DorfStadt: Um Sie kennenzulernen, Frau Neumann, fangen wir einfach mal privat an. Also ohne politischen Hintergedanken – wo im Bezirk Altona halten Sie sich persönlich am liebsten auf?
Nadine Neumann: Ach, der Bezirk Altona hat so viele schöne Orte, da fällt die Auswahl schwer. Für mich zählt mehr, mit wem ich zusammen bin, als wo ich bin. Daher ist mein Lieblingsort mein Garten mit meiner Familie und denen, die mir wichtig sind.
Und nun mit politischem Blick – welche Ecke des Bezirks Altona verdient mehr Hingucken?
Als Sozialpolitikerin stehen für mich auch hier wieder eher die Menschen im Vordergrund – Suchtkranke, Wohnungs- und Obdachlose, Geflüchtete. Und Insbesondere Kinder, die von Armut bedroht sind. Orte? In den Fokus nehmen muss man derzeit die Holstenstraße, den Altonaer Bahnhof, den Osdorfer Born und Lüdersring sowie die Unterbringungen für Geflüchtete und Wohnungslose.
… weiter mit der harten Politik und kurz in Stichworten. Was ist Ihre Top 3 der zu lösenden Themen im Bezirk?
Die Verfestigung der Crack-Szene in Altona. Dann die Zunahme der Wohnungs- und Obdachlosigkeit. Und schließlich das Ziel, Altona familienfreundlicher zu machen.
… und was erwarten Sie von der neuen Bezirksamtsleitung – wo soll die zuerst anpacken?
Wichtig ist, dass das Bezirksamt in Altona weiterhin gut geführt wird und seine Aufgaben abarbeitet. Ich erwarte, dass Politik und Verwaltung sich gemeinsam für Altona einsetzen. Sie sollten auch Konflikte, z. B. mit der Landesebene, zusammen angehen und lösen. In Altona soll wie bisher konstruktiv und ehrlich an der Bewältigung von Problemen gearbeitet werden.
Die Grünen sind in Altona stärkste Partei (27,6 %). Im Bund sieht man: Es kann auch schnell wieder bergab gehen. Was tun, um das im Bezirk zu verhindern?
In Altona gestalten wir seit langer Zeit die Kommunalpolitik verantwortungsvoll mit. In Hamburg sind wir seit über einem Jahrzehnt in der Regierung. Sicher können sich politische Mehrheitsverhältnisse schnell ändern. Aber hier vor Ort überzeugen wir derzeit mit unserem politischen Angebot…
… und das wäre?
…nun, wir zeigen, dass man sich ernsthaft für die Mobilitätswende, soziale Sicherheit und Klimaschutz einsetzen kann. Damit das gelingt muss man manchmal Kompromisse eingehen. Ich denke, dieser pragmatische Ansatz hat in der Vergangenheit überzeugt und überzeugt auch in der Zukunft.
Ich habe explizit den Anspruch, die Position der AfD nicht zu vertreten.

... Fortsetzung Interview mit Nadine Neumann, Vorsitzende der Bezirksversammlung Altona
Die Bezirksversammlung Altona, der Sie vorstehen, ist durch zwei neue Fraktionen diverser geworden – AfD und VOLT. Wie gehen Sie mit der Vielfalt um?
Die Diversität der Bezirksversammlung ist nur problematisch, wenn es um eine inhaltliche Vertretung nach Außen geht, z. B. bei Grußworten. Ich versuche immer, Worte zu finden, in denen sich alle Abgeordneten der demokratischen Fraktionen wiederfinden können. Meistens rede ich zu Demokratie, Vielfalt, Erinnerungskultur, Sport. Das sind alles Themen, zu denen in Altona unter den demokratischen Fraktionen ein breiter Konsens besteht, …
… inwiefern?
… die sind alle überzeugte Demokrat*innen, lehnen Rassismus ab und setzen sich für Vielfalt ein. In den konkreten Ausgestaltungen gibt es zwar sehr viele Unterschiede zwischen den Fraktionen. Aber alle setzen sich für ein vielfältiges, demokratisches Altona ein. Hier habe ich explizit den Anspruch an mich, die Position der AfD nicht zu vertreten.
Können Sie alle 51 Abgeordneten auf Anhieb mit dem Namen ansprechen?
Ich habe ein sehr, sehr schlechtes Namensgedächtnis, daher würde ich dafür meine Hand nicht ins Feuer legen.
Im Bundestag führt Parlamentspräsidentin Julia Klöckner ein hartes Regiment. Beschreiben Sie Ihren eigenen Führungsstil.
Ich stehe für Respekt gegenüber allen Menschen.
Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass alle Abgeordneten ihre parlamentarischen Rechte ausüben können, unabhängig ihrer politischen Einstellung. Darüber hinaus bin ich dafür verantwortlich, dass die Bezirksversammlung Altona kein Ort von Hass und Hetze wird und unser Diskussionsstil die Würde des Parlaments nicht beschädigt. Ich versuche, diese Ziele freundlich und kooperativ, aber bestimmt durchzusetzen. Wenn die Spielregeln nicht eingehalten werden, hat das Konsequenzen.
Ist Vorsitzende der Bezirksversammlung ihr politischer Traumjob – oder geht da noch mehr? Welche Ambitionen haben Sie?
Ich bin in Altona geboren und schon sehr patriotisch. Daher geht mir das Herz auf, wenn ich die Bezirksversammlung vertreten kann. In der Politik bin ich seit Langem aktiv. Mir geht es darum, Probleme zu lösen und anzugehen - nicht darum, Karriere zu machen. Ich bin jetzt seit 2024 Vorsitzende der Bezirksversammlung Altona, darauf konzentriere ich mich. Was danach kommt, wird sich zeigen.
Zum Schluss Ihre freie Antwort – was wollten Sie den Menschen im Bezirk Altona immer schon mal sagen?
… hm, mich interessiert ja eher, was die Menschen in Altona mir zu sagen haben. Wenn ich aber allen etwas sagen könnte, dann würde ich an die Altonaer Deklaration erinnern. Darin bekennt sich der Bezirk Altona zur Vielfalt der Menschen und ihrer Lebensentwürfe. Ich möchte daher daran erinnern, dass wir uns gegen Diskriminierung einsetzen und man jedem Menschen mit Respekt begegnen sollte.
DorfStadt dankt.
