Letzten Sonnabend auf dem Blankeneser Friedhof in Sülldorf: Neun Frauen und Männer unterschiedlichen Alters versammeln sich auf dem Parkplatz. Alle in Lodengrün gekleidet und schon daran als Jäger oder Jägerinnen erkennbar. Aber statt Gewehr, Fernglas und Rucksack tragen sie heute Leitern und Handbürsten mit sich. Die Nistkästen sollen gereinigt werden. Nach einer kurzen Lagebesprechung geht es truppweise und systematisch an die Arbeit.
Jana Kunisch in schwindelnder Höhe. Foto: Neumann
Die Kästen hängen hoch und sind nur über lange Leitern erreichbar, schließlich sollen sie ja den Vögeln für ihr Brutgeschäft Sicherheit und Schutz bieten – vor menschlichen Störungen ebenso wie vor Katzen oder Mardern. Oben angekommen wird zuerst der Nistkasten behutsam geöffnet. Es könnte ja sein, dass schon der eine oder andere gefiederte Bewohner eingezogen ist und mit dem Nestbau begonnen hat. Oder dass noch „Wintergäste“ drin sind. Denn die Vogelhäuser bieten in der kalten Jahreszeit vielen Insekten Unterschlupf – aber auch größeren Tieren bis hin zum Siebenschläfer. Aber in diesem Jahr hat die warme Frühlingssonne alle schon aus den Verstecken getrieben. Allerdings finden die Jäger doch schon zwei angebrütete Gelege. Dann wird der Nistkasten schnell wieder verschlossen damit die Störung so gering wie möglich bleibt.
In den allermeisten Fällen müssen jedoch nur alte Nester, Schalenreste und Verunreinigungen entfernt werden. Zuletzt wird der Kasten ausgebürstet, um mögliche Flöhe und Milben zu entfernen. Das ist wichtig, denn diese Plagegeister setzen den Jungvögeln sonst sehr zu – und kosten sie manchmal sogar das Leben. Aber auch hier gibt es eine gute Nachricht: diesmal war kein einziges Nest mit toten Jungvögeln dabei – die Arbeit der Vorjahre beginnt sich offensichtlich auszuzahlen. Nach gut eineinhalb Stunden sind die Mitglieder der Altonaer Jägerschaft für heute fertig, über 60 Kästen sind gereinigt worden oder wurden mit kleinen Reparaturen wieder instand gesetzt.
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Bei Kaffee und selbstgebackenen Muffins werden anschließend die Erfahrungen und Beobachtungen ausgetauscht. Einige größere Beschädigungen werden notiert, der eine oder andere Kasten muss auch ganz ersetzt werden. Aber das ist eine Aufgabe für den Herbst, wenn die Gruppe wieder kommt. Erfreulich waren auch die vielen freundlichen und anerkennenden Reaktionen der Friedhofsbesucher und -besucherinnen. Immer wieder fragten sie, warum denn die Jäger ausgerechnet mitten in der Stadt aktiv würden? Jörn Vinnen, der Leiter der Bezirksjägergruppe Altona, erklärt: „Wir tun das schon seit vielen Jahren. Ein modernes Jagdverständnis sieht die Natur als Ganze und wir fühlen uns verantwortlich für die wildlebenden Tiere. Die Vögel, auch auf dem Friedhof in Sülldorf, sind ein wichtiger Teil davon.“
In den Jagdrevieren herrscht noch weitgehend Winterruhe, aus der die Natur erst langsam erwacht. Da haben die Jäger und Jägerinnen noch zeit und kehren dann „vor der eigenen Haustür“.






















