Die bundesweiten Hitzeereignisse von bis zu 40 Grad setzen den Bewohnern der Hansestadt massiv zu. Besonders in stark verdichteten Vierteln wie Ottensen, der Sternschanze, Bahrenfeld und Altona-Altstadt verwandeln sich die Straßen in regelrechte Backöfen. Vor allem alte Menschen, Vorerkrankte und Kleinkinder leiden erheblich unter den Folgen des Klimawandels. Als Antwort auf diesen Handlungsdruck hat das Bezirksamt kürzlich das Klimaanpassungskonzept „COOL Altona“ vorgestellt. Es wurde auf Basis wissenschaftlicher Expertisen entwickelt, identifiziert 28 stark betroffene Risikobereiche und listet zahlreiche Maßnahmen auf – von neuen Frischluftachsen bis hin zu Dach- und Fassadenbegrünungen.
Bezirksamtsleiter Dr. Sebastian Kloth lobt den Plan öffentlichkeitswirksam und sieht in der konsequenten Anpassung eine Chance für Sicherheit und Lebensqualität vor Ort. Doch genau hinter dieser Darstellung regt sich nun deutlicher Unmut bei der Fraktion DIE LINKE. Die Politiker werfen der Verwaltung vor, das Problem primär auf dem Papier lösen zu wollen, anstatt es in der Praxis anzupacken.
Claudia Dyroff, Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft, Klima und Verbraucherschutz, fordert erheblich mehr Einsatz auf den Straßen: Der Bezirk müsse versiegelte Flächen, wie etwa die Parkplätze vor Supermärkten, umgehend begrünen. Auch Hausfassaden gelte es zwingend zu bepflanzen, um für eine natürliche Kühlung der Gebäude zu sorgen. Noch drastischer formuliert es ihr Fraktionskollege Karsten Strasser. Er warnt vor der Hitze als „stillem Killer“, dem die bisherigen Beteuerungen der Verwaltung wenig entgegenzusetzen hätten. „Bunt aufgemachte Broschüren ersetzen keine wirklich durchgreifenden Maßnahmen. Die Vorschläge liegen vor, jetzt kommt es auf die Umsetzung an!“, meint der Linken-Politiker.
Die Fraktion greift dabei auch einen wunden Punkt der Gesamtstadt auf: Sofortige und einfache Hilfen im Alltag fehlen beinahe völlig. Hamburg verfügt für zwei Millionen Einwohner derzeit über lediglich neun echte Trinkwasserbrunnen und 44 Wasserspender, die sich zumeist an touristischen Hotspots fernab der Wohnquartiere befinden. Während sich Beratungsfirmen mit strukturellen Strategien beschäftigen, mangelt es an elementarem Hitzeschutz auf der Straße. Gerade für Obdachlose, die sich dauerhaft ungeschützt im Freien aufhalten müssen, ist dieser Zustand lebensbedrohlich. Strasser pocht auf die rasche Schaffung von Trinkwasserbrunnen sowie die Öffnung gekühlter Aufenthaltsräume.
Ein vergleichender Blick untermauert die Kritik der Linken: Städte wie Wien liefern ihren Einwohnern mit rund 2500 Brunnen und Wasserspendern weitaus effektivere Mittel zur Kühlung. Sogar Berlin rüstet mit mobilen Spendern und übersichtlichen Erfrischungskarten intensiv nach.
Das ehrgeizige Vorzeigeprojekt „COOL Altona“ wartet derzeit noch auf einen Beschluss durch die Bezirksversammlung. Spätestens in den kommenden Sitzungen wird sich beweisen müssen, ob den bunten Broschüren tatsächlich schnelle, wirksame Bau- und Schutzmaßnahmen folgen – oder ob das Konzept in der Theorie verharrt, während die Bürger unter der Sonne weiter allein gelassen werden.





















