Frau Kranz, arbeitet Ihre Gruppe eigentlich auch mit anderen Initiativen zusammen?
Ja, beispielsweise mit Gruppen in Eppendorf oder am Stellinger Kamp. Viele Initiativen machen ähnliche Erfahrungen. Es gibt überall engagierte Menschen, die Geflüchtete unterstützen – leider oft nur auf Zeit, weil Unterkünfte nach fünf Jahren schließen. Familien werden versetzt, Kinder wechseln die Schule, alles beginnt wieder von vorn.Wie arbeitet die Initiative mit der Stadt zusammen?
Mit „Fördern & Wohnen“ bestehen Kontakte. Ehrenamtliches Engagement wird dort koordiniert. Man kann sich eintragen, was man anbieten möchte, muss Verträge abschließen, Führungszeugnisse vorlegen. Das ist gut organisiert, aber bürokratisch.Wie haben Sie die Eröffnung erlebt?
Emotional berührend, aber auch bedrückend – die Räume sind klein, Kinder und Familien leben beengt. Es motivierte aber, weil wir sahen, dass wir durch unser Handeln etwas bewegen.Was wäre Ihre Idealvorstellung für die Zukunft?
Dass sich Engagement überflüssig macht, weil es selbstverständlich wird. Nachbarschaft funktioniert, Geflüchtete gehören einfach dazu. Ideal wäre, dass Familien andere Familien langfristig begleiten, Kinder Freizeitangebote nutzen können. Integration funktioniert nur über Kontakt. Schon sichtbar zu machen, dass es viele offene, interessierte Menschen gibt, war ein großer Erfolg.Verfolgen Sie eine Vision?
Das ist ein großes Wort. Aber wir wollen schon, dass unterschiedliche Blasen im Stadtteil mehr miteinander in Kontakt kommen. Integration braucht Begegnung. Alle Beteiligten sollen voneinander lernen, Engagement normalisiert sich, Willkommenskultur wird sichtbar und selbstverständlich.Welche Herausforderungen bestehen noch?
Die Unterkunft hier ist keine Erstaufnahme. Geflüchtete kommen von anderen Einrichtungen, die geschlossen werden, weil die Stadt nur befristete Verträge von fünf Jahren abschließt. Die Stadt zwingt also die Familien zum Umzug. Es kann sein, dass eine Familie in Rahlstedt sozial angebunden ist und dann hierher muss und wieder von vorne anfangen muss. Die Herausforderung für uns wird also sein, dafür zu sorgen, dass die Familien hier gut ankommen.Eine letzte Frage: Sie machen nach der Eröffnung weiter – was treibt Sie persönlich an?
Selbstwirksamkeit, das Gefühl, etwas zu bewegen. Und die Empörung darüber, dass in einem privilegierten Stadtteil gegen die Schwächsten Stimmung gemacht wurde. Wir wollten nicht gegen etwas sein, sondern für etwas – für Willkommenskultur und solidarisches Miteinander. Das hört mit der Eröffnung nicht auf, da gibt es weiter viel zu tun, das treibt mich.Frau Kranz, vielen Dank für das Gespräch.
