Iserbrook (22. Januar 2026, Markus Krohn) · Iserbrook steht vor einem Wendepunkt. Zwischen Schenefelder Landstraße, Osdorfer und Sülldorfer Landstraße soll ein neues Stadtteilzentrum entstehen – mit Wohnungen, Läden und einem Ort der Begegnung. Die Bezirksabgeordneten im Stadtplanungsausschuss weisen nun mit ihrem Beschluss für den Entwurf des Bebauungsplans Iserbrook 28 nach einem Antrag der FDP Bezirksfraktion den Weg für eine Entwicklung, die Verdichtung ermöglicht, ohne den Stadtteil zu überfordern.
Iserbrook fehlt, was andere Stadtteile längst haben: eine erkennbare Mitte. Einen Ort, an dem man sich trifft, einkauft, verweilt – und der mehr ist als eine Kreuzung mit Durchgangsverkehr. Genau hier setzt der Bebauungsplan Iserbrook 28 an. Er soll nicht nur dringend benötigten Wohnraum schaffen, sondern dem Stadtteil wieder ein identitätsstiftendes Zentrum geben.
Mit einem Antrag an den Stadtentwicklungsausschuss hat die FDP-Fraktion Altona nun konkrete städtebauliche Eckpunkte vorgelegt. Das Konzept fand breite Zustimmung über Fraktionsgrenzen hinweg und gilt als ausgewogener Kompromiss zwischen Nachverdichtung und Rücksichtnahme auf die bestehende Wohnbebauung.
Abgestufte Höhen statt harter Brüche
Kern des Plans ist eine differenzierte Höhenentwicklung. Entlang der stark befahrenen Magistralen sollen höhere Gebäude städtebauliche Akzente setzen, während die Bebauung zu den angrenzenden Quartieren hin deutlich abstaffelt werden. Am Eckbereich Osdorfer Landstraße/Sülldorfer Landstraße ist ein Hochpunkt mit bis zu sechs Geschossen vorgesehen. Entlang der Schenefelder Landstraße sinkt die Gebäudehöhe schrittweise auf vier, stellenweise sogar auf drei Geschosse ab.
So entsteht ein fließender Übergang statt eines harten Kontrasts – ein zentrales Anliegen vieler Anwohnerinnen und Anwohner in den vergangenen Planungsdebatten. Gleichzeitig erlaubt die Verdichtung entlang der Hauptverkehrsachsen zusätzlichen Wohnraum, der angesichts steigender Mieten dringend benötigt wird.
Zeichnung zum jetzt beschlossenen Bebauungsplan »Iserbrook 28«. Zeichnung: FDP-Bezirksfraktion Altona
Ein Innenhof als Herzstück
Besonderes Gewicht legt der Entwurf auf den innenliegenden Quartiersbereich. Abseits der Straßen soll ein großzügiger Innenhof entstehen, mit reduzierter Gebäudehöhe, geringerer Bautiefe und einem klaren Fokus auf Aufenthaltsqualität. Geplant ist ein hochwertig gestalteter Quartiersplatz mit Grünflächen, ausdrücklich als konsumfreier Ort gedacht – zum Treffen, Austauschen und Verweilen.
Damit würde Iserbrook erstmals einen zentralen Ort erhalten, der nicht vom Verkehr dominiert wird, sondern den Stadtteil nach innen zusammenführt.
Vom Waldschlösschen zur neuen Identität
Das Plangebiet ist historisch aufgeladen. Wo sich heute ein Lidl-Markt, eine Filiale der Bäckerei Junge und ein Restaurant-Café im ehemaligen Hotel Waldschlösschen befinden, lud einst das Ausflugslokal „Waldschlösschen Iserbrook“ die Nachbarn zum Tanz – ein beliebter Treffpunkt, umgeben von Wald. In der öffentlichen Plandiskussion wurde immer wieder gefordert, diesen Ort als Identifikationspunkt zu bewahren. Auch die Bürgervereine aus Blankenese und Sülldorf-Iserbrook unterstützten diese Idee.
Doch die Realität spricht eine andere Sprache. Die vorhandenen Gebäude sind in die Jahre gekommen, eine wirtschaftlich sinnvolle Sanierung gilt als kaum realisierbar. Gleichzeitig wächst der Druck auf den Wohnungsmarkt. In der Bezirkspolitik hat sich daher zunehmend die Überzeugung durchgesetzt, dass Iserbrook weniger von der Vergangenheit als von einer modernen, zeitgemäßen Identität profitieren kann.
Politischer Rückenwind für den Start
Die Eigentümer der betroffenen Grundstücke hatten bereits vor rund einem Jahr ähnliche Überlegungen eingebracht. Mit dem nun vorliegenden Antrag des Stadtentwicklungsausschusses könnten diese Ideen erstmals verbindlich werden. Constantin Jebe, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion Altona, sieht darin einen entscheidenden Schritt: „Mit dem FDP-Vorschlag und der breiten Zustimmung aller Fraktionen kann die Entwicklung für das neue Zentrum und den dringend benötigten Wohnungsbau jetzt beginnen.“
Zusätzlichen Rückenwind erhält das Projekt durch parallele Entwicklungen im Umfeld. Gegenüber, auf dem Gelände der Kirchengemeinde, ist ein städtebaulich herausragendes Gebäude im neuen Hamburg-Standard geplant. Anfang Februar eröffnet zudem der neue EDEKA-Markt, im März soll die Haspa-Filiale umziehen. Das Stadtteilzentrum beginnt bereits, wieder aufzuleben.
Wandel entlang der Magistralen
Auch über Iserbrook hinaus ist Bewegung im Hamburger Westen. Entlang der Magistralen zwischen Iserbrook und Sülldorf wird gebaut, zwischen Sülldorfer Landstraße und S-Bahnlinie entstehen neue Wohnungen. Mit dem Zuzug weiterer Familien kommt neues Leben in die Stadtteile – und der Bedarf an funktionierenden, lebendigen Zentren wächst.
Bevor der Bebauungsplan final verabschiedet wird, muss er durch die Bezirksversammlung bestätigt werden. Das könnte schon nächste Woche Donnerstag passieren. Anschließend wird die Stadtplanung im Bezirk eine öffentliche Plandiskussion vorbereiten und die Pläne der Öffentlichkeit vorstellen. Vorschläge aus der Bevölkerung können dann noch eingearbeitet werden. Auch die Eigentümer werden ihre Vorstellungen mit dem Bezirk diskutieren. Bis zur Realisierung können daher noch viele Jahre vergehen.


