Die weit über die Grenzen der Hansestadt hinaus berühmte Elbchaussee ist seit Jahren eine Dauerbaustelle – und ein Nervenzentrum des Hamburger Westens. Was als notwendige Grundinstandsetzung begann, ist zu einem Sinnbild für stockende Planung, wachsende Belastungen und einen eskalierenden Vertrauensverlust zwischen Politik und Bürgerschaft geworden. Im Zentrum der Kritik: Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) und seine Behörde für Verkehr und Mobilitätswende (BVM).

Anwohner, Initiativen und selbst Bezirkspolitiker beklagen übereinstimmend, dass der Dialog mit der Verkehrsbehörde faktisch nicht stattfindet. Anfragen bleiben unbeantwortet, Gesprächsangebote werden nicht angenommen. Auch Medienanfragen der DorfStadt-Zeitung laufen ins Leere oder werden an nachgeordnete Stellen weitergereicht – verbunden mit der Bitte um Geduld.

Wir haben Fragen – aber niemand antwortet“, bringt es Oliver Barckhan von der Initiative „Rettet die Elbchaussee“ auf den Punkt. Der Journalist wohnt selbst an der Elbchaussee und beobachtet seit Monaten, wie sich Unsicherheit und Unmut in der Nachbarschaft ausbreiten. Die Sorge: Der Senator könnte bewusst den offenen Konflikt scheuen und sensible Entscheidungen – insbesondere im Bereich Oevelgönne und rund um die Strandperle am Schulberg – vertagen, um Anwohner später vor vollendete Tatsachen zu stellen.

Angst vor Parkplatzabbau und einseitiger Verkehrsplanung

Besonders brisant ist die Diskussion um den bislang nicht konkret geplanten Abschnitt zwischen Hohenzollernring und Parkstraße. Gerade hier befürchten Anwohner einen massiven Wegfall von über 100 Parkplätzen zugunsten des Radverkehrs. Betroffen wären nicht nur Bewohner am Elbhang, sondern auch Gastronomiebetriebe wie die Strandperle, ein Publikumsmagnet am Elbstrand.

Ich bin nicht gegen das Radfahren“, sagt Barckhan, „aber für eine ausgewogene Gestaltung der Elbchaussee, die den Bedürfnissen aller Nutzergruppen gerecht wird.“ Diese Abwägung, so sein Vorwurf, finde bislang hinter verschlossenen Türen statt.

Umleitungen durch Wohnstraßen – Belastung wächst

Hinzu kommen die praktischen Folgen der anhaltenden Vollsperrung. Der Verkehr wird seit über einem Jahr durch enge Wohnstraßen wie die Holländische Reihe oder die Bernadottestraße geleitet. Lärm, Abgase, hohes Verkehrsaufkommen und Unfälle prägen dort inzwischen den Alltag.

Genau hier setzt eine Schriftliche Kleine Anfrage der CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Dr. Anke Frieling an. Sie will vom Senat wissen, welche Ampelschaltungen tatsächlich angepasst wurden, welche Zusagen es an Anwohner gab – und warum angekündigte Maßnahmen bis heute nicht umgesetzt sind. Besonders schwer wiegt der Vorwurf, dass versprochene verkehrslenkende Eingriffe bislang ausgeblieben seien, obwohl die Situation vor Ort von vielen als gefährlich und unzumutbar empfunden wird.

Während der erste Bauabschnitt von Blankenese bis Othmarschen Ende 2023 abgeschlossen wurde, läuft der zweite Abschnitt zwischen Rathaus Altona und Hohenzollernring seit Sommer 2025 unter Vollsperrung. Der fehlende Lückenschluss Richtung Parkstraße wurde inzwischen in mehrere Unterabschnitte aufgeteilt.

Für einen Teilbereich sollen Details im Mobilitätsausschuss der Bezirksversammlung Altona vorgestellt werden – der besonders heikle Abschnitt bei Oevelgönne bleibt jedoch erneut außen vor. Konkrete Aussagen zu Bauzeit, Verkehrsführung oder Parkraum gibt es dafür weiterhin nicht. Gleichzeitig wurden die Arbeiten im Westen überraschend vorgezogen: Statt eines Starts zum Jahreswechsel 2026/27 sollen sie nun bereits im Mai 2026 beginnen. Erste Beweissicherungsverfahren an Gebäuden laufen bereits – offizielle Informationen für Bezirkspolitik und Anwohner oder Medien: Fehlanzeige.

»Das ist kein Baustellenmanagement«

Die Kritik aus der Politik fällt deutlich aus. CDU-Abgeordnete Frieling spricht von „Dilettantismus“ und einem fortlaufenden Scheitern der Planung. Aus wenigen Sommerwochen sei eine jahrelange Belastung geworden – ohne verlässlichen Zeitplan und ohne transparente Kommunikation.

Einziger Lichtblick: Während der Sperrung der Sternbrücke soll die Elbchaussee zeitweise geöffnet werden, um den Verkehrsfluss in Altona aufrechtzuerhalten. Doch auch dieses Versprechen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Grundproblem bestehen bleibt.

Weil der Dialog aus ihrer Sicht verweigert wird, gehen die Bürger nun selbst auf die Straße. Für den 22. Februar 2026 ruft das Aktionsbündnis Rettet die Elbchaussee zu einer Demonstration auf. Geplant ist eine Menschenkette entlang der Elbchaussee – als sichtbares Zeichen für „Verkehrsfrieden“ und gegen eine Verkehrspolitik ohne Beteiligung.

Unterstützt wird das Bündnis von den Bürgervereinen aus Flottbek-Othmarschen, Nienstedten und Blankenese. Ihre gemeinsame Forderung: Transparenz, Mitbestimmung und ein offener Dialog mit dem Verkehrssenator.

Die Vertreter der Initiative und der Bürgervereine erhoffen sich vom Mobilitätsausschuss der Bezirksversammlung am Montag Antworten auf ihre Fragen. Dort soll zumindest ein Teil der Planung vorgestellt werden. „Wir werden nicht locker lassen mit unseren Fragen“, betont Barckhan. Am liebsten würde er den Verkehrssenator zum Austausch mit den Bürgern zwingen.

Ob sich Tjarks diesem Dialog stellt – oder weiter auf Distanz bleibt –, wird entscheidend dafür sein, ob sich der Konflikt entschärft oder weiter zuspitzt. Die Geduld im Hamburger Westen jedenfalls ist nahezu erschöpft.