Exklusiv Altona (16. September 2026, Konrad Matzen) – Manche Hindernisse sind nur acht Zentimeter hoch. Andere haben die Form einer App, eines Wartezimmers oder einer Treppe ohne Alternative. Am Ende dieses Monats sitzen im Rathaus Altona Leute an Tischen, die genau davon erzählen sollen – und diesmal soll etwas dabei herauskommen.

„Barrierefrei leben in Altona“ heißt das Motto, unter dem der Bezirks-Senior*innenbeirat am Montag, 28. September, von 14 bis 18 Uhr in den Kollegiensaal einlädt. Ein Motto, das auf dem Papier harmlos klingt und in der Praxis eine Zumutung ist: Denn Barrierefreiheit wird gern als Rampenfrage behandelt, obwohl sie längst eine Frage danach ist, wer im eigenen Stadtteil noch mitkommt. Der abgesenkte Bordstein, der nicht abgesenkt ist. Die Arztpraxis, die eine Terminvergabe nur noch online anbietet. Der Bus, in dem niemand aufsteht. Das sind keine Einzelfälle, sondern eine Summe – und Summen bemerkt man erst, wenn man sie zusammenträgt.

Genau das ist die Idee des Nachmittags. Statt Podium und Mikrofon setzt der Beirat auf das „World Café“, jenes Format, bei dem an mehreren Thementischen gesprochen und gewechselt wird, bis jeder überall war. Sechs Tische gibt es: Kommunikation und digitale Welt, Chancengleichheit und Teilhabe, Mobilität und öffentlicher Raum, medizinische Versorgung und Pflege, Wohnen, schließlich Kultur und Erholung. Das ist bewusst breit angelegt, denn das Prinzip dahinter ist, dass Barrieren nicht in Zuständigkeitsbereichen auftreten, sondern im Tagesverlauf eines Menschen. Wer morgens nicht zum Arzt kommt, geht abends auch nicht ins Theater.

Der Beirat, der das organisiert arbeitet ehrenamtlich, versteht die Förderung von Teilhabe und Mitwirkung der älteren Generation als seine wichtigste Aufgabe und bietet im Bezirk Beratung an – auch für die, die ihre Anliegen lieber telefonisch oder schriftlich vorbringen als in einem Saal. Seniorentage mit einem „Markt der Möglichkeiten“ hat der Beirat im Altonaer Rathaus schon vor über zehn Jahren veranstaltet, gemeinsam mit dem Bezirksamt. Insofern kennt man in Altona die Choreografie – und weiß auch, wo solche Nachmittage sonst enden: in einem freundlichen Protokoll.

Dagegen setzt der diesjährige Termin auf einen Mechanismus, der ungewöhnlich konkret ist. Was an den Tischen zusammenkommt – Alltagsbeispiele, Ansätze, die funktionieren, und vor allem Veränderungswünsche – wird nicht archiviert, sondern direkt an Politik und Verwaltung übergeben. Die Adressaten sitzen mit am Tisch: Kommunalpolitiker sind eingeladen, nicht als Grußwortredner, sondern als Zuhörer im Wechsel. Wer eine Barriere beschreibt, spricht also möglicherweise zu jemandem, der sie abbauen könnte. Das ist die interessanteste Konstruktion des Tages, und sie birgt ein Risiko, das der Beirat offenbar eingeht: Der Nachmittag ist ausdrücklich nicht dazu gedacht, nur Erfolge zu präsentieren. Von deutlichen Einschränkungen ist in der Ankündigung die Rede – ein Satz, den man aus bezirklichen Einladungen selten liest.

Das Rathaus als Ort passt dabei besser, als es zunächst scheint. Der Bau war einmal ein Bahnhof, ehe er Verwaltungssitz wurde, und Altona verhandelt in ihm seit Generationen seine eigenen Fragen. Ein Gebäude, das schon zweimal seinen Zweck gewechselt hat, ist vielleicht der richtige Rahmen für die Frage, wie wandlungsfähig ein Bezirk ist.

Musik und Erfrischungen gibt es auch, und man sollte das nicht als Beigabe abtun. Wer über Isolation reden will, braucht einen Raum, in dem Leute bleiben. Eine Anmeldung ist erwünscht, der Eintritt ist frei. Die vier Stunden lassen sich teilen – wer am 28. September nachmittags nichts vorhat, kann in den Kollegiensaal am Platz der Republik gehen und einen Satz sagen, der es in ein Protokoll schafft, das diesmal ankommt!

 


Senior*innentag 2026

Montag, 28. September 2026, 14 – 18 Uhr Rathaus Altona, Kollegiensaal
Platz der Republik 1
Mit dem Markt der Möglichkeiten
Anmeldung:
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Tel. 040 - 428 11 - 2336