Der Bezirk Altona gilt als Vorreiter beim sogenannten „Abpflastern“. Beim ersten hamburgweiten Wettbewerb der Umweltbehörde (BUKEA) wurden 2025 nach offiziellen Angaben insgesamt 4.206 Quadratmeter Fläche im Bezirk entsiegelt – so viel wie in keinem anderen Hamburger Bezirk. Dafür erhielt Altona den „Goldenen Spaten“, während Altona-Altstadt mit der „Goldenen Gießkanne“ als erfolgreichster Stadtteil ausgezeichnet wurde. Ziel der Aktion ist es, versiegelte Flächen aufzubrechen und wieder zu begrünen. Dadurch kann Regenwasser besser versickern, Hitzeinseln werden reduziert und neuer Lebensraum für Pflanzen und Tiere geschaffen.

Doch die Freude über die Auszeichnungen wird inzwischen von deutlicher Kritik überschattet. Die Bürgerschaftsfraktion Die Linke verweist auf eine Senatsantwort auf ihre Anfrage (Drs. 23/4447), die nach ihrer Auffassung erhebliche Defizite offenlegt. Demnach wurden hamburgweit lediglich zehn von mehr als 2.200 Vorschlägen für Entsiegelungen auf öffentlichen Flächen tatsächlich umgesetzt. Zudem stehen den Bezirken nach Angaben des Senats keine gesonderten Finanzmittel für öffentliche Entsiegelungsmaßnahmen zur Verfügung. Auch könne nicht garantiert werden, dass einmal entsiegelte Flächen später nicht erneut versiegelt werden. Wie viele Flächen gleichzeitig durch Bauvorhaben neu versiegelt wurden, konnte der Senat ebenfalls nicht beziffern.

Besonders deutlich werde das nach Auffassung der Linken im Trinitatisquartier in Altona-Altstadt. Dort seien zwar Flächen entsiegelt worden, gleichzeitig seien an anderer Stelle neue versiegelte Bereiche entstanden. Nach Angaben der Fraktion gingen dabei Grünflächen und Bäume verloren. Bereits 2024 habe das Bezirksamt acht kleinere öffentliche Flächen identifiziert, die sich für eine Entsiegelung eignen würden. Ein Antrag der Linken im Klimaausschuss sollte die Umsetzung beschleunigen und zusätzliche Mittel bereitstellen. Die bewilligten Gelder reichten jedoch nicht aus, sodass die Maßnahmen bis heute nicht umgesetzt wurden.

Für die klimapolitische Sprecherin der Fraktion, Heike Schoon, sind die Preise deshalb wenig wert. „Symbolpolitik & Greenwashing-Preise helfen uns nicht! Eine konsequent umgesetzte öffentliche Flächenentsiegelung als eine wichtige von mehreren Hitzeschutz-Maßnahmen ist in Altona mehr als überfällig“, erklärt sie.

Tatsächlich gewinnt das Thema angesichts steigender Temperaturen zunehmend an Bedeutung. Versiegelte Flächen speichern Wärme, verhindern die natürliche Versickerung von Regenwasser und verschärfen sowohl Hitzeperioden als auch die Folgen von Starkregen. Die Hamburger Umweltbehörde wirbt deshalb weiterhin für den Wettbewerb und möchte die im Premierenjahr entsiegelten 5.430 Quadratmeter künftig noch übertreffen. Experten sehen in der Entsiegelung einen wichtigen Baustein der Klimaanpassung – allerdings nur dann, wenn ihr dauerhaft konkrete Maßnahmen folgen.

Genau daran entzündet sich nun die politische Debatte in Altona. Während die Umweltbehörde den Wettbewerb als Ansporn für mehr Grün versteht, fordert die Opposition verbindliche Ziele, ausreichende Finanzmittel und die Zusicherung, dass entsiegelte Flächen langfristig erhalten bleiben. Denn Auszeichnungen allein sorgen weder für kühlere Straßen noch für mehr Stadtgrün.