Die mögliche Schließung des Kundenzentrums in Blankenese sorgt für wachsenden politischen Widerstand im Bezirk Altona. Nach Angaben aus der Hamburger Finanzbehörde gehört Blankenese zu drei Standorten, die auf dem Prüfstand stehen. Neben Blankenese sind auch Niendorf und Süderelbe betroffen. An ihre Stelle sollen mobile Teams treten. Wie häufig diese Angebote vor Ort verfügbar wären, ist bislang offen.
Finanzsenator Andreas Dressel spricht von einer angedachten "Angebotsveränderung". Diese sei wegen der Haushaltslage notwendig, außerdem ließen sich immer mehr Leistungen online erledigen. Einen Rückzug aus den Stadtteilen sieht der Senator darin nicht. Zugleich ist klar: Die Präsenz des Bürgerservices würde in den betroffenen Quartieren deutlich abnehmen. Eine abschließende Entscheidung ist nach Angaben des Senats noch nicht gefallen, die Bezirksversammlungen sollen vorher beteiligt werden.
Gerade dieser Schwebezustand treibt die Sorge in Blankenese weiter an. Denn die Diskussion kommt nicht aus dem Nichts. Bereits zu Jahresbeginn waren die Öffnungszeiten des Standorts deutlich reduziert worden. Für Kritiker ist das ein Signal, dass der Bürgerservice im Westen Hamburgs seit Monaten schrittweise ausgedünnt wird.
Besonders scharf fällt die Kritik der CDU-Bezirksfraktion Altona aus. Sie wirft dem rot-grünen Senat vor, den Bürgerservice in der Fläche zurückzufahren und die Menschen mit längeren Wegen und schlechterer Erreichbarkeit allein zu lassen. Fraktionschef Sven Hielscher befürchtet: "Rot-Grün baut die Verwaltung dort ab, wo die Menschen sie im Alltag wirklich brauchen. Wer diese Strukturen abbaut, entfernt sich von den Bürgern." In einer weiteren Stellungnahme legt er nach: "Wer Menschen nur auf Online-Portale verweist, lässt sie im Stich." Diese Kritik zielt vor allem auf ältere Bürger, mobilitätseingeschränkte Menschen und jene, die digitale Angebote nicht ohne Weiteres nutzen können.
Tatsächlich trifft die Auseinandersetzung einen empfindlichen Punkt. Verwaltungsleistungen wie Ausweisangelegenheiten, An- und Ummeldungen oder Aufenthaltstitel gehören zu den Aufgaben, die zwar zunehmend digitalisiert werden, im Alltag aber für viele Bürger weiterhin an persönliche Termine gebunden sind. Fällt ein fester Standort weg, verlagert sich der Druck auf die verbleibenden Zentren. Im Bezirk Altona wäre das politisch brisant, weil für mehr als 280.000 Einwohner nur noch ein stationärer Standort bliebe – ein Szenario, das die CDU als klare Verschlechterung des Bürgerservices beschreibt.
Rückendeckung bekommt diese Kritik von ver.di. Die Gewerkschaft spricht nicht von bloßer Modernisierung, sondern von Einschnitten mit spürbaren Folgen. André Kretschmar, Landesfachbereichsleiter bei ver.di Hamburg, formuliert es deutlich: "Was Herr Dr. Dressel als ,Angebotsänderungen' kleinredet, sind in Wahrheit handfeste Kürzungsmaßnahmen mit gravierenden Folgen für die Bürger*innen dieser Stadt und für die Beschäftigten." Zugleich fordert die Gewerkschaft Transparenz über die Auswirkungen auf Beschäftigte und Erreichbarkeit.
Die Bezirke kennen die Situation vor Ort und wissen, wo die Menschen ihre Verwaltung brauchen. Der rot-grüne Senat hingegen wolle über die Bezirke hinweg entscheiden, meint Hiellscher. Die CDU-Fraktion Altona fordert deshalb den Erhalt des Hamburg-Service in Blankenese und hat dazu einen Antrag in den Hauptausschuss eingebracht. Hielscher: „Der Bedarf an wohnortnahem Bürgerservice ist seit Jahren bekannt. Trotzdem zieht sich der Senat immer weiter aus der Fläche zurück. Dagegen wollen wir entschieden vorgehen. Wer Bürgernähe ernst meint, darf nicht die Bürger vor die Tür setzen.“


















