Sie haben Ihre Ziele bei der vergangenen Bürgerschaftswahl nicht erreicht. Wie geht es Ihnen heute damit?

Also, mittlerweile habe ich meinen Frieden damit gemacht. Es bleibt mir auch nichts anderes übrig. Das war schon ein tiefes Gefühl der Trauer, weil sich so viele Hamburger Liberale so reingehängt haben und viel Zeit investiert haben. Ich habe mich natürlich in vielen Bereichen erst einarbeiten müssen. Ich komme ja aus dem Bezirk und war vorher keine Bürgerschaftsabgeordnete. Und dann kam dieser Wahlkampf. Ich war mittendrin, kurz vorher, mitten in meiner Kandidatur im Bezirk, war mein Vater verstorben. Das war eine sehr schwierige Zeit, alles kam zusammen. Dann kam das wirklich niederschmetternde Ergebnis. Und da hilft es auch nicht, dass einem bundesweit Menschen die Hand reichen und sagen: „An dir lag es nicht.“ Natürlich war das kein schöner Moment, ich habe aber vor allem durch meine Familie, aber auch von Kontakten aus dem journalistischen und politischen Umfeld viel Unterstützung bekommen. Zum Glück bin ich zäh und lasse mich nicht so leicht unterkriegen.

Hätten Sie im Nachhinein etwas anders machen wollen?

Natürlich! In einem Wahlkampf läuft nie alles perfekt, aber Wissen Sie: In der Politik ist es so, dass Sie viele Dinge gar nicht steuern können. Die Wahl war eindeutig von dem bestimmt, was in Berlin rund um das Ampel- Aus und generell im Bundestag passiert ist. Das haben wir vor allem an den Wahlkampfständen zu spüren bekommen und so ist dann letztlich auch die Wahl gegen uns gelaufen.

Wie geht es für Sie weiter? Wollen Sie noch mal einen Anlauf starten?

Das kann und will ich final nicht beantworten und zum Glück steht das gerade nicht an. Ich mache einen Schritt nach dem anderen. Jetzt müssen wir uns als FDP wieder aufbauen, unsere Mitglieder bei der Stange halten. Aber ich bin bestimmt nicht die Erste, die hier schreit, wenn es um eine wieder um Listenaufstellungen geht. Aber ich will es auch nicht ausschließen. In der Politik ist es nicht klug, Dinge auszuschließen.

Wie sind Sie eigentlich zur Politik gekommen?

Grundsätzlich eher zufällig, ich habe mich immer für Politik interessiert. Ich habe ja auch Drehbücher geschrieben und dachte, es wäre interessant, mal etwas über Kommunalpolitik zu schreiben. Dabei habe ich ein bisschen reingeschnuppert und schnell gemerkt, dass ich das super spannend finde. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass ich dafür auch das nötige Talent habe. Wenn man sich für etwas entscheidet, muss man ja auch prüfen: Kann ich das eigentlich? Ich habe gemerkt, dass ich eine gewisse Bürgernähe habe. Ich lasse Menschen an mich heran, ich interessiere mich wirklich für sie. Das ist die Grundvoraussetzung. Wer Berührungsängste hat, ist in der Politik fehl am Platz. Gerade in Wahlkämpfen erleben Sie Dinge, die können Sie sich kaum vorstellen – wie die Leute auf einen zugehen. Sie sagen Dinge wie: „Die FDP ist der größte Scheiß überhaupt.“ Aber im nächsten Moment bitten sie um ein gemeinsames Foto. Und dann wollen sie plötzlich wissen, warum man Politik macht. Das alles zeigt mir, dass Menschen Nähe und Austausch suchen. Diese Begegnungen, diese Mischung aus Kritik und Interesse, hat mich dort festgehalten. Ich mache das wirklich gerne.

Sie sind seit 15 Jahren in der Politik, was hat sich in der Zeit verändert?

Es ist viel härter, der Umgang rauer geworden. Über Social Media können sich Themen und Falschmeldungen ungefiltert verbreiten. Wir brauchen da unbedingt mehr digitale Bildung in Schulen. Es gibt Organisationen, die Medienkompetenz vermitteln. Sie brauchen vernünftige Förderung.

