Als vollen Erfolg haben Streitkräfte und Behörden in einem ersten Überblick die Großübung „Red Storm Bravo“ gewürdigt. Dabei hatten militärische und zivile Kräfte gemeinsam ein realistisches Kriegsszenario vor der Brust. An der Osdorfer Landstraße 365 - wo sonst friedliche Lehrveranstaltungen stattfinden - war der militärische Befehlsstand installiert worden. Gesteuert wurde von dort aus die simulierte Verlegung alliierter Truppen und Geräte über den Hamburger Hafen. Ziel: Das Baltikum, die östliche NATO-Außengrenze. „Ein inzwischen denkbares Szenario,“ meint der STERN.
Da sich die eigentlichen Aktivitäten vorwiegend nachts im und am Hafen abspielten, waren die Elbvororte trotz der Befehlszentrale in Iserbrook kaum merklich betroffen. Lediglich die immer wieder am Himmel über Blankenese donnernden Transporthubschrauber verrieten, dass etwas in der Luft lag. Man sah bisweilen schwerbewaffnete Soldaten schussbereit an den offenen Helikoptertüren sitzen. Anderswo in Hamburg sah man sogar vermummte Soldaten durch die Straßen marschieren.
Was ihn besonders überrascht hat, verriet der Leiter des Bundeswehr-Landeskommandos Kurt Leonards gegenüber der Zeitung WELT. Das war, so berichtet der Kommandeur, wie störungsfrei die nächtliche Kolonnenfahrt mit 70 Militärfahrzeugen quer durch die Stadt verlaufen sei. Außerdem lobte Leonards die Resonanz aus der Bevölkerung: „Daumen hoch für die Soldaten an Kreuzungen, Anerkennung beim Bäcker.“
Auch die ZEIT berichtet unter Berufung auf einen Major, man habe nur „vier ausgestreckte Mittelfinger gezählt“:
„Die veränderte Sicherheitslage hat den Blick der Bevölkerung auf die Bundeswehr verändert.“
Zum Szenario gehörten Widerstände gegen das Militär aus der Bevölkerung – gespielt von Soldaten. Aus der Theorie wurde dann tatsächlich Praxis. Linke Kreise hatten wirkliche Proteste organisiert. Doch der war mau, berichtet der NDR: „Laut den Veranstaltern wurden bis zu 10.000 Teilnehmende erwartet, es kamen aber nur einige Hundert.“Die Manöverserie wird fortgesetzt. Nach „Alpha“ (2024) und „Bravo“ (2025) folgt nächstes Jahr die nächste Großübung unter dem Namen „Red Storm Charlie“. Kriegsszenarien machen also vor Hamburg nicht halt.
Kleiner Tipp noch von Bundeswehr-Kommandeur Leonards an die Hanseatinnen und Hanseaten, ausgesprochen im Abendblatt: Legen Sie stromlos präparierbare Essensvorräte und Wasserflaschen für drei Tage an - und packen Sie Akkus, Kerzen und Bargeld dazu. Hoffen wir aber, dass Sie das Notpäckchen nie benötigen...
NDR-Bericht zum Manöver, ARD-Tagesthemen aus Hamburg, SAT.1-Regionalbericht

