Mit großem Aufwand treibt der Hamburger Senat seine Bewerbung für Olympische Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 voran. Millionen fließen in Öffentlichkeitsarbeit, Veranstaltungen und Informationskampagnen. Allein rund neun Millionen Euro sind für Werbung eingeplant – eine Summe, die Kritiker als klares Ungleichgewicht im Vorfeld des geplanten Bürgerschaftsreferendums sehen.

Vor allem die Linke-Bezirksfraktion Altona äußert deutliche Kritik. Ihr Co-Vorsitzender Yavuz Fersoglu bemängelt eine Verletzung des Neutralitätsgebots. Staatlich finanzierte Kampagnen und Unterrichtsmaterialien würden einseitig für die Bewerbung werben, während Gegenpositionen kaum sichtbar seien. Zwar habe die Initiative „NOlympia“ mit rund 20.000 Unterschriften das notwendige Quorum erreicht, um in den Abstimmungsunterlagen berücksichtigt zu werden – doch insbesondere junge Menschen würden nach Ansicht der Kritiker nicht ausgewogen informiert.

Ein Vergleich mit der Vergangenheit zeigt, was fehlt: Vor dem gescheiterten Referendum 2015 sorgte die Veranstaltungsreihe „It’s your choice“ für öffentliche Debatten mit Pro- und Contra-Argumenten. Eine Neuauflage solcher Formate bleibt bislang aus.

Parallel zur politischen Diskussion nehmen auch die konkreten Planungen Gestalt an – insbesondere im Bezirk Altona. Hier soll ein zentraler Teil der olympischen Infrastruktur entstehen. Das heutige Volksparkstadion könnte demnach in eine Schwimmarena umgewandelt und später abgerissen werden. In unmittelbarer Nähe ist der Bau eines neuen Olympiastadions vorgesehen. Zudem sollen Athleten in der Science City in Bahrenfeld untergebracht werden und über eigens eingerichtete Verkehrswege, sogenannte „Olympic Lanes“, zu den Wettkampfstätten gelangen.

Doch gerade in Altona regt sich Widerstand – nicht nur gegen die Pläne selbst, sondern auch gegen die Art ihrer Entstehung. Eine Große Anfrage der Linksfraktion im Bezirk offenbart, dass die lokale Verwaltung offenbar nur begrenzt eingebunden ist. Viele Fragen zu Kosten, Einfluss und konkreter Mitgestaltung blieben unbeantwortet oder wurden an übergeordnete Behörden verwiesen.

Auch Natalia Werdung, Mitglied der Linkspartei im Sportausschuss, kritisiert dieses Vorgehen scharf. Der Senat entscheide über die Köpfe der Menschen hinweg, während der Bezirk kaum Mitspracherecht habe. Die Versprechen von wirtschaftlichem Nutzen und internationalem Ansehen stünden für viele im Kontrast zu befürchteten Belastungen vor Ort.

Damit steht Hamburg erneut vor einer Grundsatzentscheidung: Olympia als Chance für Stadtentwicklung und internationales Renommee – oder als Projekt, das gesellschaftliche Spaltung vertieft. Die kommenden Monate dürften zeigen, ob es gelingt, die Bevölkerung auf diesem Weg mitzunehmen.