Das Interreg-Projekt „CREWS“ („Enhancing Capacities in Disaster Risk Reduction by Facilitating Public-Civil Cooperation“) verfolgt das Ziel, die Zusammenarbeit zwischen Behörden und Zivilgesellschaft im Katastrophenfall zu stärken. Beteiligt sind 13 Projektpartner aus Deutschland, Dänemark, Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Polen und Schweden sowie 26 assoziierte Partnerorganisationen aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Im Fokus steht die gezielte Einbindung von Spontanhelfenden, die im Ernstfall bedarfsgerecht erfasst, organisiert und entsprechend ihrer Qualifikationen und Ausrüstung effizient eingesetzt werden sollen. Hierzu entwickelt das Projekt Ausbildungsmodule, Kooperationsmodelle und ein digitales Koordinationstool, die in Pilotaktionen in allen Partnerländern erprobt werden.
Dr. Sebastian Kloth, Bezirksamtsleiter Altona: „Zivil- und Katastrophenschutz sind in der heutigen Zeit von besonderer Bedeutung. Die Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen, erfordern eine enge Zusammenarbeit zwischen Behörden und zivilen Akteurinnen. Nur wenn wir gemeinsam mit unseren Partnerinnen üben, Erfahrungen sammeln und voneinander lernen, können wir die Widerstandsfähigkeit unserer lokalen Gemeinschaften stärken und eine effektive Katastrophenvorsorge gewährleisten. Das CREWS-Projekt zeigt, wie wichtig transnationale Kooperation und der Austausch von Wissen sind, um innovative Strukturen und digitale Werkzeuge zu entwickeln, die an die regionalen Bedürfnisse angepasst werden. Als Bezirksamt Altona übernehmen wir Verantwortung und setzen uns dafür ein, dass diese Ansätze in der Praxis erprobt und weiterentwickelt werden – für eine sichere und resiliente Gesellschaft.“
Die Übung wurde vom Bezirksamt Altona und der Feuerwehr Hamburg gemeinsam ausgearbeitet und durchgeführt. Neben den internationalen Teilnehmenden waren zudem weitere Hamburger Organisationen beteiligt, darunter der Arbeiter-Samariter-Bund Landesverband Hamburg, Hamburg Wasser, die Senatskanzlei Hamburg, die Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg sowie die Jugendfeuerwehr Hamburg und die Feuerwehrakademie Hamburg.
Fiktives Extremwetterszenario: HAPEX26 in Altona
Seit Wochen hält eine extreme Hitzewelle Hamburg im Griff – die Böden sind ausgetrocknet und es besteht akuter Wassermangel. Plötzlich trifft eine Sturmflut die Hansestadt, und es gehen zahlreiche Hochwassermeldungen ein. Dieses Zusammenspiel aus Wetterextremen bildete das Szenario, das in der Übung in Altona simuliert wurde. Etwa 130 internationale und Hamburger Teilnehmende übernahmen verschiedene Rollen – von Spontanhelfenden bis zu Einsatzkräften – und bewältigten realitätsnahe Einsatzlagen. Zu den Aufgaben gehörte unter anderem die Einrichtung eines „Kühlen Ortes“, der Betrieb eines Sammel- und Registrierungspunktes, die Ausstattung einer Notunterkunft, die Öffnung eines Trinkwassernotbrunnens sowie die Unterstützung bei der Erstversorgung von Verletzten nach einem Busunfall.
Morgendliche Besprechung im Altonaer Kollegiensaal. Foto: Benjamin Erbrecht
Die Übung startete am frühen Morgen mit dem ersten Krisenszenario: Aufgrund der anhaltenden Hitze und des hohen Stromverbrauchs fiel das Stromnetz der Hochbahn aus. Eine U-Bahn blieb liegen, die Klimaanlage versagte, und 15 Fahrgäste waren eingeschlossen und von Dehydrierung bedroht. Spontanhelfende wurden alarmiert, versorgten die Betroffenen mit Trinkwasser und unterstützten bei der Evakuierung zum Registrierungspunkt im Rathaus Altona.
Im weiteren Verlauf wurden am Altonaer Balkon eine Anlauf- und Registrierungsstelle für hilfesuchende Menschen aus der Bevölkerung sowie für zivile freiwillige Helfende eingerichtet und zahlreiche weitere Szenarien an verschiedenen Orten in Altona durchgespielt. Dazu zählten der Aufbau eines Trinkwassernotbrunnens im Holstenkamp, die Betreuung hilfesuchender Zivilist*innen bei der Freiwilligen Feuerwehr, die Evakuierung einer Reisegruppe am Bahnhof, die Räumung eines Wohn- und Geschäftsgebäudes sowie die Einrichtung eines „Kühlen Ortes“ in der St. Petri Kirche.
Am Nachmittag folgten weitere Einsatzlagen, darunter die Einrichtung einer Aufenthaltsstätte am Bauhof Altona, der Transport von Wasserkanistern, die drohende Überflutung kritischer Infrastruktur und die Rettung vermisster Personen. Zusätzlich wurde ein Busunfall mit mehreren Verletzten simuliert, bei dem Spontanhelfende gemeinsam mit Feuerwehr und Rettungsdienst die Erstversorgung übernahmen.
Zum Abschluss versammelten sich die Projektpartner*innen im Kollegiensaal des Rathauses Altona, um ein erstes Feedback zu den gemachten Erfahrungen zu geben. Die Ergebnisse der Übung werden nun umfassend ausgewertet, um sie in die Weiterentwicklung der internationalen Kooperation und des digitalen Koordinationstools einfließen zu lassen.
CREWS: Stärkung der Katastrophenvorsorge im Ostseeraum
Das CREWS-Projekt stärkt die Ressourcen und Kapazitäten zur Katastrophenabwehr und im Zivilschutz im Ostseeraum. Ziel ist es, lokale Gemeinschaften zu befähigen und die Zusammenarbeit zwischen formellen und informellen Akteur*innen im Katastrophenmanagement zu verbessern. Durch transnationale Kooperation und Wissensaustausch werden gemeinsame Strukturen und digitale Tools entwickelt, die an regionale Bedürfnisse angepasst werden.
Zu den Projektergebnissen zählen ein Kooperationsmodell und ein digitales Koordinationstool, das eine effektive Zusammenarbeit zwischen Behörden und zivilen Akteur*innen ermöglicht. CREWS fördert damit die Widerstandsfähigkeit, optimiert die Katastrophenvorsorge und unterstützt einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz im Krisenmanagement. Im Einklang mit der EU-Strategie für den Ostseeraum trägt das Projekt zur Erhöhung der zivilgesellschaftlichen Sicherheit und zur Entwicklung einer gemeinsamen Sicherheitskultur bei. Das Bezirksamt Altona übernimmt als Leadpartner die Projektsteuerung und erprobt die entwickelten Strukturen und Instrumente in praktischen Übungen.
Das Projekt CREWS läuft von März 2025 bis März 2028. Das Gesamtbudget beträgt rund 3,1 Millionen Euro, wovon rund 2,5 Millionen Euro durch die EU finanziert werden. Das Bezirksamt Altona bringt einen Eigenanteil von insgesamt rund 760.000 Euro in das Projekt ein.




















