Ich habe Finn in einem Vier-Augen-Gespräch gesagt, in welche Räume er gehen soll – und er hat es optimal umgesetzt.“ So erklärte Trainer Ramon Sagebiel, weshalb bei Finn Karstedt „der Knoten platzte“ und der junge Stürmer, der im Sommer vom Kreisligisten SV Eidelstedt an den Sülldorfer Kirchenweg gekommen war, von Mitte Oktober bis Mitte November in vier Punktspielen in Folge für die Blankeneser traf.

Den richtigen Ton trifft Sagebiel offenbar nicht nur bei Karstedt, sondern insgesamt. So so sind die SVB-Kicker auf einem guten Weg, den Fehlstart, den sie noch unter Ex-Coach Daouda Diarrassouba – drei der ersten vier Saisonspiele gingen verloren – hingelegt hatten, zu korrigieren. Unglaublich, aber wahr: Mit Sagebiel als Chefcoach ist das Team mit drei Siegen und vier Unentschieden noch ungeschlagen.

Die drei Niederlagen nach Diarrassoubas Rücktritt verpasste Sagebiel, weil er in einem lange geplanten und gebuchten Portugal-Urlaub weilte. „Natürlich ist es mir schwer gefallen, in dieser Zeit nicht für die Mannschaft da sein zu können“, sagte Sagebiel, für den die Zeit am Mittelmeer aber auch wichtig war: „Nach dem Urlaub war ich der Ruhepol, den die Spieler gebraucht haben.“

Im März 2022 war Sagebiel, nach dem Rücktritt von Andrew Langenbacher, nach mehreren Jahren als Co-Trainer erstmals SVB-Chefcoach geworden. In der Saison 2023/2024 führte er das Team mit seinem Trainerpartner Matthias Timm zur Kreisliga-Meisterschaft und zur Rückkehr in die Bezirksliga, ehe Timm sich verabschiedete. Im Herbst 2024 erklärte dann auch Sagebiel, kürzertreten zu wollen, woraufhin SVB-Fußball-Abteilungsleiter Marc Zippel einen neuen Coach suchte und mit Diarrassouba fand.

„Ich habe acht Monate Luft geholt, war aber nie ganz weg“, betonte Sagebiel mit Verweis auf seine Co-Trainer-Tätigkeit. Weil er „hauptberuflich auf der Geschäftsstelle arbeitet“ und „einfach an diesem Verein hängt“, musste Sagebiel auch nicht lange überlegen, als Marc Zippel ihn nach Diarrassoubas Rücktritt fragte, ob er wieder in die erste Reihe treten wolle. „Ich hätte sowieso nicht ‚Nein‘ sagen können, weil mein Schwiegervater hier Sponsor ist“, fügte Sagebiel lachend hinzu.
Ernst wird der Ur-Blankeneser, wenn er auf die Tabelle schaut. Dass die SVB-Kicker schon zweimal, nämlich nach dem zweiten und nach dem zehnten Spieltag, als Drittletzter auf einem Abstiegskampf standen, begründete Sagebiel „vornehmlich mit Verletzungspech“. Sorgen, dass bis zum Saisonende umd en Klassenerhalt gezittert werden muss, macht sich der Übungsleiter nicht: „Ich habe sehr viel Vertrauen in diese Mannschaft und bin fest davon überzeugt, dass wir schnell aus dem Tabellenkeller herauskommen werden.“

Wertvoll war diesbezüglich der 6:4 (2:0)-Sieg, der am vorletzten Hinrunden-Spieltag gegen den direkten Konkurrenten SV Lieth eingefahren wurde. Marc Zippel hatte vor dem Anpfiff „ein ungutes Gefühl“ beschlichen, weil die Gäste mit Guido Krenzk – hatte im Juli noch Gespräche mit dem Kreisligisten Rissener SV geführt – zuvor einen neuen Coach verpflichtet hatten. Doch diesem Umstand und dem Umzug auf den Kunstrasenplatz an der Simrockstraße zum Trotz gab es bei Starkregen einen wertvollen Heimsieg.

Eine bestimmte Platzierung wurde an der Waldesruh „ganz bewusst nicht als Ziel ausgegeben“, so Sagebiel. „Das zweite Jahr nach dem Aufstieg ist bekanntlich immer das schwerste, zumal wir im Sommer einen größeren Umbruch vollzogen haben“, warnte der Coach vor zu hohen Erwartungen. Insgesamt gehören 15 Neuzugänge dem Kader an, von denen 13 laut Sagebiel zwischen 18 und 20 Jahren alt sind. Nun hoffen alle Blankeneser, dass sich von diesen Talenten weitere so prächtig entwickeln wie Karstedt.