Fast 300 Leuchtstoffröhren im Bahnhof Altona sind kaputt. Die ehrenamtlichen Aktivisten der Initiative Prellbock Altona e.V. haben sich die Mühe gemacht, jeden einzelnen defekten Strahler zu erfassen. Auf den Fernbahnsteigen 5 bis 12 leuchten über 52 Röhren nicht mehr. Im Eingangsbereich auf Straßenniveau sind es 91, auf der B-Ebene im ersten Untergeschoss sogar 118. Auch die S-Bahnsteige kommen nicht ungeschoren davon: Dort fehlt an 33 Stellen das Licht. Michael Jung, Sprecher der Initiative, macht keinen Hehl aus seiner Verärgerung: „Das ist keine Kleinigkeit. Eine ordentliche Beleuchtung gehört zum Sicherheitsgefühl der Fahrgäste dazu.“
Die Frage, wer überhaupt zuständig ist, entpuppt sich als wahres Zuständigkeitskarussell. Die DB InfraGO AG, die Sprinkenhof GmbH oder das Bezirksamt Altona – jeder schiebt den schwarzen Peter gerne weiter. Dabei ist der Bahnhof derzeit so gut frequentiert wie lange nicht. Die IC-Züge nach Kopenhagen und Prag starten und enden hier, der letzte Autoreisezug fuhr erst am vergangenen Samstag um 21.40 Uhr. Viele Menschen, auch Touristen aus aller Welt, passieren diesen Knotenpunkt – und das nicht nur bei Tageslicht.
Die Initiative Prellbock Altona mahnt seit Jahren an. Erst nach mehrfachem Druck hat die DB InfraGO AG Hamburg überhaupt reagiert – und dann auch nur die kaputten Leuchten über den Rolltreppen getauscht. Der Rest bleibt dunkel. „Wir können nicht glauben, dass Finanznot der Grund für diese Vernachlässigung sein kann“, sagt Jung. Dabei haben sich Senat, Deutsche Bahn und der VCD-Nord im Gerichtsvergleich vom 20. April 2020 verpflichtet, den Bahnhof Altona bis zur Inbetriebnahme des neuen Fern- und Regionalbahnhofs Diebsteich vollständig in Betrieb zu halten. Doch der neue Bahnhof wird frühestens Anfang der 2030er Jahre kommen, von einem Gebäude mit „großstädtischer Anmutung“ ganz zu schweigen.
Lose von der Decke hängende Kabel, seit Monaten nicht beseitigte Stolperfallen im Bodenbelag der B-Ebene oder die regelmäßig ausfallenden Rolltreppen – Bahnreisende müssen seit Jahren mit Provisorien leben. Foto: Prellbock Altona
Prellbock Altona fordert deshalb, das Augenmerk endlich auf den Bestandsbahnhof zu richten. Statt weiterer wertvolle Infrastruktur am Diebsteich zu zerstören – wie das geplante Überwerfungsbauwerk Langenfelde oder die denkmalwürdige Eisenbahnbrücke an der Plöner Straße – sollten alle Kräfte in die Sanierung und Modernisierung des bestehenden Bahnhofs Altona fließen. Ein eigenverantwortliches Team aus Vertretern des Bezirks, der Sprinkenhof GmbH und der DB InfraGO sollte sich um die tägliche Instandhaltung kümmern.
Jung spielt dabei auch auf die jüngsten Entwicklungen bei der Bahn an. In Leipzig hat die DB kürzlich das Bahnhofsgebäude von einem Investmentfonds zurückgekauft – ein klares Zeichen, dass geldgierige Privatinvestoren dem Image eines Bahnhofs schaden können. „Hamburg kann sich keinen weiteren Schmuddelbahnhof leisten“, warnt der Sprecher. Vorbilder müssten Bahnhöfe wie in Kopenhagen, Amsterdam, Paris oder eben Leipzig sein. Stattdessen werde mit blumigen Architekturwettbewerben für den Diebsteich von den maroden Zuständen in Altona abgelenkt.
Die bunten Blütenträume des Senats werden sich ohnehin nicht vor 2035 realisieren lassen, vermutlich angesichts der fortschreitenden Finanzkrise überhaupt nie, meint Jung. Umso mehr sei es das Gebot der Stunde, die Bestandsanlagen zu reparieren und ordentlich zu pflegen. Und das fange beim zeitnahen Auswechseln defekter Lampen an.




















