„Ich hätte nicht gedacht, wohin sich das im Lauf der Jahre an Potenzial an Umfang an Aufgaben aber auch am zeitlichen Einsatz entwickelt“, sagt Oliver Diezmann im Rückblick über seine Rolle in der Vertretung der Unternehmer. Dabei war er zunächst eher zufällig in die Verantwortung gerutscht – anfangs stand er in zweiter Reihe.
Vom Familienbetrieb zur Hausverwaltung
Die Wurzeln liegen tief: Bereits Diezmanns Großeltern prägten den Ortskern von Blankenese. „Meine Großeltern hatten einen Schiffs- und Bekleidungsausrüster für den Hafen übernommen, wurden in den 1940er-Jahren ausgebombt und sind dann nach Blankenese gezogen.“ Der Gründer des Ausrüsters hieß Willy Martini. Dieser Name prägt noch heute die Bezeichnung der Gebäude („Martini-Block“), in dem die Großeltern Diezmanns ihr Geschäft verlagerten.
Sie begannen im Hinterhof in der Bahnhofstraße 7 mit der Herstellung von Kleidung aus Segelstoffen, bis sie schließlich drei Grundstücke im Ortskern erwerben konnten und dort kleine Läden und Wohnungen errichteten. Die Auflage damals: So schnell wie möglich nach dem zweiten Weltkrieg die Versorgung der Bevölkerung herzustellen. Mit Kolonialwaren, Fisch, Fleisch, Bäcker, Gemüse und Tee gelang dies auch. 1954 erst wurde der Teil des Gebäudes über dem Erdgeschoss mit Anfangs Arztpraxen und später Büros und Wohnungen ergänzt.
Oliver Diezmann wuchs in diesem Umfeld auf. Schon als Jugendlicher war er in der Hausverwaltung aktiv: „Ich habe bestimmt drei oder vier Jahre in den Sommerferien bei meinen Großeltern gejobbt. Kasse, Ablage, Treppenhaus, Kloreinigung. Ich bin der Überzeugung: Alles, was man später von anderen verlangt, muss man auch irgendwann mal selber gemacht haben.“ Später übernahm er Verhandlungen für Mietverträge und die Betreuung der Immobilien, die teilweise noch aus der Zeit seiner Großeltern stammen.
Obwohl er ursprünglich Bankkaufmann werden wollte – mit Fokus auf Börse und Private Banking –, zog es ihn nach dem BWL-Studium wieder zurück an die familiären Wurzeln: die Betreuung und Vermietung von Gewerbeimmobilien. Heute verwaltet er unter anderem den Martini-Block, eine Premiumlage im Zentrum von Blankenese, und kennt jeden Quadratmeter seiner Gebäude.
Ehrenamt mit Herzblut
Sein Engagement für die BIG begann 2013, als die Stadt Hamburg ein Förderprogramm für Stadtteilinitiativen auflegte. Damit hatten die Blankeneser die Chance, ein eigenes Quartiersmanagement aufzubauen. „Eigentlich war ich sehr glücklich, in zweiter Reihe zu stehen“, erinnert sich Diezmann, der als Kassenwart den Vorstand unterstützte. Doch als die Projekte wuchsen und jemand den Vorsitz übernehmen musste, weil der Gründungsvorsitzende Uwe Lange aus Altersgründen zurücktrat, kam die Stunde von Diezmann: „Ich hatte damals ohnehin schon die wichtigsten Projekte des Vereins gemanaged – dann mache ich das.“
Unter seiner Leitung hat die BIG ein starkes Netzwerk aus über 100 Mitgliedern aufgebaut. Die Initiativen reichen von der prägnanten Winterbeleuchtung mit den für Blankenese typischen Pfahlewern, die weit über die Bahnhofstraße und Blankenese hinaus für Stimmung sorgt, über Straßenfeste bis hin zu Konzerten auf dem Süllberg und Workshops und sehr gut besuchte Netzwerktreffen für die Mitglieder. „Die Winterbeleuchtung zieht deutlich weiter als Hamburger Westen. Da kommen welche aus Schenefeld, Pinneberg oder Rahlstedt“, erklärt Diezmann. Das Besondere: Viele Geschäftsleute unterstützen die Aktionen und ein Großteil der Einnahmen fließt direkt in die Projekte.
Auch für die Mitglieder bringt Diezmann sein umfangreiches Netzwerk ein: „Das Netzwerk ist jetzt an einem Punkt, wo ich für viele Themen tatsächlich nur noch zum Telefon greifen muss oder eine kurze Nachricht schreiben, um Themen bewegen zu können, für die ich früher wahnsinnig lang gebraucht habe.“
Woher kommt der Erfolg?
„Wir stehen wirklich gut da“ resümmiert Diezmann, bleibt aber bescheiden: „Wir haben Glück, dass Blankenese immer noch bei Touristen beliebt ist. Das bringt Umsatz im Einzelhandel“. Dennoch beobachtet er den Wandel im Einzelhandel hin zu mehr Service- und gastronomischen Angeboten. „Erlebnis und Service stehen immer stärker im Fokus der Kunden. Der klassische Einzelhandel ist nicht mehr durch einen günstigen Preis, sondern durch Persönlichkeit und besonderes Erlebnis konkurrenzfähig“, ist seine Wahrnehmung. Die hohe Kaufkraft in Blankenese und den angrenzenden Stadtteilen und der attraktive Wochenmarkt sowie der Bio-Wochenmarkt und eine lebendige Stadtteilkultur tun ihr Übriges, um Kunden nach Blankenese zu locken.
„Wir haben unsere Mitglieder in der Corona-Zeit mit Workshops zu den drängendsten Fragen (Corona-Hilfen, Kurzarbeitergeld, Insolvenzrecht, etc.) unterstützt, indem wir kompetente Experten eingeladen haben. Das hat den Zusammenhalt der Mitglieder untereinander gestärkt. Davon profitieren wir jetzt.“ Andere Händlergemeinschaften schielen neidvoll nach Blankenese und die Handelskammer verweist regelmäßig an die BIG, wenn es um die erfolgreiche Umsetzung von Stadtteilprojekten geht.
Sein Engagement zeigt sich auch in der Art, wie Blankenese wahrgenommen wird: „Wir sind nicht nur ein Anziehungspunkt für Blankenese, sondern für den Hamburger Westen insgesamt. Und wir zeigen, dass Blankenese nicht nur ein Schickimicki-Stadtteil ist. Es gibt alles, von Familien über Niedrigverdiener bis zu Unternehmern.“
Oliver Diezmann ist Netzwerker, Stadtgestalter und Ideengeber, der Traditionen weiterführt und gleichzeitig Raum für Neues schafft. Wer den Puls von Blankenese spüren will, schaut auf seine Projekte – von der Winterbeleuchtung bis zu sommerlichen Straßenfesten. Die Mischung aus Engagement, Organisationstalent und persönlicher Verbundenheit zum Stadtteil macht ihn zu einem unverzichtbaren Akteur für Blankenese.


