Der Mechanismus ist so schlicht wie wirkungsvoll: Aus dem Förderfonds Bezirke erhalten die Bezirksversammlungen pro genehmigter Wohnung im jeweiligen Bezirksamtsbereich eine feste Summe, die sie für ihre eigene politische Arbeit verwenden dürfen. 350 Euro nennt die aktuelle Vertragsversion, in früheren Fassungen waren es 250 Euro, damals gedeckelt auf 1,5 Millionen Euro im Jahr und mit einer Kürzungsklausel, sobald mehr als 6000 Wohnungen genehmigt wurden. Ausgezahlt wird jeweils im Januar auf Basis der Planzahlen – wer sein Ziel verfehlt, muss zu viel Erhaltenes später zurückgeben. Für Altona bedeutet das eine Zielmarke von 1500 Wohneinheiten jährlich, die höchste im Bezirksvergleich nach Wandsbek. Bei voller Erfüllung flössen damit rund eine halbe Million Euro allein aus diesem Topf in die politische Arbeit des Bezirks.
Genau diese Rechnung macht den Streit über Tempo und Blockaden so aufgeladen. Die CDU-Bezirksfraktion unterstützt den Vertrag, hält ihn aber lediglich für einen Papiertiger, solange die Verfahren stocken. Sie fordert vom Senat zusätzliche Planstellen für die Bezirke und argumentiert, diese würden sich über Grunderwerbsteuer, Grundsteuer, Lohn- und Gewerbesteuer von selbst bezahlen. Zudem prangert sie an, dass konkrete Projekte durch zusätzliche Anforderungen ausgebremst würden – namentlich der Antrag der Linken, der unter Verweis auf den Klimaschutz den Bau von rund 2000 Wohnungen auf dem Holsten-Areal verzögern soll. Dort sollen nach Jahren des Stillstands etwa 2000 Wohnungen für 4700 Menschen entstehen, rund die Hälfte davon Sozialwohnungen, Studenten- und Auszubildenden-Apartments. Der Baustart ist für 2028 vorgesehen, die ersten Wohnungen sollen Ende 2030 fertig sein. Auch in Bahrenfeld 78 an der Leverkusenstraße mit etwa 110 Wohnungen und in Ottensen 60 rund um Friedensallee, Große Brunnenstraße, Behringstraße und Hohenzollernring mit etwa 100 Einheiten sieht die CDU den Fortgang gefährdet.
Die FDP-Fraktion stimmt der Fortschreibung ebenfalls zu, pocht aber auf einen anderen Maßstab. „In Baugenehmigungen kann niemand wohnen“, klagt Constantin Jebe, stellvertretender Fraktionsvorsitzender, und verweist auf mehr als 20.000 genehmigte Wohnungen, die Ende 2025 in Hamburg ausstanden – bei über 10.000 war noch nicht einmal mit dem Bau begonnen worden. Sein Vorschlag: verbindlichere Verfahren, gebündelte Rückmeldungen der Verwaltung, praktikablere Baustandards und mehr Tempo bei der Umwandlung geeigneter Büroflächen. Beide Fraktionen verlangen zudem, dass Wirtschafts-, Verkehrs- und Finanzbehörde sowie der Oberbaudirektor verbindlicher in den Vertrag eingebunden werden – denn sie gelten als die stillen Mitspieler, an denen Projekte hängen bleiben.
Der Blick auf die Zahlen ist ernüchternd: Hamburg überschritt im August die Marke von 150.550 Baugenehmigungen seit 2011 und liegt damit im Schnitt genau bei den angepeilten 10.000 pro Jahr. In den ersten acht Monaten dieses Jahres wurden 4891 Wohneinheiten genehmigt, 1540 mehr als im Vorjahreszeitraum – das Senatsziel von 10.000 dürfte dennoch verfehlt werden, zum dritten Mal in Folge. Zugleich brach die Zahl der tatsächlich fertiggestellten Wohnungen 2025 auf 5976 ein, ein Minus von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Bau-Turbo nach Paragraf 246e BauGB, seit Oktober 2025 in Kraft, brachte bis März 2026 immerhin 750 genehmigte Wohnungen, weitere 1100 waren in Prüfung.
Für Altona heißt das: Jede Wohnung, die nicht genehmigt wird, fehlt zweimal – als Zuhause und als Zuschuss für die Bezirkspolitik. Ob der neue Vertrag daran etwas ändert, entscheidet sich jedoch nicht am Unterschriftenblock, sondern an den Schreibtischen der Ämter, in denen die Akten liegen.



















