Ein Hausmeister entdeckte die Schmierereien am frühen Freitagmorgen. Nach Angaben der Polizei waren die Gebäude zwischen 23 Uhr am Donnerstag und 5.30 Uhr am Freitag besprüht worden – großflächig, aber an schlecht einsehbaren Stellen, die offenbar gezielt ausgewählt wurden. Der Mann fotografierte den Zustand, sicherte die Bilder und beauftragte umgehend eine Reinigungsfirma. Die Schulleitung erstattete Strafanzeige; inzwischen hat der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen, weil hinter den Parolen eine politische Motivation vermutet wird. Mittlerweile sind die Flächen gereinigt. Zu sehen sind Hakenkreuze, nationalsozialistische und antisemitische Parolen – Hass gegen Juden, in Lack gesprüht, an einer Schule.

Ein Ort, der sich gerade erst positioniert hatte

Der Zeitpunkt wiegt schwer. Am 6. Oktober, dem Dienstag zuvor, hatte das Gymnasium mit einem Auftaktfest in der fünften und sechsten Stunde die Aufnahme in das Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ gefeiert (DorfStadt berichtete). Die Patenschaft hatte der Hamburger Musiker Jan Delay übernommen. Die Schule schrieb damals auf ihrer Internetseite, der Titel sei für sie mehr als eine Auszeichnung, gegen Rassismus zu sein sei selbstverständlich. Drei Tage später, in der Nacht auf den 9. Oktober, hängen die Hakenkreuze an den Wänden.

Schulleiter Thomas Weiss hat die Tat im Gespräch mit NDR 90,3 verurteilt und deutlich gemacht, dass sie nicht für den Stadtteil steht. Die Schule stehe mit der Beratungsstelle Menschenrechts- und Demokratiefeindlichkeit im Austausch, sagte er, und werde die Themen Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit im Unterricht verstärkt aufgreifen. Die Verantwortlichen lassen also nicht nur reinigen, sie wollen auch reden – im Unterricht, mit den Schülern, über das, was da passiert ist.

Rückendeckung aus Politik und Verwaltung

Die Reaktionen reichen bis in den Senat. Schulsenatorin Ksenija Bekeris (SPD) nannte den Vorfall besorgniserregend und verwies auf die Anzeige der Schule. Hamburgs Antisemitismusbeauftragte Anna von Villiez verurteilte die Tat ebenfalls. Auch die CDU-Bezirksfraktion Altona meldete sich zu Wort. Die Bezirksabgeordnete Gabriele von Stritzky, Sprecherin im Ausschuss für Soziales, Gleichstellung, Senioren, Geflüchtete und Gesundheit sowie im Jugendhilfeausschuss, sprach von einem Schock für den ganzen Bezirk. Gerade an einer Schule, die ein sicherer Ort und ein Ort der freien Entwicklung sein solle, seien solche Taten im weltoffenen Altona besonders erschütternd. Man stehe an der Seite der gesamten Schulgemeinschaft, forderte konsequente Aufklärung und die strafrechtliche Verfolgung der Verantwortlichen. Rechtsradikaler und verfassungsfeindlicher Ideologie dürfe kein Raum zukommen – weder auf Schulhöfen noch sonst irgendwo in Altona.

Wer die Parolen in der Nacht zum 9. Oktober an die Wände gesprüht hat, ist bislang unbekannt. Die Polizei hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung, gerade aus dem Umfeld des weitläufigen Geländes an der Walderseestraße, das sich schlecht vollständig überblicken lässt. Der Staatsschutz prüft, ob es sich um eine Einzeltat handelt oder ob ein Zusammenhang mit anderen Vorfällen besteht – erst in diesem Jahr waren in Poppenbüttel mehr als hundert Hakenkreuze an einer Grundschule aufgetaucht, auch ein Reederei-Gebäude und das Büro einer der SPD in der Max-Brauer-Allee wurden beschmiert.

Der Gymnasialleiter Weiss will den Vorfall nicht als Bild für Othmarschen stehen lassen. Die Aufnahme in das Courage-Netzwerk, die die Schule soeben gefeiert hat, wird davon nicht kleiner. Sie ist jetzt nur dringlicher geworden – und der Lack an der Wand war nicht das Ende der Auseinandersetzung, sondern ihr Anfang.