Den Anlass für diese Beobachtung liefert eine Schriftliche Kleine Anfrage, die die CDU-Bezirksabgeordnete Dr. Ulrike von Criegern an das Bezirksamt gerichtet und veröffentlicht hat. Ratten seien unhygienisch, verbreiteten Leptospirose, Hantaviren, Salmonellen und Ektoparasiten, verteilten Kot und Urin, deren Geruch sich festsetze, warnt von Criegern. Ihre Laufspuren hinterließen fettige Schlieren, ihre Nester zögen weiteres Ungeziefer an, und ihr Nagebetrieb mache auch vor Kabeln, Rohren und Dämmungen nicht halt. Ein Befund, den die Bezirkspolitikerin in ihrer Anfrage unmissverständlich einordnet: Für ein öffentliches Gebäude mit viel Publikumsverkehr sei dieser Zustand nicht akzeptabel.

Die Lage des Hauses tut das Ihrige dazu. Zwischen Hafen und Altonaer Bahnhof gelegen, hat das Schmuckstück seit jeher mit dem zu kämpfen, was Müll, Wege und Grünanlagen an Zulauf mit sich bringen. Und mittendrin, im Souterrain, betreibt die LUX-Kantine ihre Küche. Dass Küchengerüche und Lebensmittelreste Ratten anziehen, liegt in der Natur der Sache – der Blick auf die Kantine ist also naheliegend, wenn sich die Tiere von den Parkplätzen an der Betty-Levy-Passage aus in Bewegung setzen. Genau diesen Weg beschreibt von Criegern: gesehen hat sie die Nager vor dem Rathaus und auf der Seite der Stellplätze, nicht im Gebäude selbst. Ihre Sorge gilt dem nächsten Schritt. Sie befürchtet, dass die Tiere einen Zugang ins Innere finden und dabei zuerst die im Souterrain gelegene Kantine ansteuern, die durch die Gerüche aus der Küche wie ein Magnet wirken könnte.

Zwischenzeitlich hatte das Bezirksamt die Rhododendren vor dem Haus drastisch zurückschneiden lassen – die Hoffnung, den Tieren damit ihren Unterschlupf zu nehmen, hat sich nicht erfüllt. Nach wie vor lässt sich das Rattenvolk in der Dämmerung in Gruppen beobachten, und die Frage, warum das so bleibt, hat durchaus System: Ein nachts ruhig liegendes Verwaltungsgebäude bietet, was Ratten suchen – Futter, Wärme, Ruhe und mehrere Eingänge, über die man hineinkommt.

Nach eigener Auskunft weiß die Verwaltung des Altonaer Rathauses nichts von Ratten im Gebäude. Auch die Betreiber der Kantine weisen das Problem von sich.

Von Criegern erwartet dennoch, dass Verwaltung und Sprinkenhof GmbH als Eigentümerin die Situation weiter beobachten und gegebenenfalls Gegenmaßnahmen einleiten, um das öffentliche Gebäude von Ratten freizuhalten. In Hamburg ist die Zuständigkeit dafür klar geregelt: Auf öffentlichem Grund ist das Institut für Hygiene und Umwelt zuständig, das Rattenbefall unter der Nummer 040-42845-7972 entgegennimmt. Für Privateigentum muss der Eigentümer unverzüglich eine Bekämpfung veranlassen, und die städtische Verordnung über Rattenbekämpfung verlangt, dass das Auftreten von Ratten unverzüglich angezeigt wird. Für ein Rathaus, das an einem der bekannten Schwerpunkte der Stadt liegt, gibt es an dieser Stelle also keinen Graubereich – es gibt nur die Pflicht, hinzuschauen.