Punkt 12 Uhr fassten sich die Teilnehmer an den Händen. Zwischen parkenden Fahrrädern, Transparenten und vereinzelten Polizeifahrzeugen bildeten sie ein geschlossenes Band entlang der traditionsreichen Magistrale im Hamburger Westen. Die Botschaft war eindeutig: Die Bürger verlangen nachvollziehbare Informationen über Ablauf, Dauer und konkrete Auswirkungen der Bauarbeiten, die nach derzeitiger Planung bis 2030 andauern sollen.

Kritik an veränderter Planung

Zwar gab es in den vergangenen Jahren mehrere Beteiligungsformate. Doch die Planung hat sich im Laufe der letzten Monate verändert. Konkrete Antworten auf drängende Fragen zur künftigen Gestaltung der Elbchaussee seien bislang ausgeblieben, kritisieren Anwohner.

Vielen fehlt Klarheit darüber, wie der Verkehr während der Bauphase organisiert werden soll. Wie gelangen Pendler ohne „täglichen Verkehrsinfarkt“ in die Innenstadt und zurück? Wo können Lieferdienste halten? Wo finden Pflegedienste und Handwerker Parkmöglichkeiten? Und wie wird die sichere Querung der Elbchaussee für Fußgänger gewährleistet?

Zudem wollen die Anwohner erreichen, dass Verkehrsteilnehmer gerecht über die Elbchaussee geführt werden, egal, ob es sich um Fußgänger, Fahrrad- oder Autofahrer handelt. Die Initiatoren der Intitiative Rettet die Elbchaussee kritisieren, dass Parkplätze „vernichtet werden“, die für Besucher der Strandgastronomie und Touristen, die am Elbstrand entspannen möchten, dringend gebraucht werden. Anwohner befürchten zusätzlichen Parkdruck durch wegfallende Parkplätze entlang der Elbchaussee in den Wohnstraßen nebenan.

Die Fragen der Initiative seien auch im Mobilitätsausschuss der Bezirksversammlung Altona Anfang Februar nicht beantwortet worden, heißt es aus dem Kreis der Initiatoren. Vertreter des Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer Hamburg hätten zwar referiert, konkrete Zusagen oder belastbare Pläne seien jedoch nicht vorgelegt worden.

Die Demonstranten verstehen ihren Protest als „Zeichen für Verkehrsfrieden“ und als Bekenntnis zur demokratischen Mitbestimmung. Man wolle nicht grundsätzlich gegen eine Modernisierung der Elbchaussee auftreten, sondern fordere eine transparente Kommunikation und belastbare Konzepte.

Ein Zitat eines LSBG-Referenten sorgt in diesem Zusammenhang für besondere Empörung. „Verkehrsplanung ist kein demokratischer Prozess“, soll dieser gesagt haben. Für viele Anwohner ist diese Aussage symptomatisch für ein aus ihrer Sicht defizitäres Verständnis von Bürgerbeteiligung.

Bereits im Vorfeld der Demonstration hatten die Organisatoren an mehreren Terminen Infostände in der Waitzstraße eingerichtet, um Anregungen und konkrete Vorschläge aus der Nachbarschaft zu sammeln. Ziel sei es, eigene konstruktive Ideen in den weiteren Planungsprozess einzubringen.

Die Menschenkette verlief ohne Zwischenfälle. Polizei und Versammlungsleitung sprachen von einem ruhigen Ablauf.

Ob der Protest Wirkung zeigt, bleibt abzuwarten. Die Teilnehmer machten jedoch deutlich, dass sie den Dialog suchen – und erwarten, dass ihre Fragen zeitnah und nachvollziehbar beantwortet werden. Für sie steht fest: Die Elbchaussee ist nicht nur Verkehrsachse, sondern Lebensraum. Und über dessen Zukunft wollen sie mitreden.