Die jüdische Geschichte Hamburgs reicht über 400 Jahre zurück. Sie ist seit Beginn durch kulturelle, sprachliche und religiöse Vielfalt geprägt. Von dieser Pluralität zeugen im Hamburger Stadtbild unter anderem der sephardisch-aschkenasische Friedhof an der Altonaer Königstraße oder die Ruine des weltweit ersten Tempels des Reformjudentums in der Hamburger Neustadt. Jüdische Lebenswelten wurden in den einst selbstständigen Städten Altona und Hamburg durch unterschiedliche Gesetzgebungen bestimmt, wobei Altonas Generalprivileg den Jüdinnen und Juden bereits 1641 weitreichende Rechte wie Religionsausübung, Handelsfreiheit und Selbstverwaltung zusicherte. In Hamburg ist die jüdische Geschichte vom Ringen um Selbstbehauptung und vom Kampf um Bürgerrechte geprägt, aber auch von der Bedeutung des Hafens und dem damit verbundenen Handel für das Leben der Hamburger Jüdinnen und Juden. Das Wirken historischer Persönlichkeiten wie Salomon Heine oder Albert Ballin steht exemplarisch für die wichtige Rolle jüdischer Akteure und Akteurinnen in entscheidenden Phasen der Stadtentwicklung.

Im Zentrum des neu eröffneten Projektraums im Altonaer Museum stehen 14 ausgewählte Daten aus der Zeit zwischen 1611 und 2020, die gemeinsam mit dem Institut für die Geschichte der deutschen Juden (IGdJ), der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte sowie der Israelitischen Töchterschule erarbeitet wurden. Sie stehen für prägende Momente aus der Geschichte jüdischen Lebens in Hamburg: von der Gründung des sephardisch-aschkenasischen Friedhofs in Altona über die Entstehung des Reformjudentums zu Beginn des 19. Jahrhunderts bis hin zur Auszeichnung Hannah Arendts mit dem Lessing-Preis und den Diskussionen über den Wiederaufbau der von den Nationalsozialisten während der Novemberpogrome 1938 beschädigten und 1939 abgerissenen Bornplatzsynagoge.

Die 14 Wegmarken jüdischer Geschichte wollen die Vielfalt der jüdischen Gemeinschaften in Hamburg und die jahrhundertealte Pluralität jüdischen Lebens zeigen und zugleich aktuelle Perspektiven wie Migration, Inklusion und Diversität aufgreifen. Ausgestellte Objekte sind u.a. das Modell der 1788 erbauten Synagoge in der Elbstraße, eine Löwenskulptur vom Brunnen des jüdischen Friedhofs in Altona, Erinnerungsmedaillen an das Israelitische Krankenhaus sowie von den Nationalsozialisten geraubte Silberobjekte. Vier Hörstationen erzählen exemplarische Objektbiografien und thematisieren die komplexen Wege, auf denen diese Objekte in Museumsbestände gelangten und welche Fragen nach Eigentum, Verantwortung und historischer Aufarbeitung an sie gestellt werden müssen. Ein digitaler Stadtplan des IGdJ zeigt abschließend, an welchen Orten jüdisches Leben in Hamburg heute zu erleben ist.

Ab 5. November 2026 wird als weiterer Schritt in der Diskussion über die inhaltliche Ausrichtung eines Jüdischen Museums in Hamburg eine große Sonderausstellung im Altonaer Museum die Themen und Ergebnisse des Projektraums vertiefen und sich umfangreich mit Fragen zu jüdischen Identitäten und der Diversität unterschiedlicher jüdischer Gemeinschaften, Generationen, Erfahrungen und Herkünfte auseinandersetzen.