Auslöser für die Entscheidung waren erneut eskalierende Brunftkämpfe während des vergangenen Spätherbstes. Zwar handelt es sich dabei grundsätzlich um ein natürliches Verhalten männlicher Damhirsche, doch nach Angaben der zuständigen Wildpfleger überstiegen Intensität und Häufigkeit der Auseinandersetzungen deutlich das übliche Maß. Die Folge: schwere Verletzungen, der Tod eines Tieres sowie die notwendige Erlösung eines weiteren, bereits stark verletzten Hirsches nach veterinärmedizinischer Abwägung.

Doch nicht nur während der Brunftzeit sah das Bezirksamt die Situation als problematisch an. Der Hirschpark ist stark frequentiert, auch in den Abend- und Nachtstunden. Besucherströme, Lärm, unangeleinte Hunde und fehlende natürliche Rückzugsräume hätten über Jahre hinweg zu einer dauerhaften Stressbelastung der Tiere geführt. Trotz baulicher Anpassungen am Gehege habe sich gezeigt, dass die besonderen Bedingungen des innerstädtischen Parks einer dauerhaft tierschutzgerechten Haltung entgegenstehen.


Das Wohl der Tiere und der Tierschutz stehen für uns an oberster Stelle – auch wenn dies bedeutet, langjährige Traditionen zu hinterfragen" verteidigt Bezirksamtsleiter Dr. Sebastian Kloth  die Entscheidung ausdrücklich: "Wir haben nach den aktuellen Entwicklungen konsequent gehandelt, um den Damhirschen eine artgerechte und sichere Umgebung zu ermöglichen.“ Im Wildgehege Klövensteen sollen die Tiere künftig in einem größeren Herdenverbund mit Weibchen leben. Dadurch verlaufe das Sozialverhalten ruhiger, und Brunftkämpfe träten deutlich weniger aggressiv auf.

Politisch stößt das Vorgehen jedoch auf deutliche Kritik. Insbesondere die kurzfristige Umsetzung und die fehlende vorherige Einbindung der Bezirkspolitik sorgen für Unmut. Die FDP-Fraktion Altona wirft dem Bezirksamt mangelnde Transparenz vor. Eine parlamentarische Anfrage zum Thema sei unbeantwortet geblieben, während gleichzeitig per Pressemitteilung vollendete Tatsachen geschaffen worden seien.

Katarina Blume, Fraktionsvorsitzende der FDP-Fraktion Altona, spricht von einer inhaltlich wie politisch fragwürdigen Kehrtwende: „Gerade erst wurde die Rückkehr der Damhirsche in den Hirschpark öffentlichkeitswirksam gefeiert. Nun sollen dieselben Tiere plötzlich nicht mehr artgerecht zu halten sein – trotz erheblicher Umbauten und Investitionen. Dass diese Maßnahmen nun als wirkungslos dargestellt werden, wirft die Frage auf, ob hier nicht von Anfang an auf Zeit gespielt wurde.“ Der Verweis auf das Tierwohl wirke vor diesem Hintergrund vorgeschoben, so Blume weiter, zumal andere, stärker frequentierte Wildgehege weiterbetrieben würden.

„Wir unterstützen die Entscheidung des Bezirksamts, die nicht tierschutzgerechte Haltung des Damwilds im Hirschpark zu beenden", entgegnet Dana Vornhagen, Vorsitzende der GRÜNEN in der Bezirksversammlung Altona. "Ich bin es leid, Rechtfertigungen zu lesen, die Tradition und Attraktionswunsch über das Tierwohl stellen. Tierschutz ist nicht verhandelbar." Sie ruft dazu auf, unaufgeregt gemeinsam mit den Freunden des Hirschparks und des zuständigen Bezirksausschusses nach Lösungen für eine künftige Gestaltung des bisherigen Geheges zu suchen. 

Für viele Anwohnerinnen und Anwohner bedeutet die Schließung mehr als den Verlust eines Tiergeheges. Das Damwildgatter galt über Generationen hinweg als niedrigschwelliger Naturerlebnisort, insbesondere für Familien mit Kindern. Seine Wurzeln reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück: Um 1860 ließ Johann Cesar Godeffroy das Hirschgatter anlegen, nachdem das Gelände bereits seit dem 17. Jahrhundert als Landgut genutzt worden war. Seit der Öffnung des Parks für die Öffentlichkeit im Jahr 1924 gehört das Damwild fest zur Identität des Hirschparks und Blankeneses.

Wie das Areal künftig genutzt werden soll, ist derzeit offen. Das Bezirksamt kündigte an, die weitere Entwicklung in Abstimmung mit der Bezirkspolitik und den zuständigen Fachbehörden zu prüfen. Die FDP-Fraktion will unterdessen einen Antrag einbringen, um den Erhalt des Damwildgatters oder alternative Lösungen zu prüfen, die Tierwohl, Tradition und öffentliche Nutzung miteinander verbinden.

Mit der Schließung des Damwildgatters endet ein Kapitel Hamburger Parkgeschichte – und eine Debatte über Tierschutz, Transparenz und den Wert öffentlicher Angebote ist neu entfacht.