Katharina Fegebank, Senatorin für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft, konnte Anfang Oktober eine Bilanz vorlegen, die sich sehen lassen kann: 10,3 Prozent der Stadt stehen unter Naturschutz, ein Spitzenwert unter den Bundesländern, 18,8 Prozent sind Landschaftsschutzgebiet, der Biotopverbund reicht über 23,3 Prozent der Landesfläche. Die Flächenziele des „Vertrags für Hamburgs Stadtgrün“ sind damit erreicht. „Hamburg ist und bleibt eine lebenswerte, grüne Stadt am Wasser“, meint die Senatorin und verweist auf zusätzliche Schutzgebiete und erweiterte Parks.

Auch bei den Bäumen sieht die Behörde Fortschritte. 1.863 Straßenbäume wurden 2025 gepflanzt, 352 mehr als gefällt werden mussten, 231.081 Bäume stehen an Hamburgs Straßen. Zum dritten Mal in Folge fällt die Bilanz positiv aus, der Anteil der Fällungen durch Baumaßnahmen sank von rund 25 auf etwa 15 Prozent. Knapp 1.300 Bäume rückten in die Klasse der über 80 Jahre alten Altbäume auf, deren Kronen besonders viel Schatten spenden. Für Fegebank ist das ein Erfolg des Baumschutzes, den der Vertrag 2021 gestärkt hat.

Nur: Der Senat mag sein Grün lieben, doch in den Bezirken zählt es in Cent. Altona und Wandsbek bekommen 2025 rechnerisch 33 Cent pro Quadratmeter Grünfläche, Bergedorf 30, während Hamburg-Nord auf 54 Cent kommt. In der HafenCity werden derzeit acht Euro pro Quadratmeter angesetzt – die Grünanlagen der Bezirke müssen also mit einem Bruchteil dessen auskommen, was Hamburgs jüngstes Stadtquartier für sich reklamiert. Die Zahlen stammen aus Senatsantworten auf Kleine Anfragen des CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Sandro Kappe, der Senat hat sie bestätigt.

Jetzt kommt die Nachricht, die Altonas Grünsprecherin Dr. Ulrike von Criegern zu einem Satz verleitet, den man sich merken kann: „Der Senat will Hamburg grüner machen, lässt aber das vorhandene Grün verkommen.“ Sie beschreibt, was viele Fußwege längst zeigen: Rasen wird seltener gemäht, Beete verwildern, notwendige Arbeiten bleiben liegen. Altona und Wandsbek liegen mit 33 Cent am unteren Rand der Skala, und das bei steigenden Kosten. Landschaftsbauarbeiten sind gegenüber 2021 um 57,8 Prozent teurer geworden, die Rahmenzuweisung Grün wurde seit 2019 nicht angepasst. Am Ende bleibt den Bezirken etwa ein Drittel der Kaufkraft von damals. Und wer neue Grünflächen ausweist, verteilt dasselbe Geld auf noch mehr Quadratmeter.

Die CDU-Bezirksfraktion Altona rechnet mit fast 54 Prozent Defizit bis 2030, steht in ihrer Pressemitteilung, Hamburgs Grünpflege steuere auf eine massive Finanzierungslücke zu. Die Fraktion DIE LINKE Altona sieht in den Rahmenzuweisungen 2027/2028 Kürzungen von rund 123.000 Euro bei den Grün- und Erholungsanlagen und 35.000 Euro bei der Gewässerpflege. Für Natalia Werdung, grünpolitische Sprecherin der Fraktion, sind Parks und Grünflächen „kein Luxus, sondern ein wichtiger Bestandteil unserer öffentlichen Daseinsvorsorge“.

 

Bezirke fordern Ausgleich für die Grünpflege

Der NABU Hamburg legt den Finger auf dieselbe Stelle. Malte Siegert, Vorsitzender des Landesverbands, lobt die verbindlicheren Schutzziele, doch sein Bericht liest sich als Mängelliste: Über die Hälfte der kontrollierten Ausgleichsmaßnahmen reicht nicht aus, um Naturverluste tatsächlich zu kompensieren. „Ein Ausgleich, der erst Jahre nach einem Eingriff funktioniert oder seine ökologischen Ziele verfehlt, verhindert den zwischenzeitlichen Naturverlust nicht“, klagt Referent Dr. Christian Gerbich. Bei den Landschaftsschutzgebieten stockt die Modernisierung der Verordnungen seit Jahren, 2025 wurde das naturschutzfachliche Vorkaufsrecht in keinem Verkaufsfall ausgeübt.

Selbst die schönste Zahl des Senats verliert im Detail etwas Glanz. Bei der Deponie Brümmer in Billstedt lobt der Bericht die Trockenrasenpflege als Beispiel für gestiegene Biotopwerte – auf genau derselben Fläche plant die Umweltbehörde einen Solarpark. Und der NABU erinnert daran, dass Hamburg seit 2015 rund 1.500 Straßenbäume im öffentlichen Raum fehlen, auch wenn die Pflanzen-Bilanz zuletzt positiv ausfiel. Für die Bilanz der Bäume gilt ohnehin: Baum ist nicht gleich Baum. Nachgepflanzte Jungbäume brauchen Jahrzehnte, bis sie so viel Schatten, Kühlung und Lebensraum bieten wie die alten, die gefällt werden mussten.

Hamburg befindet sich damit in einem Haushalt, der nur scheinbar widersprüchlich ist. Die Flächen wachsen, die Schutzgebiete werden größer, die Bäume mehr – und die Pflege, die das alles am Leben hält, bleibt an der Rahmenzuweisung hängen, die seit 2019 eingefroren ist. „Die Bezirke brauchen nicht weniger Grünpflege, sondern mehr“, meint von Criegern. Für den NABU steht fest: Ein Vertrag ist nur so wirksam wie seine Umsetzung. Ob der Senat das bei den nächsten Haushaltsberatungen genauso sieht, entscheidet sich nicht in Parks und Wiesen, sondern in Sälen, in denen Rasenflächen zu Cent-Beträgen werden.