Der Elbwald ist viel mehr als nur eine Ansammlung von Bäumen. Er ist ein Stück Natur mitten im industriellen Sog des Hamburger Hafens. Direkt gegenüber vom Elbstrand in Övelgönne gelegen, dient er als grüne Oase für Spaziergänger, Familien und Erholungssuchende – “die grüne Lunge” des Hafenvorfeldes. Diese poetische Beschreibung stammt von der Initiative selbst.

Im Rahmen der Westhafenerweiterung plant die Wirtschaftsbehörde Hamburg gemeinsam mit Eurogate und der Hamburg Port Authority (HPA), den Elbwald vollständig zu roden – obwohl laut Initiative nur etwa zehn Prozent der Bäume für die notwendige Ausweitung des Drehkreises für Containerschiffe entfernt werden müssten. Diese Differenz erzeugt Gesprächsstoff – und Wut.

Die Hamburger Wirtschaftsbehörde (BWI), unter Leitung von Wirtschafts- und Innovationssenatorin Melanie Leonhard (SPD), betont den Fortschritt des "Innovationshafens 2040". Der Hafenentwicklungsplan, beschlossen im Juni 2023, stellt Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Klimaschutz und moderne Logistik ins Zentrum. Dabei spielt auch der Erhalt funktionaler Infrastruktur eine entscheidende Rolle – etwa ein leistungsfähiges Hafenbahnnetz, klimaneutraler Betrieb ab 2040 und Landstromausbau für Schiffe.

In diesem Kontext wirkt das Vorhaben, den Drehkreis zu erweitern – inklusive der geplanten Abholzung – als Teil eines anstehenden Modernisierungsschubs. Immerhin hat die HPA aktuell ein Großprojekt in Waltershof auf den Weg gebracht: Der Drehkreis wurde von 480 m auf 600 m ausgeweitet, um die Einfahrt großer Containerschiffe sicherer und effizienter zu machen. Die Maßnahme soll nicht nur Abläufe beschleunigen, sondern Gesamtkosten von etwa 1,1 Milliarden Euro ermöglichen, mit Eurogate als starkem Terminalpartner und Investitionen von mindestens 700 Millionen Euro.

Parallel zur Infrastrukturmodernisierung treibt Hamburg die ökologische Transformation im Hafen voran: LANDSTROM für Kreuzfahrt- und Containerschiffe wird forciert – etwa ab 2024 werden drei Viertel der Kreuzfahrtanläufe landstromfähig sein. Zudem gründen die HPA und die Hamburger Energiewerke (HEnW) ein Joint Venture zur Erzeugung erneuerbarer Energien direkt im Hafengebiet – Photovoltaik und Windkraft sollen mittelfristig nahezu den gesamten Strombedarf der Hafenwirtschaft decken.

 

Wer zahlt den ökologischen Preis?

Hier prallen zwei Realitäten aufeinander: Die Vision eines nachhaltigen Zukunftshafens – innovativ, klimafreundlich, leistungsfähig – und der konkrete Preis dafür: ein lebenswerter Wald, der ersatzlos gerodet werden soll. Die Initiative „Rettet den Elbwald“ wirft der Wirtschaftsbehörde vor, keine Kompromisse einzugehen und mit maximalem Infrastrukturfokus zu agieren – obwohl eine deutlich behutsamere Planung offenbar möglich wäre. Die budgetierten investitionen von 1,1 Milliarden Euro könnten besser genutzt werden, um die Wettbewerbsfähigkeit des Hafens durch eine überfällige Modernisierung der logistischen Abläufe zu verbessern, meinen Vertreter der Initiative.

Mit verschiedenen Aktionen wollen die Bürger eine Reduzierung der Westhafenerweiterung erreichen, um damit den Elbwald zu erhalten. Außerdem fordern sie „sinnvolle Infrtrastrukturmaßnahmen statt neuer Liegeflächen“ im Hafen, wie zum Beispiel den Ausbau der Hafenbahn und ein rascher Neubau der Köhlbrand-Querung.

 

www.elbwaldretten.de/