Natur und Verteidigung – zwei Begriffe, die lange Zeit getrennt voneinander gedacht wurden. Während hier Panzer, Kasernen und militärische Infrastruktur stehen, dort Artenvielfalt, Klimaschutz und unberührte Landschaften. Doch angesichts wachsender geopolitischer Spannungen und der eskalierenden Klimakrise beginnt sich dieses Bild zu verschieben.
Mit dem Impulspapier „Mehr Wildnis wagen – mehr Sicherheit gewinnen“ schlagen der NABU – Naturschutzbund Deutschland und das German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS) eine neue Richtung vor: Sicherheitspolitik und Umweltpolitik sollen künftig nicht mehr getrennt gedacht werden. Vielmehr gehe es darum, beide Bereiche strategisch miteinander zu verzahnen.
„Wir erleben eine doppelte Zeitenwende“, heißt es aus den Reihen des NABU. Gemeint ist damit nicht nur die veränderte sicherheitspolitische Lage in Europa, sondern auch die zunehmende Zerstörung von Ökosystemen. Beides zusammen zwingt zu einem Umdenken. Sicherheit, so die zentrale These, beginne nicht erst an Landesgrenzen – sondern in der Stabilität von Landschaften.
Ein besonders eindrückliches Beispiel dafür sind Moore und Feuchtgebiete. Lange Zeit galten sie als unproduktive Flächen, wurden trockengelegt oder überbaut. Heute weiß man: Intakte Moore sind nicht nur wertvolle CO₂-Speicher, sondern auch Rückzugsorte für seltene Arten. Darüber hinaus können sie – so die Argumentation des Papiers – im Ernstfall sogar militärische Bewegungen erschweren. Fahrzeuge bleiben stecken, Gelände wird schwer passierbar. Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine haben gezeigt, dass solche natürlichen Barrieren strategische Bedeutung gewinnen können.
Andere Staaten haben diese Zusammenhänge längst erkannt. In Ländern wie Finnland oder den baltischen Staaten werden Moore gezielt renaturiert – nicht nur aus Gründen des Klimaschutzes, sondern auch als Bestandteil nationaler Sicherheitsstrategien. Deutschland hingegen steht bei dieser Entwicklung noch am Anfang.
Die Idee reicht noch weiter. Auch militärische Infrastruktur selbst soll nachhaltiger werden. Kasernen könnten künftig als autarke Standorte funktionieren – mit eigener Energieversorgung durch erneuerbare Quellen und gleichzeitig mehr Raum für Naturflächen. Der Hintergrund ist klar: Wer weniger abhängig von fossilen Energieträgern ist, erhöht seine operative Unabhängigkeit.
Gleichzeitig wächst der Druck auf Flächen. Neue militärische Anforderungen bedeuten oft neue Bauprojekte – und damit Eingriffe in bestehende Ökosysteme. Genau hier sehen die Autoren des Impulspapiers Handlungsbedarf. Mehr Sicherheit dürfe nicht automatisch mehr Flächenverbrauch bedeuten. Stattdessen brauche es frühzeitige Abstimmungen und kreative Lösungen, die sowohl militärische als auch ökologische Anforderungen berücksichtigen.
Die Initiative versteht sich bewusst als gesellschaftlicher Impuls. Es gehe nicht darum, Naturschutz gegen Verteidigung auszuspielen – sondern beide als Teil derselben Herausforderung zu begreifen. Die zentrale Botschaft: Resilienz entsteht nicht nur durch militärische Stärke, sondern auch durch stabile, funktionierende Ökosysteme.






















