Gerade jetzt im Sommer zieht der aus mehr als 350 Pappeln bestehende Elbwald täglich unzählige Erholungssuchende an. Das Gebiet, das direkt gegenüber dem Elbstrand in Övelgönne liegt, bildet die grüne Lunge des dortigen maritimen Industriegebietes. Eingerahmt vom Burchardkai zur Linken und dem ansässigen Airbuswerk zur Rechten, war diese Fläche eigentlich längst als Opfer des Ausbauprojekts vorgesehen. Die Pläne der Hamburger Wirtschaftsbehörde, des Containerterminalbetreibers Eurogate und der Hamburg Port Authority (HPA) sahen bislang vor, die Bäume für ein neues Containerterminal abzuholzen.
Das Hauptargument für die umstrittene Hafenwesterweiterung lautete dabei stets, dass man zwingend Ausweichflächen benötige, während die bestehenden Terminals im Hafen automatisiert und modernisiert werden. Der Verein „Elbwald retten“ hatte immer wieder lautstark bezweifelt, dass solche Maßnahmen nicht auch im laufenden Betrieb durchgeführt werden könnten.
Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz räumten nun Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard und HPA-Geschäftsführer Jens Meier überraschend ein, dass die Automatisierung eben doch ohne Ersatzflächen möglich sei und nun sogar exakt so geplant werde. In einem Statement teilten sie den Medien auf einer Pressekonferenz mit: „Bevor die eigentliche Westerweiterung, also der Bau zusätzlicher Liegeplätze für Schiffe beginnt, sollen zunächst die bestehenden Terminals automatisiert werden.“
Für die Kritiker des Projekts ist dieses mediale Zurückrudern ein gefundenes Fressen. Franz Hermann, Vorsitzender der Initiative „Elbwald retten“, sieht sich durch die neuen Aussagen aus dem Senat vollumfänglich bestätigt: „Da die Befürworter der Hafenwesterweiterung nun umgeschwenkt sind, gibt es keine Veranlassung mehr, an den ökologisch fatalen und ökonomisch unsinnigen Planungen festzuhalten.“ Hermann verweist in diesem Zusammenhang auf die ohnehin schwache Auslastung der aktuellen Terminals, die derzeit konstant bei nur 60 Prozent liege. Es gibt laut dem Vereinsvorsitzenden absolut keinen Grund, „1,1 Milliarden Euro an Steuergeldern auszugeben, um objektiv nicht benötigte neue Liegeplätze zu bauen.“
Während sich die verfahrene politische Ausgangslage wandelt, machen die Naturschützer weiter massiv mobil. Die vom Verein initiierte Volkspetition läuft derzeit auf Hochtouren und befindet sich auf der Zielgeraden. Ulf Wolter, der die Auszählung der Stimmen koordiniert, gibt sich angesichts der jüngsten Entwicklungen erst recht siegessicher: „Uns liegen bereits über 7.000 gültige Unterschriften vor. Deshalb gehen wir davon aus, die erforderliche Marke von zehntausend Unterstützern auf jeden Fall noch in diesem Sommer zu erreichen.“





















