Der Hamburger Senat hält am Kohleausstieg bis spätestens Ende 2030 fest. Ein heute beschlossener Prüfbericht der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) kommt zu dem Ergebnis, dass die Transformation der Fernwärmeversorgung insgesamt planmäßig verläuft. Damit bestätigt der Senat den gesetzlichen Zeitrahmen, der 2019 infolge der Volksinitiative „Tschüss Kohle!“ festgelegt worden war.

Kern des Ausstiegs ist der Ersatz der alten Kohle-Heizkraftwerke Wedel und Tiefstack durch die neuen Energieparks Hafen und Tiefstack. Anders als bisher setzt Hamburg künftig nicht mehr auf wenige zentrale Großkraftwerke, sondern auf einen Mix aus dezentralen und flexiblen Wärmequellen. Dazu zählen industrielle Abwärme, thermische Abfallverwertung, Großwärmepumpen sowie Power-to-Heat-Anlagen, wie sie beispielsweise bereits am Standort Wedel betrieben wird.

Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) sieht die Stadt auf dem richtigen Kurs: „Wir gehen jetzt auf die Zielgerade für den Kohleausstieg bis Ende 2030. Damit lassen wir die alten Kraftwerke in Wedel und Tiefstack schon bald hinter uns“, sagte sie. Mit den neuen Energieparks schaffe Hamburg „modernen, sauberen Ersatz“ und setze ein zentrales Klimaschutzvorhaben um. Der Prüfbericht zeige zudem, „dass wir Wort halten gegenüber der Zivilgesellschaft, die jahrelang mit viel Herzblut dafür gestritten hat“.

Auch die Hamburger Energiewerke bekräftigen das Ziel, den Kohleausstieg möglichst vor 2030 zu vollenden. Technisch und organisatorisch sei das Projekt jedoch hochkomplex, betont Geschäftsführerin Kirsten Fust. „Zwei große Kraftwerke werden durch eine Vielzahl kleinerer überwiegend klimaneutraler Wärmequellen ersetzt. Außerdem müssen zahlreiche neue Leitungen gebaut werden“, erklärte sie. Dennoch sei sie „vorsichtig optimistisch“, den Ausstieg früher als geplant zu schaffen. Eine verbindliche Zusage sei jedoch angesichts externer Faktoren wie der Energiekrise und der Folgen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine derzeit nicht möglich.

Dass der Weg dorthin nicht reibungslos verläuft, zeigt das Schlüsselprojekt Energiepark Hafen. Der Bau des dortigen Gas- und Dampfkraftwerks auf der Dradenau verzögert sich um rund ein halbes Jahr. Ursprünglich sollte die Anlage im Frühjahr 2026 ans Netz gehen, nun ist der Start der letzten Testphase erst für Herbst 2026 vorgesehen. Damit kann das Kraftwerk die Fernwärmeversorgung voraussichtlich erst Ende 2026 vollständig übernehmen.

Die Verzögerung hat direkte Konsequenzen: Das Kohlekraftwerk Wedel muss länger laufen als geplant. Die zwischen 1961 und 1965 errichtete Anlage versorgt zehntausende Haushalte im Hamburger Westen mit Wärme und gilt seit Jahren als politisches Sorgenkind. „Ende 26 lösen wir Wedel ab und es geht dann in die Konservierung“, legte sich Fust im Herbst letzten Jahres fest. Ursächlich für die Verzögerung seien Probleme bei der Installation von Kleinstrohrleitungen. Tausende zusätzliche Schweißnähte machten einen höheren Personalaufwand und Mehrschichtbetrieb notwendig.

Finanziell schlägt sich das ebenfalls nieder. Nach Angaben der Energiewerke wurden bislang 74 Millionen Euro Mehrkosten angemeldet. Die Gesamtkosten der KWK-Anlage Dradenau liegen inzwischen bei rund 650 Millionen Euro – deutlich mehr als die ursprünglich veranschlagten 452 Millionen Euro. Gründe sind unter anderem Inflation, gestiegene Material- und Personalkosten sowie zusätzliche Sicherheitsanforderungen.

Trotz aller Schwierigkeiten sieht Umweltsenatorin Fegebank den Kohleausstieg politisch nicht gefährdet. „Diese Marke ist nicht gefährdet“, betonte sie mit Blick auf das Jahr 2030. Jede zusätzliche Tonne Kohle sei zwar „schmerzhaft“, doch der grundsätzliche Kurs bleibe bestehen.

Langfristig soll der Energiepark Hafen rund 180.000 Wohneinheiten mit Fernwärme versorgen und jährlich etwa 360.000 Tonnen CO₂ einsparen. Zusammen mit Projekten wie der Einbindung industrieller Abwärme von Aurubis, der erweiterten Wärmenutzung der Müllverwertungsanlage Borsigstraße und dem Ausbau von Power-to-Heat gilt er als zentraler Baustein für Hamburgs Ziel, bereits 2040 klimaneutral zu sein.