Draußen am Kasernentor (Foto) kann man kaum erahnen, was drinnen vor sich geht. Dabei dient die Reichspräsident-Ebert-Kaserne einem ganz schön massiven Vorhaben. Von der Osdorfer Landstraße 385 aus werden dieser Tage Truppenbewegungen durch ganz Hamburg koordiniert - inklusive dafür nötiger Straßensperrungen und nächtliche Helikopterflüge. Zweifellos ungewohnt für die Elbvororte, in denen sonst eher Gelassenheit und städtische Randlage prägend sind.

Die alte Kaserne - die nach dem Zweiten Weltkrieg kurz der britischen Besatzungsarmee diente - wird fünf Tage lang die moderne Schaltstelle eines Großversuchs namens "Red Storm Bravo" sein. Daran beteiligen sich 500 Soldaten, Polizei, Technisches Hilfswerk, Hafenbetriebe, Airbus-Mitarbeiter und sogar die Arbeitsagentur. Geübt werden Störszenarien: Cyberangriffe, Sabotage, Anschläge mit Verletzten - und das Zusammenspiel militärischer und ziviler Kräfte.

Das Szenario sind Truppen- und Materialverlegungen in Richtung Osten. Denn der Hamburger Hafen wird im Falle eines Konfliktes die Drehscheibe sein über die unsere Verbündeten mit Schiffen zu Hilfe eilen - Fracht vom Panzer über den Lkw bis hin zu Munition und Soldaten.

„Man muss im Frieden wissen, wen man anruft, wenn es düster wird“

So formuliert Oberstleutnant Jörn Plischke das Ziel der Übung. Als Kommandeur des Landeskommandos Hamburg befehligt er in der Freien und Hansestadt einen Logistikknotenpunkt Europas. Er gilt im Ernstfall als neuralgische Zone, die geschützt werden muss. Das geht nur, wenn verschiedenste Akteure zusammenspielen.Red Storm Alpha Bundeswehr Plischke Militär

Für Altona ist diese Entwicklung ein Einschnitt. Schon seit 2023 arbeitet das Bezirksamt enger mit der Bundeswehr zusammen, berät über Krisenstäbe, Notfallpläne und Alarmierungssysteme. Denn Resilienz soll auch auf kommunaler Ebene gewährleistet sein - in ganz Deutschland übrigens. Ähnlich wie das friedliche Iserbrook werden auch andere Städte, Dörfer und Kommunen plötzlich zum Testfeld für Krisenabwehr.

Während im Hafen also Container mit Wehrhaftigkeitsfracht erscheinen, erlebt Iserbrook eine ungeahnte Aufwertung: Das unscheinbare Viertel wird zum symbolischen Zentrum der Zeitenwende. Russland Angriffskrieg auf die Ukraine und antiwestliche Kreml-Sticheleien haben die jahrzehntelang gewohnte Friedensatmosphäre jäh beendet. Nicht allen gefällt das. Die Linkspartei kündigt Proteste gegen „Kriegsübungen in unserer Stadt“ an. 

Fest steht: Mit „Red Storm Bravo“ rückt der globale Konflikt ein Stück näher an Hamburgs Alltag heran. An der einen oder anderen Stelle werden plötzlich Militärfahrzeuge in Kolonne durch die Stadt fahren. Es kann zu Staus kommen. Vielleicht wird mal ein Helikopter in der Nachbarschaft einigen Lärm und Wirbel verbreiten. Wir werden uns wohl daran gewöhnen müssen: Soll es nicht zum großen Bang kommen, werden wir noch öfter ein paar Tage mit kleiner Geräuschkulisse hinnehmen müssen.

Kapitän zur See Kurt Leonards, der sich und seine Marinesoldaten auf die Übung vorbereitet hat, fasst zusammen:

Abschreckung funktioniert nur dann, wenn sie sichtbar und glaubwürdig ist. Deshalb muss auch die Bundeswehr wieder im öffentlichen Raum üben – allerdings mit Augenmaß.