Begonnen hat Ihre politische Karriere eigentlich in der CDU. Wie kam das und warum sind Sie zur FDP gewechselt?

Ich wollte damals wissen, wie Kommunalpolitik funktioniert und bin auf ein Mentoring-Programm der CDU für Frauen gestoßen. Ich dachte mir, das probiere ich mal aus. Also habe ich mich angemeldet – so fing das alles an.

Wie ist das denn abgelaufen?

Ich habe eine Mentorin, Kommunikations- und andere Schulungen bekommen. Wahrscheinlich war das damals auch dazu gedacht, Frauen in die Partei zu bringen – bei mir hat das funktioniert. Anfangs habe ich das belächelt, aber sie haben das wirklich gut gemacht. Ich bin dann aus Pflichtgefühl in die CDU eingetreten und wurde relativ schnell gewählt.

Und wie kam es dann zum Wechsel?

Ich habe schnell gemerkt, dass ich dort falsch war. Vom Gesellschaftsbild und der Haltung her sind CDU und FDP ziemlich unterschiedlich – gerade was das Staatsverständnis oder Freiheitsrechte wie Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, oder Kunstfreiheit betrifft. Ich komme aus einer FDP-Familie, das hat meine Entscheidung mit beeinflusst. Auch wenn ich sehr pragmatisch Politik mache, am Ende geht es für mich um die Grundwerte und die Geisteshaltung: Typische CDU- und FDP-Wähler unterscheiden sich in vielen Punkten, und das prägt natürlich auch die politische Arbeit.

Was beschäftigt Sie zur Zeit im Hamburger Westen am meisten?

Auf jeden Fall der Deckelbau über die Autobahn. Das ist ein echtes Jahrhundertprojekt, es wird viel Lebensqualität in die Stadt bringen und die Stadtteile wieder zusammenwachsen lassen. Ich stehe voll hinter diesem Projekt und habe höchsten Respekt vor allen, die es vorangetrieben haben. Aber die immensen Auswirkungen auf die umliegenden Stadtteile während der langen Bauphase, vor allem verkehrlich, sind extrem.

Woran machen Sie das fest?

Die Störungen sind immens, die Beschwerdelage hoch. Zum Beispiel geht es um Schulwegsicherheit, die Erreichbarkeit des AK Altona, besonders der Notaufnahme, aber auch um die Verkehrssicherheit rund den Sportpark Bahrenfeld, wo viele Kindermannschaften trainieren. Da stehen die Autos dicht an dicht und die Kinder müssen dazwischen irgendwie klarkommen. Auch der Einzelhandel, z.B. rund um die Waitzstrasse meldet erhebliche Probleme – die Leute kommen im Moment nur schwer dorthin.

Wie könnte sich das ändern?

Ich habe nach Gesprächsrunden gefragt, nach Abstimmungen mit Schulen und anderen Beteiligten, aber die Antwort war fast durchweg: „Dafür sind wir nicht zuständig.“ Genau das frustriert mich: Die immer mehr Menschen in der Verwaltung haben Angst, Fehler zu machen, also handeln sie lieber erst gar nicht. Aber dafür sind sie doch zuständig, sich um die Menschen in ihrem Bezirk zu kümmern! Dieses Beispiel zeigt besonders deutlich, wie dringend wir ein Bewusstsein dafür brauchen, dass Verantwortung nicht einfach weggeschoben werden kann. Selbst wenn man nicht der Verursacher ist, kann man nicht einfach wegschauen. Das ist ein Thema, das wir in der Bezirkspolitik täglich erleben, und ich möchte das unbedingt anpacken.

Der Sportpark ist nur ein kleines Segment aus diesem riesigen Projekt. Was wäre Ihre Idealvorstellung für die Lösung des Problems?

Das Gesamtprojekt sollte einen regelmäßigen Austausch mit allen Beteiligten haben, damit wir konkret unterstützen können. Zum Beispiel: Elternräte oder Schulleitungen, was hat sich für euch verändert, welche Ampel ist das Problem. Das sind doch alles wichtige Fragen. Ich kann das doch nicht erst machen, wenn etwas passiert ist.

Frau Blume, vielen Dank für das Gespräch.