Blankenese (9. Juni 2026, Konrad Matzen) · Zwischen Elbhang und Literaturtradition wird in diesem Herbst ein Werk ausgezeichnet, das Vergangenheit und Gegenwart kunstvoll miteinander verwebt – und dabei mehr Fragen aufwirft, als es auf den ersten Blick scheint.
Am 5. September um 20 Uhr wird im Hotel Louis C. Jacob der Literaturpreis „Der zweite Roman“ verliehen. Die Entscheidung der Jury ist gefallen: Monika Zeiner erhält die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung für ihr Werk „Villa Sternbald oder Die Unschärfe der Jahre“. Die Preisverleihung findet im Rahmen der Herbstlese Blankenese statt und setzt einmal mehr ein Zeichen für anspruchsvolle Gegenwartsliteratur.
Der Preis richtet sich bewusst an Autoren, die nach einem erfolgreichen Debüt ihr zweites Werk vorlegen – ein Moment, der in der Literaturbranche als besonders heikel gilt. Initiiert wurde die Auszeichnung von Christian Voß in Zusammenarbeit mit dem Literaturkritiker Rainer Moritz und der Buchhandlung Wassermann in Blankenese. Ziel ist es, erzählerische Stimmen zu fördern, die ihr Potenzial über den Erstling hinaus unter Beweis stellen.
Zeiner gelingt genau das. Ihr Roman spannt einen Bogen vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart und erzählt die Geschichte der fränkischen Unternehmerfamilie Finck. Im Zentrum steht Nikolas, ein Außenseiter, der bei seiner Rückkehr in das Familienanwesen eine Vergangenheit freilegt, die von Opportunismus und moralischer Schuld geprägt ist. Besonders die Verstrickungen der Familie während der NS-Zeit verleihen dem Roman eine historische Tiefe, die weit über reine Familiendramatik hinausgeht.
Die Jury, die über die Vergabe des Preises entscheidet, vereint unterschiedliche Perspektiven des Literaturbetriebs. Thomas Andre, Kulturredakteur beim Hamburger Abendblatt, bringt journalistische Erfahrung und einen breiten Überblick über aktuelle Literaturentwicklungen ein. Pascal Mathéus, Buchhändler der traditionsreichen Buchhandlung Wassermann, steht für die Nähe zum Lesepublikum und kennt die Resonanz literarischer Werke im Alltag. Rainer Moritz, selbst Schriftsteller und profilierter Kritiker, liefert die analytische Tiefe und literaturhistorische Einordnung. Ergänzt wird das Gremium durch Annegret Schult von der Buchhandlung „Das Buch Eppendorf“, die ebenfalls über langjährige Erfahrung im literarischen Sortiment und in der Leserberatung verfügt.
Gemeinsam zeichnet die Jury ein klares Bild: Zeiners Roman überzeugt nicht nur durch stilistische Souveränität, sondern auch durch seine thematische Relevanz. Die Verbindung aus Familiengeschichte, gesellschaftlicher Analyse und erzählerischem Witz hebt das Werk aus der Vielzahl aktueller Veröffentlichungen hervor.
Mit der Preisverleihung in Blankenese wird somit nicht nur ein einzelnes Buch geehrt, sondern auch die Bedeutung literarischer Kontinuität unterstrichen – und die Hoffnung, dass starke Stimmen wie die von Monika Zeiner die deutsche Gegenwartsliteratur weiterhin prägen werden.
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