Wer am Elbufer joggt oder von einem der Anleger in die Ferne blickt, sieht sie fast täglich: die riesigen Containerschiffe, die langsam Richtung Hamburger Hafen oder zur Nordsee ziehen. Die schwimmenden Kolosse stehen wie kaum eine andere Branche für Globalisierung, Energieverbrauch und den Kampf ums Klima. Laut internationalen Berechnungen verursachen sie rund drei Prozent der globalen Treibhausgasemissionen.
Bisher schien die Schifffahrt auf einem guten Kurs zu sein. Erst kürzlich hatten sich die Reedereien mit der UN-Meeresagentur IMO nach langen Debatten darauf geeinigt, Klimaneutralität bis etwa 2050 zu erreichen. Dafür waren Zwischenziele vorgesehen, sowie ein CO₂-Bepreisungssystem und weitere Investitionen. Die EU unterstützte das, ebenso Länder wie China, Brasilien und Großbritannien. Alles navigierte gemeinsam - so schien es.
Doch nun ist alles ins Stocken geraten: Ein Einspruch der führenden Ölnationen USA und Saudi-Arabien verschob den finalen IMO-Beschluss um ein Jahr. Das heißt: Die sicher erschienene Einführung eines internationalen Systems zur CO₂-Bepreisung im Schiffsverkehr wird vorerst nicht stattfinden. US-Präsident Donald Trump drohte zustimmenden Ländern sogar mit Strafen wie Visabeschränkungen und Hafengebühren
„Die Vereinigten Staaten werden diese globale grüne neue Betrugssteuer auf die Schifffahrt nicht hinnehmen.“ – Das schrieb Trump auf seinem Onlinedienst Truth Social.
„Ich habe Ihnen im Moment nicht viel zu sagen. Das passiert nicht oft“ - IMO-Generalsekretär Arsenio Dominguez zeigte sich gegenüber Reportern geknickt.
"Die Chance auf einheitliche und wirksame weltweite Regeln ist damit in die Ferne gerückt." - Martin Kröger, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Reeder (VDR)
Sorgenfalten an der Elbchaussee
Auch bei der Reedereigruppe Peter Döhle Schiffahrts-KG in den Elbvororten sorgt man sich. Die Frage drängt sich auf: Wird der gemeinsame Beitrag der Schifffahrt zum Klimaschutz womöglich ganz auf unbestimmte Zeit verschoben?
Das familiäre Traditionsunternehmen steuert vom ehemaligen Gebäude der Elbschloss-Brauerei aus mehr als 400 Schiffe – also mehr als die staatsnahe Hapag-Lloyd AG (313). Döhles Containerschiffe, Massengutfrachter und Mehrzweckschiffe sind rund um den Globus unterwegs. Es ist das größte familiäre Frachtschifffahrtsunternehmen Deutschlands.
Die neuen Rahmenbedingungen treffen das sensible Warentransportgeschäft zwischen Australien, Argentinien und Alaska hart. Eigentlich hatte man bei Döhle wie in der ganzen Branche darauf gesetzt, dass die EU-Vorreiterrolle zum Weltmaßstab wird. Doch nachdem die USA und die Saudis nicht mehr mitziehen stehen die europäisch ausbaldowerten Umweltauflagen, der EU-Emissionshandel und die grünen Treibstoffquoten wieder auf dem Prüfstand.
Möglich, dass europäische Reedereien wie Döhle im Welthandel benachteiligt werden könnten, wenn andere Regionen weniger ambitionierte und somit kostengünstigere Klimaschutzregeln verfolgen. Der hierzulande eingeführte Standard würde dann zum Bumerang: Die Investitionen würden bremsend als Wettbewerbsnachteil wirken.
Gibt es noch Hoffnung?
Der Verband Deutscher Reeder (VDR) warnt vor einem globalen Vorschriftenteppich. Will heißen: Die 5.000-köpfige Landcrew und die 3.000 Seeleute von Döhle hätten wie alle anderen EU-Reedereien einen Haufen mehr an Bürokratie zu leisten. Für jeden einzelnen Hafen müsste geprüft werden, welche technischen Vorgaben gelten. Aus Sicht der Reedereien ist die Absage daher ein herber Rückschlag. Für Döhle könnte das bisherige Zusammenspiel von Seehandelsgeist, wirtschaftlicher Stärke und ökologischer Verantwortung zusammenbrechen.
Hinter vorgehaltener Hand hofft man, dass sich Trump noch erweichen lässt. Indessen zeigt sich: Die Wellen der großen Politik schlagen manchmal direkt bis ans Elbufer.


