Der Michael-Otto-Saal im HAUS RISSEN war gut gefüllt, als Dr. Eckart von Hirschhausen, erstmals in Rissen, zu Gast war. Unter dem programmatischen Titel „Wo Meinungen auseinandergehen – und Netzwerke zusammenfinden“ widmete sich der Abend einer zentralen Frage: Wie lassen sich Sicherheit und Resilienz in Zeiten globaler Krisen denken?
Hirschhausen, Arzt, Wissenschaftsjournalist und Gründer der Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen, moderierte das Gespräch mit Dr. Kira Vinke, Leiterin des Zentrums für Klima und Außenpolitik bei der DGAP, sowie Prof. Dr. Stefan Bayer vom German Institute for Defence and Strategic Studies. Schnell wurde deutlich: Klimaresilienz, Gesundheit und Sicherheitspolitik sind keine getrennten Sphären, sondern eng miteinander verwoben.
Prof. Stefan Beyer (GIDS), Dr. Kira Vinke (Zentrum für Klima und Außenpolitik bei der DGAP) und Dr. Eckart v. Hirschhausen (Stiftung GEGM). Foto: Markus KrohnGesundheit, so Hirschhausen, beginne mit sauberer Luft, ausreichend Wasser, fruchtbaren Böden und einem friedlichen Miteinander. Wer Klimaschutz als Nebenthema behandle, verkenne seine sicherheitspolitische Dimension. Extreme Hitze etwa beeinträchtige nicht nur ältere Menschen, sondern auch Soldaten im Einsatz. „Bei 42 Grad im Schatten trifft niemand mehr rationale Entscheidungen“, warnte der Mediziner. Klimawandel betreffe damit unmittelbar Verteidigungsfähigkeit, Energieversorgung und gesellschaftliche Stabilität.
Prof. Bayer ergänzte die militärökonomische Perspektive. Die Bundeswehr stehe angesichts globaler Spannungen unter erheblichem Modernisierungsdruck. Investitionen – etwa aus dem Sondervermögen – müssten jedoch nachhaltig gedacht werden. Wer weiterhin ausschließlich auf fossile Antriebe setze, laufe Gefahr, in wenigen Jahrzehnten erneut vor denselben strukturellen Problemen zu stehen. Energieabhängigkeiten, etwa von Flüssiggaslieferungen aus den USA oder Öl aus politisch instabilen Regionen, seien sicherheitspolitische Risikofaktoren.
Dr. Kira Vinke verwies zudem auf die zunehmende Desinformation und die wachsende Zahl autokratischer Systeme weltweit. Sicherheit bedeute daher auch gesellschaftliche Resilienz, demokratische Stabilität und europäische Souveränität. Fragen der Nahrungsmittel- und Trinkwasserversorgung seien nicht nur sozial-, sondern auch sicherheitspolitisch relevant.
Hirschhausen lenkte den Blick immer wieder auf die Rolle der Natur. Moore etwa speicherten enorme Mengen CO₂ und könnten zugleich strategische Bedeutung haben. Mit einem plastischen Beispiel verdeutlichte er den ökonomischen Wert natürlicher Leistungen: Würde man Bienen für ihre Bestäubungsarbeit Mindestlohn zahlen, koste ein Glas Honig mehrere hunderttausend Euro. Die Natur sei der stärkste Verbündete des Menschen – nicht die Technik. Statt immer neue technische Lösungen zu suchen, müsse man bestehende natürliche Systeme schützen.
Zugleich warb Hirschhausen für reale Begegnungen und demokratischen Diskurs. In Zeiten digitaler Algorithmen und sozialer Polarisierung brauche es Orte des Austauschs. „Gesundheit, Klimaschutz und Demokratie hängen unmittelbar zusammen“, so seine zentrale Botschaft. Wer die Zusammenhänge verstehe, könne verantwortlicher handeln.
Am Ende blieb keine einfache Antwort auf die Leitfrage des Abends. Doch deutlich wurde: Hamburgs Zukunft entscheidet sich nicht allein in Haushaltsplänen oder Verteidigungsetats, sondern im Umgang mit Ressourcen, im Schutz des Klimas und im Zustand der Demokratie. Resilienz beginnt nicht erst im Krisenfall – sie entsteht im Alltag, im Dialog und im Bewusstsein für die eigene Verantwortung.
Die nächste Abendveranstaltung im Haus Rissen findet am 20. Mai mit dem Juristen und Publizisten Michel Friedmann statt. Polarisierung, Populismus, Spaltung der Gesellschaft und Anfeindungen in öffentlichen Diskursen werden die Themen dieser Abendveranstaltung sein.






















