Blankenese (10. Februar 2025, Konrad Matzen) · Annabel sichert die Alu-Leiter, Christian steigt die 10 Stufen hinauf. Sein Ziel ist der kleine Nistkasten, in 3,5m Höhe an einer Buche auf dem Blankeneser Friedhof. Vorsichtig öffnet er die Frontklappe, das Vogelhaus könnte ja noch bewohnt sein von einem „Wintergast“. Siebenschläfer haben sie in der Vergangenheit schon gefunden, auch hin- und wieder eine Fledermaus. Aber meist entdecken die Naturschützer der Bezirksjägergruppe Altona nur alte Nester aus den vergangenen Jahren, oft sind es 2–3 übereinander. Die Reste von Eierschalen verraten die Vorbewohner: Kohl- und Blaumeisen oftmals, auch Kleiber sind darunter. Doch die verfilzten Knäule aus Ästchen, Gras, Blättern und Federchen beherbergen auch unwillkommene Gäste wie Milben, Flöhe oder Federlinge,  die die Brut im kommenden Frühjahr bedrohen können. Sie sind deshalb auch das eigentliche Ziel der Aktion auf dem Friedhof: die Nistkästen sollen gesäubert werden um der kommenden Vogelgeneration optimale Entwicklungschancen zu geben.

Die Bezirksjägergruppe des Landesjagd- und Naturschutzverbands Hamburg ist schon seit einigen Jahren immer wieder unterwegs auf dem Friedhof um Nistkästen zu säubern. „Wir holen ein Stück Natur in die Stadt zurück“, sagt Annabel Schnarre. Die 30jährige Doktorandin der Humanbiologie ist zugleich passionierte Jägerin. Für sie heißt das, erst einmal die Natur mit allen Sinnen und in allen Dimensionen wahrzunehmen, vom Hirsch auf der Waldlichtung bis hin zu dem Meisenkasten auf dem Friedhof im Hamburger Westen. „Als Jägerin verstehe ich mich als Anwältin für die wildlebenden Tiere“, sagt sie und verbringt ihre Freizeit oft vor den Toren der Stadt, hilft Knicks aufzupflanzen, reinigt wie heute Nistkästen oder erklärt den Besuchern des Wildgeheges im Klövensteen gern das Leben der Rothirsche. „Natürlich nutze ich die Natur auch gern“ fährt sie fort, „zur Erholung wie viele andere oder aber auch als schmackhaftes Wildbret auf dem Teller“. Und sie betont, dass vor jedem Jagderfolg immer viele Stunden Hegearbeit liegen, wie heute Morgen auf dem Friedhof beim Nistkastenreinigen.

Inzwischen ist Christian Schwarz die Leiter wieder herunter gestiegen. Der knapp 1,90m große gelernte Gärtner koordiniert die Aktion, an der sich 14 Gruppenmitglieder beteiligen. „Alle Nistkästen schaffen wir gar nicht“ sagt er lachend, „dazu sind das viel zu viele. Die anderen kommen dann im nächsten Jahr dran.“ Annabel Schnarre notiert derweil die Ergebnisse der Inspektion: hier hatten sie ein komplettes angebrütetes und dann abgestorbenes Gelege einer Kohlmeise entdeckt – offensichtlich waren die Elterntiere verunglückt. Dann packen sie Bürste, Eimer und Leiter zusammen und gehen ein paar Meter weiter, zum nächsten Nistkasten in luftiger Höhe.

 

5 Tipps zum reinigen von Nistkästen in eigenen Garten:

1. Vorsichtig öffnen, es könnten „Wintergäste“ drin sein wie Siebenschläfer oder Fledermäuse. Dann den Kasten lieber in Ruhe lassen.

2. Mit einer groben Bürste alte Nester und Verunreinigungen entfernen. Dabei Handschuhe tragen.

3.Niemals chemische Reinigungs- oder Desinfektionsmittel verwenden

4. Die beste Zeit zum Reinigen ist der Spätsommer nach der Brutsaison oder der Spätwinter, aber dann Vorsicht! Die Vögel beginnen mit dem Nestbau oftmals schon sehr früh im Jahr!

5. Nistkästen sollten so angebracht sein, daß sie von Katzen oder Mardern nicht erreicht werden können.