Die Luft ist kühl an diesem Morgen, doch die ersten Sonnenstrahlen brechen durch das noch lichte Blätterdach. Im Wildgehege Klövensteen wirkt alles ruhig, beinahe entschleunigt. Es riecht nach Frühling! Frischlinge wühlen im Schlamm, Rehe liegen wiederkäuend am Rand ihrer Gehege, und vereinzelt schlendern Besucher über Wege, die vom Winter noch gezeichnet sind. Es ist diese Mischung aus Naturidylle und vorsichtiger Erneuerung, die den Ort derzeit prägt.
Mitten in diesem Setting ragt eine Konstruktion aus massiven Holzbalken empor. Zimmerleute arbeiten konzentriert, messen, justieren, testen die Haltbarkeit. Es ist die neue Uhuvoliere – rund 600 Quadratmeter groß und damit etwa doppelt so weitläufig wie ihre Vorgängerin aus dem Jahr 2002.
„Die alte Anlage war einsturzgefährdet “, erinnert sich Altonas Forst-Abteilungsleiter Nils Fischer, der das Wildgehege derzeit kommissarisch leitet. Was hier entsteht, sei nicht nur ein Ersatzbau, sondern eine konsequente Weiterentwicklung mit mehr Platz welches eine noch naturnahe und damit artgerechter Haltung ermöglicht.
Tatsächlich hat sich die Haltung von Wildvögeln in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert. Die neue Voliere soll Schutz vor Krankheiten bieten, bessere Arbeitsbedingungen für Tierpfleger ermöglichen und zugleich den Besuchern unmittelbare Einblicke gewähren. Künftig werden sie die Anlage teilweise sogar betreten können – durch eine Schleuse, die den direkten Kontakt kontrolliert. Mit etwas Glück fliegen die Uhus dann über ihre Köpfe hinweg.
Dabei bleibt ein Prinzip unangetastet: die Distanz. Rückzugsräume sind fest eingeplant, Tarnung und naturnahe Gestaltung sorgen dafür, dass die Tiere selbst entscheiden, wann sie sichtbar sind.
Der Uhu, wissenschaftlich Bubo bubo, ist nicht irgendein Bewohner des Klövensteen. Mit bis zu 1,80 Metern Flügelspannweite gilt er als größte Eule der Welt – und als Leittier des Wildgeheges. Seine Geschichte hier reicht bis in die 1990er Jahre zurück, als von Rissen aus Auswilderungsprojekte gestartet wurden. Heute leben wieder stabile Populationen in Deutschland, auch dank dieser frühen Initiativen.
Dass ausgerechnet für dieses Tier nun eine neue Anlage entsteht, ist daher auch ein symbolischer Akt.
Doch das Projekt hat eine zweite, deutlich konfliktreichere Seite. Die Kosten für die Voliere liegen bei rund 340.000 Euro, eingebettet in eine umfassende Sanierung des Wildgeheges, deren Gesamtvolumen mittlerweile auf mehrere Millionen Euro geschätzt wird. Kritik kommt unter anderem vom Bund der Steuerzahler, der mangelnde Transparenz und steigende Ausgaben bemängelt.
Das Bezirksamt Altona weist diese Vorwürfe zurück und verweist auf komplexe Finanzierungsstrukturen, unterschiedliche Fördertöpfe und notwendige Einzelmaßnahmen. Tatsächlich gibt es für das Wildgehege bis heute keinen eigenen Etat. Projekte werden aus Forstmitteln, Spenden und Eigenleistungen gestemmt – ein Umstand, der die Umsetzung erschwert, aber auch erklärt, warum viele Arbeiten etappenweise erfolgen.
Im Fall der Uhuvoliere bedeutet das konkret: Der Innenausbau wird weitgehend in Eigenregie umgesetzt. Findlinge vom Elbufer liegen bereits bereit, sie sollen zu einer künstlichen „Ruine“ arrangiert werden – eine Anspielung auf den namensgebenden „gespaltenen Stein“ („klöven Steen“) des Klövensteen.
Trotz aller Diskussionen über Geld und Prioritäten bleibt vor Ort vor allem der Eindruck eines Projekts, das mit großem persönlichen Einsatz vorangetrieben wird. „Die große Mehrheit der Besucher hier im Wildgehege freuen sich über die Möglichkeit, sich kostenlos über die heimische Tierwelt informieren zu können“, weiß Fischer.
Wenn alles nach Plan läuft, sollen im Sommer 2026 die drei Uhus des Wildgeheges in ihr neues Zuhause einziehen. Dann wäre die Voliere nicht nur fertiggestellt, sondern auch ein sichtbares Zeichen dafür, dass sich das Wildgehege im Spannungsfeld zwischen Naturschutz, Besucherinteresse und politischer Debatte neu erfindet.
Bis dahin hallen nur die Klopf-Geräusche der Baustelle durch den Wald. Und vielleicht, mit etwas Fantasie, schon das tiefe „buho“ eines Uhus, das bald wieder durch den Klövensteen rufen wird.






















