DLRG, Behörden und Ehrenamtlichen“, so Sturzenbecher. „Noch bevor diese Maßnahmen vollständig umgesetzt und ausgewertet sind, neue Forderungen aufzustellen, hilft niemandem. Es geht darum, wirksam zu sein – nicht laut.“
Hintergrund ist ein Antrag, den die CDU-Fraktion am vergangenen Mittwoch in die Bürgerschaft eingebracht hatte. Darin fordert sie unter anderem den verstärkten Einsatz nachleuchtender Warnschilder, eine neue Social-Media-Kampagne sowie umfassende Aufklärungsmaßnahmen an Schulen. Trotz laufender Umsetzung greift der Antrag viele Punkte erneut auf – ohne den tatsächlichen Sachstand zu berücksichtigen. Aus Sicht von SPD und Grünen ignoriert der Antrag, dass zahlreiche dieser Maßnahmen längst angestoßen oder bereits realisiert worden sind.
Viele Maßnahmen laufen – weitere sind in Vorbereitung
CDU-Fraktionsvize Dr. Anke Frieling entgegnet, dass immer noch nicht genug getan werde, um die Menschen vor dem Ertrinkungstod zu retten. „Einzelne Maßnahmen sind gut, aber wir denken, dass der Schutz der Gäste am Elbstrand ein dauerhaftes Thema sein sollte“. Frieling ist der Meinung, dass Schülerinnen und Schüler besser aufgeklärt werden sollten. „Bei mir war das früher Teil des Unterrichts. Heute weiß doch nocht nicht mal jeder Hamburger Schüler, was Gezeiten sind…“
Gerade im Bildungsbereich wurden in den vergangenen Monaten jedoch konkrete Schritte eingeleitet: Die Schulbehörde arbeitet in Kooperation mit der Hamburg Port Authority an neuen Umsetzungshilfen für den Unterricht zum Thema „Tidegewässer Elbe“. Die Materialien sollen Ende 2025 vorliegen und unter anderem ökologische, sicherheitsbezogene und gesellschaftliche Aspekte aufgreifen. Bereits jetzt wird das Thema im Sachunterricht und in der Schwimmausbildung behandelt. Zudem wurde es auf der Landesfachkonferenz Geographie gezielt aufgegriffen, um Lehrkräfte für die Bedeutung im Unterricht zu sensibilisieren. Eine Auswertung der bisherigen Maßnahmen ist für den Herbst 2025 im Rahmen des behördenübergreifenden Arbeitskreises „Sicherer Elbstrand“ geplant.
Das Baden in der Elbe bleibt gefährlich
Irritiert ist die Sozialdemokratin auch über das Abstimmungsverhalten der Bezirks-CDU. In der Bezirksversammlung Altona wurde am vergangenen Donnerstag ein von der SPD initiierter Antrag zur Aufstellung eines Mahnmals am Elbstrand beschlossen – gegen die Stimmen von CDU und FDP, obwohl die Idee in enger Abstimmung mit der DLRG entwickelt wurde. Es soll künftig an die bisherigen Todesfälle erinnern und zugleich öffentlich für die Gefahren am Elbstrand sensibilisieren. „Solche Orte schaffen Aufmerksamkeit, wo sie gebraucht wird – direkt vor Ort. Dass ausgerechnet diejenigen, die öffentlich mehr Bewusstseinsbildung einfordern, in der Bezirksversammlung gegen dieses Mahnmal stimmen, ist dann schon recht widersprüchlich“, empört sich Sturzenbecher. CDU-Abgeordnete wollen das Geld lieber in Aufklärungsmaßnahmen stecken.
Was auch immer Politiker oder Behördenvertreter an Maßnahmen umsetzen: Die akute Gefahr des Ertrinkens in der Elbe vor allem bei Niedrigwasser bleibt bestehen. Jeder Strandbesucherin, jeder Strandbesucher sollte sich daher fragen, ob ein Bad in der Elbe sinnvoll ist – und im besten Fall Mitmenschen ansprechen, die ins Wasser gehen und über die Gefahren aufklären.


