Mit einem Senatsempfang im Hamburger Rathaus würdigt die Stadt am Freitagnachmittag das 50-jährige Bestehen des Jung-Preises für Medizin. Bürgermeister Peter Tschentscher spricht dabei ein Grußwort, auch Staatsrat Tim Angerer nimmt an der Veranstaltung teil. Die Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung mit Sitz in Othmarschen gehört heute zu den renommiertesten medizinischen Förderstiftungen Europas.
Gegründet wurde die Stiftung 1967 vom Hamburger Unternehmer Ernst Emil Jung und seiner Ehefrau Claere Jung. Der aus Ostpreußen stammende Jung hatte mit Mineralölhandel und Industrieunternehmen ein großes Vermögen aufgebaut. Ursprünglich widmete sich die Stiftung verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen, seit 1975 konzentriert sie sich ausschließlich auf die Förderung der Humanmedizin.
Bekannt wurde die Stiftung insbesondere durch den Jung-Preis für Medizin, der seit 1976 jährlich vergeben wird und heute mit zu den höchstdotierten Medizinpreisen Europas zählt. Ausgezeichnet werden Forscher, deren Arbeiten neue Therapieansätze und Fortschritte in der Behandlung schwerer Krankheiten ermöglichen. Hinzu kommen die Jung-Medaille für Medizin in Gold sowie der Jung-Karriere-Förderpreis, mit dem internationale Spitzenforscher unterstützt werden. Insgesamt vergibt die Stiftung jährlich Förderungen und Preisgelder von mehreren hunderttausend Euro.
Die Stiftung versteht sich als Plattform für wissenschaftlichen Austausch über Länder- und Fachgrenzen hinweg. Unterstützt werden Grundlagenforschung ebenso wie klinisch relevante Projekte mit direktem Nutzen für Patienten. Neben Preisen vergibt die Stiftung Fellowships und beteiligt sich an Förderprogrammen für Medizinstudenten am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.
Zum Jubiläum gehört allerdings auch die kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte ihres Gründers. Eine von der Stiftung selbst initiierte wissenschaftliche Studie kam 2022 zu dem Ergebnis, dass Ernst Jung während der NS-Zeit vom System profitierte und in seinen Unternehmen Zwangsarbeiter beschäftigte. Die Stiftung spricht selbst von einem „ambivalenten Bild“ ihres Stifters – zwischen Opportunismus während der NS-Zeit und späterem philanthropischem Engagement.
Als Reaktion darauf initiierte die Stiftung mehrere Projekte zur historischen Aufarbeitung und Erinnerungskultur. Unterstützt werden unter anderem die KZ-Gedenkstätte Neuengamme, medizinhistorische Forschungsarbeiten sowie humanitäre Projekte von Ärzte ohne Grenzen. Dafür stellte die Stiftung bislang Fördermittel in Höhe von mehreren hunderttausend Euro bereit.
Trotz dieser historischen Belastung gilt die Jung-Stiftung heute als eine der wichtigsten Institutionen zur Förderung medizinischer Spitzenforschung in Deutschland. Viele der ausgezeichneten Wissenschaftler haben mit ihren Arbeiten internationale Bedeutung erlangt – einige gelten sogar als Kandidaten für künftige Nobelpreise.





















