Die Buchhandlung Wassermann in Blankenese gehört erneut zu den ausgezeichneten unabhängigen Buchhandlungen Deutschlands. Der traditionsreiche Laden an der Elbchaussee wird zum zweiten Mal mit dem Deutschen Buchhandlungspreis geehrt und reiht sich damit in eine Liste engagierter Buchhändler ein, die sich in besonderer Weise für Literaturvermittlung, Beratung, Demokratiebeildung und kulturelles Leben einsetzen.
Der Deutsche Buchhandlungspreis ist eine staatliche Auszeichnung, die jährlich vom Staatsministerium für Kultur und Medien vergeben wird. Ziel ist es, die Vielfalt und Qualität des unabhängigen Buchhandels zu stärken und jene Buchläden zu würdigen, die mit innovativen Konzepten, besonderen Veranstaltungen oder herausragendem Service das kulturelle Leben vor Ort prägen. Häufig sind diese Geschäfte weit mehr als Verkaufsstellen: Sie organisieren Lesungen, fördern den literarischen Austausch und engagieren sich für die Leseförderung.
Auch die Buchhandlung Wassermann versteht sich seit Jahren als kultureller Treffpunkt. Neben der sorgfältig kuratierten Auswahl an Literatur gehören Lesungen, Veranstaltungen und Kooperationen mit lokalen Initiativen zum festen Bestandteil des Programms. Seit 1946 ist der Laden eine feste Größe im Stadtteil, seit 2022 wird er von den Inhabern Pascal Mathéus und Florian Wernicke geführt, seit zwei Jahren veranstaltet die Buchhandlung die Herbstlese Blankenese, ein Literaturfestival mit zahlreichen Veranstaltungen im Herbst.
Drei Buchhandlungen von der Nominierungsliste gestrichen – Preisverleihung abgeblasen
Das Preisgeld für den Deutschen Buchhandlungspreis liegt je nach Kategorie zwischen 7.000 und 25.000 Euro und wird aus Fördermitteln der Bundesregierung finanziert. Ursprünglich waren 118 Buchhandlungen von einer unabhängigen Jury für die Auszeichnung ausgewählt worden. Doch in diesem Jahr geriet der Preis in den Fokus einer politischen Kontroverse.
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer ließ drei der nominierten Buchhandlungen nachträglich von der Liste streichen. Als Begründung führte sein Haus sogenannte „verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse“ an, die im Rahmen einer Überprüfung festgestellt worden seien. Betroffen sind Buchhandlungen in Bremen, Göttingen und Berlin. Die Entscheidung löste in der Branche erhebliche Kritik aus, zumal die konkreten Vorwürfe aus Gründen des Geheimschutzes nicht öffentlich gemacht wurden.
Die Debatte führte schließlich dazu, dass die geplante feierliche Preisverleihung im Rahmen der Leipziger Buchmesse abgesagt wurde. Statt einer öffentlichen Zeremonie sollen die Urkunden und Preisgelder nun auf dem Postweg übermittelt werden. Offiziell hieß es aus dem Umfeld des Kulturstaatsministeriums, man wolle verhindern, dass die Kontroverse den eigentlichen Zweck der Veranstaltung überlagert.
Gemischte Reaktionen
In der Buchbranche stößt dieser Schritt jedoch auf gemischte Reaktionen. Zahlreiche Buchhandlungen zeigen sich solidarisch mit den ausgeschlossenen Betrieben und sammeln teilweise sogar Spenden, um deren entgangenes Preisgeld auszugleichen. Die betroffenen Buchhandlungen haben inzwischen Klage gegen den Kulturstaatsminister und den Verfassungsschutz eingereicht.
Auch die Buchhandlung Wassermann äußerte sich zu der Situation. In einer Stellungnahme kritisiert das Team vor allem die mangelnde Transparenz der Entscheidung. Zwar sei nachvollziehbar, dass staatliche Fördermittel nur an Einrichtungen vergeben werden sollten, die auf dem Boden der Verfassung stehen. Wenn jedoch lediglich von „verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen“ gesprochen werde, ohne diese näher zu erläutern, werfe das zwangsläufig Fragen auf.
Gleichzeitig betonen die Inhaber der Buchhandlung, dass vorschnelle Vorwürfe gegenüber dem Kulturstaatsminister nicht zielführend seien. „Den Vorwurf, dass der BKM seine Stellung für symbolpolitische Zwecke gebrauche, muss sich Wolfram Weimer wohl erst einmal gefallen lassen, solange er sich nicht öffentlich zu den Vorwürfen aus der Branche verhält. Weimer jedoch der Lüge hinsichtlich der Absagen gegenüber den betroffenen Buchhandlungen zu bezichtigen, halten wir für vorschnell und anhand der vorliegenden Fakten für inkorrekt“, sagte Florian Wernicke der DorfStadt-Redaktion. Vielmehr handle es sich aus ihrer Sicht um eine „eklatante kommunikative Fehlleistung“, die das Vertrauen innerhalb der Branche beschädigt habe. Für eine Abwendung der Beschädigung einer ganzen Branche „dürfte es leider schon zu spät sein“, bedauert Wernicke.
Die auszuzeichnenden Buchhandlungen erhalten ihre Würdigungen nun per Post. „Das ist schade, da so eine wichtige Würdigung jener Buchhandlungen ausbleibt, die sich täglich stark für den demokratischen Diskurs und die Vermittlung des Kulturgutes Buch machen. Dennoch wird sich die Branche auf der Leipziger Buchmesse selbst feiern. Immerhin“.
Trotz der Kontroverse überwiegt in Blankenese also die Freude über die erneute Auszeichnung. Für die Buchhandlung Wassermann ist sie vor allem eine Bestätigung der täglichen Arbeit im unabhängigen Buchhandel – und ein Signal, dass persönliche Beratung, literarische Leidenschaft und kulturelles Engagement weiterhin einen festen Platz im deutschen Buchmarkt haben.






















