Der Fall von Max – Name geändert – ist kein Einzelfall. Der Siebtklässler fällt immer wieder durch Unruhe im Unterricht auf. Manchmal stört er, manchmal erledigt er Aufgaben nicht oder wirkt völlig abwesend. Seine Noten werden schlechter, Lehrer sind frustriert, seine Eltern ratlos. Gespräche führen häufig nicht zu Lösungen, sondern zu verhärteten Fronten.
Solche Situationen erleben viele Familien, besonders in der Phase zwischen der siebten und achten Klassenstufe. Auffälligkeiten wie Konzentrationsprobleme, Unruhe oder Rückzug können unterschiedliche Ursachen haben – etwa ADHS, Hochsensibilität oder Merkmale aus dem Autismus-Spektrum. Doch ohne klare Diagnose und ohne ausreichende Information geraten Eltern schnell in eine schwierige Lage: Förderangebote oder ein sogenannter Nachteilsausgleich sind in der Schule oft erst möglich, wenn eine fachliche Diagnose vorliegt.
Hier setzt die Initiative Klartextschule an: Hinter dem Projekt stehen die beiden Mütter Anne Kirchenknopf und Ann-Katrin Lorenzen aus Rissen. Kennengelernt haben sich die beiden auf einem Elternabend der sechsten Klasse ihrer Kinder. In den folgenden Jahren erlebten sie aus eigener Perspektive, wie komplex schulische Wege werden können, wenn Kinder besondere Lernbedürfnisse haben.
„Als Eltern bewegt man sich oft zwischen Sorge, Verantwortung und dem Wunsch nach guter Kooperation“, weiß Kirchenknopf. Was in dieser Situation häufig fehle, sei Orientierung – und ein klarer Plan, wie man Gespräche mit der Schule konstruktiv führen könne.
Lorenzen kennt beide Seiten. Sie arbeitet selbst als Lehrerin und weiß, dass Schulen häufig mit begrenzten Ressourcen arbeiten müssen. Missverständnisse entstünden daher oft nicht aus mangelndem Engagement, sondern aus unterschiedlichen Perspektiven.
Genau an diesem Punkt will das neue Portal ansetzen. Hier finden Eltern gebündelte Informationen zu Unterstützungsangeboten in Hamburg, Hinweise zu Elternrechten sowie praktische Leitfäden für Gespräche mit Lehrern und Schulleitungen. Ziel ist es, Transparenz zu schaffen und einen respektvollen Dialog zu fördern.
Ein Schwerpunkt der Plattform liegt auf der verständlichen Aufbereitung vorhandener Hilfen. In Hamburg gibt es bereits zahlreiche kostenfreie Beratungsangebote für Familien – etwa schulische Beratungsstellen oder spezialisierte Einrichtungen. Vielen Eltern fällt es jedoch schwer, diese Angebote zu finden oder einzuordnen. Das Portal bündelt entsprechende Informationen und verlinkt sie übersichtlich.
Darüber hinaus soll das Projekt Eltern in ihrer Rolle stärken. Denn informierte Eltern können ihre Kinder besser unterstützen und im Austausch mit der Schule klarer auftreten. Bildungsarbeit, so die Initiatorinnen, funktioniere nur als Partnerschaft. Eltern seien ein wichtiger Teil davon.
Ergänzend bietet Mitgründerin Lorenzen eine vertrauliche Online-Beratung für Eltern an. Dabei unterstützt sie Familien beispielsweise bei der Vorbereitung auf Gespräche mit Lehrern oder bei Unsicherheiten im schulischen Alltag.
Die Botschaft der Initiative ist dabei bewusst konstruktiv: Nicht Konfrontation, sondern Kooperation soll im Mittelpunkt stehen. Wenn Eltern, Lehrer und Fachleute ihre Perspektiven zusammenbringen, können Kinder mit besonderen Lernbedürfnissen besser unterstützt werden.
Denn eines ist für die Gründerinnen klar: Hinter vielen schulischen Auffälligkeiten stecken nicht nur Herausforderungen, sondern auch besondere Potenziale und Begabungen. Sie zu erkennen und zu fördern, sei eine gemeinsame Aufgabe von Schule und Elternhaus.






















