Elbvororte (29. Oktober 2026, Markus Krohn): Eine Ausbildung im Handwerk lohnt sich: Nicht nur für die Handwerksbetriebe oder Auszubildenden, sondern auch für ihre Kunden, denn Handwerk hat auch in Zeiten von Künstlicher Intelligenz Zukunft und wir brauchen diese Menschen auf und unter den Straßen, in und am Haus und vieles mehr. Einige der jungen Leute haben schon in ihren ersten Berufsjahren Besonderes geleistet.
Der Große Saal der Handwerkskammer am Holstenwall ist am Montag Schauplatz der traditionellen Landessiegerehrung. Die 83 jungen Handwerkerinnen und Handwerker haben ihre Gesellenprüfung im Jahr 2025 abgeschlossen – mit Ergebnissen, die in ihrem jeweiligen Gewerk hamburgweit die Spitze bedeuten. Damit dürfen sie den Titel Landessieger in der Deutschen Meisterschaft im Handwerk tragen, dem Leistungswettbewerb, der in diesem Jahr sein 75. Jubiläum begeht und unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten steht.
Die Stadt schaut zu. Handwerkskammerpräsident Hjalmar Stemmann und Bildungssenatorin Ksenija Bekeris begrüßen den Nachwuchs und dessen Gäste um 17 Uhr, bevor Stemmann im Gespräch mit zwei Jungmeistern auslotet, wie der Weg zum Meisterbrief nach der Gesellenzeit aussieht – ein Schritt, den viele der Geehrten schon im Kopf haben dürften. Danach werden die Urkunden übergeben, es folgen Gruppenfotos und ein Get-together im Foyer, bei dem sich zeigt, wie eng die Kreise im Hamburger Handwerk sind: Ausbilder, Betriebsinhaber und Eltern kennen sich, und nicht selten hat der eine oder andere Landessieger seine erste Ausbildung im Betrieb des Nachbarn begonnen.
Ganz ohne Stolz geht es dabei nicht ab, denn der Wettbewerb gilt als Gradmesser dafür, wie ernst die Stadt ihre jungen Fachkräfte nimmt. Dass aus den Elbvororten regelmäßig Teilnehmer dabei sind, hat auch mit der Struktur der Betriebe dort zu tun: Zwischen Nienstedten, Othmarschen und Blankenese arbeiten Handwerker für eine Kundschaft, die genau hinsieht – und in den Werkstätten der Region wächst seit Jahren ein Nachwuchs heran, der diesem Anspruch standhält.
Der Titel ist mehr als eine Auszeichnung fürs Regal. Wer bei der Landessiegerehrung aufgerufen wird, gehört zu den besten Prüfungsabsolventen seines Gewerks und qualifiziert sich damit für die nächste Stufe: Auf Bundesebene treten die Landessieger aus ganz Deutschland gegeneinander an, im Frühjahr werden die Bundessieger aus Hamburger Ausbildungsbetrieben traditionell mit einem Senatsempfang im Rathaus geehrt. In einigen Berufen führt der Weg von dort sogar weiter zu den Berufsweltmeisterschaften. Für die Betriebe sind die Namen auf der Liste zugleich ein Argument in eigener Sache: In Zeiten, in denen im Handwerk rechnerisch rund 100.000 Stellen unbesetzt bleiben, wirbt kaum etwas so gut wie ein Geselle, der es an die Spitze geschafft hat.
Für die Geehrten selbst beginnt nach dem Applaus der Alltag, nur mit einem anderen Vorzeichen. Manche gehen direkt in die Meisterschule, andere sammeln erst Jahre auf der Baustelle und im Kundenkontakt, ehe sie den Meisterbrief anstreben – der Weg ist frei, und die Aufforderung, den nächsten Schritt zu wagen, dürfte an diesem Abend mehr als einmal ausgesprochen werden. Am Holstenwall jedenfalls wird am Montag sichtbar, was in den Werkstätten der Stadt täglich entsteht und selten große Bühnen bekommt.



















