Nach rund einem Jahr Leerstand kehrt gastronomisches Leben auf den Wackerhof in Osdorf zurück. Mit dem LamberJacks wagen die neuen Pächter Mia und Leandro einen Neustart – und setzen dabei bewusst auf ein Konzept, das sich vom klassischen Restaurantbetrieb abhebt.
Der Standort ist dabei kein unbekannter: Erst im vergangenen Jahr musste erneut ein Pächterpaar ihr Restaurant schließen. Die Gründe lagen unter anderem in wirtschaftlichen Herausforderungen – ein Schicksal, das viele Gastronomiebetriebe zuletzt getroffen hat. Umso bemerkenswerter ist der Mut der neuen Betreiber, genau hier einen Neuanfang zu wagen.
Hinter dem Projekt stehen zwei Gastronomen mit internationalem Hintergrund: Mia, halb deutsch, halb japanisch, bringt umfangreiche Erfahrung aus der Londoner Gastronomieszene mit – unter anderem aus Häusern wie dem Nobu oder dem Dorchester Hotel. Leandro, gebürtiger Brasilianer und Küchenchef, hat in renommierten Küchen gearbeitet, darunter das Oblix, Zuma und Nopi von Yotam Ottolenghi.
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Auch in Hamburg ist er kein Unbekannter: Stationen wie das Nikkei Nine, das „100/200 Kitchen“ (Frames) oder der Süllberg haben seinen Stil geprägt. Diese Einflüsse spiegeln sich nun im LamberJacks wider – allerdings bewusst heruntergebrochen auf ein zugängliches Niveau.
Das Konzept lässt sich am ehesten als Mischung aus britischem Pub und modernem Bistro beschreiben. „Wohnbistro meets Ottolenghi“ nennen es die Betreiber selbst. Gemeint ist damit eine Küche, die kreativ, international inspiriert und dennoch bodenständig bleibt.
Die Speisekarte ist bewusst kompakt gehalten, bietet aber Vielfalt: von einfachen Snacks wie Sauerteigbrot oder Frikadellen bis hin zu Gerichten wie confiertem Huhn, Boeuf Bourguignon oder geröstetem Blumenkohl mit orientalischer Note. Auffällig ist dabei die Preisgestaltung: Viele Gerichte bleiben unter der Marke von 20 Euro, der Mittagstisch ist bereits ab 10 Euro zu haben.
Ein Ort zum Ankommen
Doch LamberJacks will mehr sein als nur ein Restaurant. Im Mittelpunkt steht die Idee eines sozialen Treffpunkts. Gäste sollen kommen können, wie sie sind – ob für ein schnelles Essen, ein Glas Wein am Kamin oder einen Abend mit Freunden.
Das spiegelt sich auch im Ambiente wider. Vieles aus der vorherigen Einrichtung wurde übernommen: rustikale Elemente, Holz, eine offene Raumstruktur. Neu hinzugekommen ist vor allem eine stärkere Fokussierung auf Gemütlichkeit – etwa durch eine markante Sitzgruppe im englischen Stil direkt am Kamin.
Das Ziel: eine Atmosphäre, die an britische Gastropubs erinnert. Ein Ort, an dem man sich ebenso gut allein aufhalten kann wie in Gesellschaft. Kinder und Hunde sind ausdrücklich willkommen.
Ein besonderes Detail ist die Zusammenarbeit mit dem unterhalb gelegenen Weinhandel. Gäste können dort eine Flasche auswählen und diese anschließend im Restaurant genießen – ein Konzept, das die Betreiber augenzwinkernd als „unten erkiesen, oben genießen“ beschreiben.
Diese Vernetzung mit der Nachbarschaft ist Teil der Strategie. Der Standort in Osdorf – etwas abseits der klassischen Gastro-Hotspots wie Blankenese oder Othmarschen – wird dabei bewusst gewählt. Er bietet gute Erreichbarkeit und ausreichend Parkmöglichkeiten, stellt aber gleichzeitig höhere Anforderungen an Sichtbarkeit und Publikumsfrequenz.
Die Lage außerhalb der bekannten Szeneviertel ist Chance und Risiko zugleich. Einerseits eröffnet sie Raum für ein eigenständiges Konzept ohne direkten Konkurrenzdruck, andererseits erfordert sie Überzeugungsarbeit.
Hinzu kommt die generelle Situation der Branche: steigende Kosten, verändertes Konsumverhalten und ein insgesamt vorsichtigeres Publikum. Mia und Leandro begegnen dem mit einem klaren Ansatz: Qualität, Zugänglichkeit und persönliche Nähe.
Ein Projekt vieler Hände
Dass das LamberJacks heute öffnen kann, ist nicht zuletzt das Ergebnis eines Netzwerks. Der Kontakt zum Standort entstand eher zufällig, unterstützt wurde das Projekt von zahlreichen Helfern aus dem Umfeld.
Für die Betreiber ist das mehr als nur eine Randnotiz. Es ist Teil ihres Selbstverständnisses: LamberJacks soll kein isolierter Betrieb sein, sondern ein Ort, der von Gemeinschaft lebt.
Ob der Neustart gelingt, wird sich zeigen. Die Voraussetzungen sind da: ein durchdachtes Konzept, erfahrene Betreiber und ein Standort mit Potenzial.
Vor allem aber bringt LamberJacks etwas mit, das in der Gastronomie nicht selbstverständlich ist: eine klare Idee davon, was ein Restaurant heute sein kann – nicht nur ein Ort zum Essen, sondern ein Ort zum Treffen.
Oder, wie es die Betreiber selbst formulieren: „Let’s meet at the Pub.“
Lamberjacks
Osdorfer Landstraße 239
Tel.: (0 40) 87 87 89 80www.lamberjacks.de





















