Der Bahnhof Altona bietet dieser Tage ein ungewohntes Bild. Wo sonst in den Hamburger Schulferien Familien mit Koffern und Rucksäcken in ICE und Regionalzüge steigen, herrscht Anfang März eine fast gespenstische Ruhe. Viele Anzeigetafeln bleiben dunkel, Imbissstände schließen früh, und selbst am Fahrkartenschalter ist kaum Betrieb.
Grund dafür sind umfangreiche Bauarbeiten an der sogenannten Verbindungsbahn zwischen Hamburg-Hauptbahnhof und Altona. Die Deutsche Bahn lässt mehrere Eisenbahnbrücken – unter anderem an der Schanzenstraße, der Sternbrücke und der Holstenstraße – erneuern. Während der Arbeiten sind wichtige Gleise für den Fern- und Regionalverkehr gesperrt.
Die Folgen spüren vor allem Pendler aus Schleswig-Holstein. Regionalzüge der Linien RE6, RE7 und RE70 können zeitweise nicht mehr bis Hamburg fahren. Sie enden bereits in Pinneberg, wo Reisende in die S-Bahn der Linie S3 umsteigen müssen.
Für viele bedeutet das eine deutliche Verlängerung der Reisezeit. Während eine Fahrt von Elmshorn zum Hamburger Hauptbahnhof normalerweise rund 27 Minuten dauert, kann sie mit Umstieg in Pinneberg inzwischen mehr als 50 Minuten in Anspruch nehmen. Pendler berichten zudem von vollen S-Bahnen und einem deutlich geringeren Komfort gegenüber den Regionalzügen.
Kritik kommt unter anderem vom Verein „Prellbock Altona“, der sich seit Jahren gegen die geplante Verlegung des Fernbahnhofs nach Diebsteich engagiert. Sprecher Michael Jung nennt das derzeitige Baustellenmanagement „eine Katastrophe“. Die Planungen würden kaum Rücksicht auf die Bedürfnisse der Fahrgäste nehmen.
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Auch der frühere Betriebsdirektor des Bahnhofs Altona, Eberhard Happe, hält die derzeitige Lösung für schwer nachvollziehbar. Wenn die Regionalzüge ohnehin nicht bis zum Hauptbahnhof fahren könnten, wäre ein Endhalt in Altona für viele Fahrgäste deutlich praktischer. Der Umstieg in die S-Bahn sei dort einfacher, schneller und komfortabler.
Die Deutsche Bahn weist die Kritik zurück und verweist auf die Notwendigkeit der Bauarbeiten. Sie seien Teil einer umfassenden Modernisierung der Infrastruktur im Knoten Hamburg und würden bewusst in die verkehrsärmere Ferienzeit gelegt, um die Auswirkungen möglichst gering zu halten. Dennoch komme es vorübergehend zu Einschränkungen im Fern-, Nah- und S-Bahnverkehr.
Die derzeitige Situation dürfte nicht die letzte Belastungsprobe für Fahrgäste bleiben. Weitere Sperrungen und Bauarbeiten im Hamburger Bahnnetz sind bereits angekündigt. Für viele Pendler bleibt deshalb die Sorge, dass der aktuelle Umweg über Pinneberg nur ein Vorgeschmack auf die Verkehrsverhältnisse der kommenden Jahre sein könnte.






















