Bezirk Altona (27. Februar 2025, Markus Krohn) · Linda Heitmann hat mit 27,5 Prozent der Erststimmen im Bezirk Altona erneut das Direktmandat errungen, dieses Mal sogar mit vier Prozentpunkten Vorsprung! Allerdings ist Heitmann nicht mehr in einer der Regierungsparteien, bereitet sich daher jetzt auf eine konstruktive Oppositionsarbeit vor. "Ich glaube schon, dass wir es jetzt schaffen können, den Diskurs wieder in unsere Richtung zu verschieben", meint die Sülldorferin im Interview mit der DorfStadt-Redaktion.

DorfStadt: Frau Heitmann, wie geht es Ihnen mit diesem Wahlergebnis?

Linda Heitmann: Gemischt. Natürlich freue ich mich darüber, dass ich meinen Wahlkreis erneut gewinnen konnte. Das gesamtdeutsche Ergebnis bedrückt mich dafür umso mehr. Dass über die Hälfte der Menschen eine rechtsextreme oder Mitte-rechts-Partei gewählt hat, die stark mit populistischen Parolen am rechten Rand gefischt hat, besorgt mich.

 

Haben Sie das im Wahlkampf gemerkt?

In Altona nicht so sehr, aber natürlich hat man das an den Bundesumfragen schon im Wahlkampf ablesen können. In Altona habe ich eher Gespräche mit Menschen geführt, die es ähnlich erschreckend fanden wie ich. Wir hatten an unseren Infoständen diesmal erstaunlich wenige, die pauschal gemotzt haben, dafür viele Menschen mit konkreten Fragen oder Menschen, die noch unentschlossen waren, ob sie Grüne oder Linkspartei wählen sollen.

 

Was braucht Deutschland jetzt?

Stabilität. Es braucht eine demokratische Regierung, die sich vom Populismus am Rand in die Mitte bewegen muss. Es wäre gut, jetzt auch Themen auf die Agenda zu setzen, die im Wahlkampf vielfach zu kurz gekommen sind: Zum Beispiel Klima oder Modernisierung der Sozialversicherungssysteme. Auch die Zukunft der Pflege und die Personalsituation in Pflegeeinrichtungen hat viele Menschen in Altona bewegt. Das wurde in den Talkshows kaum thematisiert.

 

Diese Themen standen ja im Wahlkampf auch gar nicht im Fokus. Können Sie denn aus der Opposition etwas bewirken?

Ja, ich glaube schon! Der Diskurs hat sich in den vergangenen Jahren politisch sehr nach rechts bewegt, weil es keine kraftvolle linke Opposition im Bundestag gab. Jenseits der Ampel gab es ja nur die Linke, die sich gespalten hat. Ich glaube schon, dass wir es jetzt schaffen können, den Diskurs wieder in unsere Richtung zu verschieben.

 

In welcher Form kann das denn gelingen? Die Linkspartei war über Soziale Medien erfolgreich…

Wir sind ja alle auch in den Sozialen Medien unterwegs. Aber ich mache es seit Jahren auf meine Art, bei der ich mich nicht verbiegen oder eine Rolle spielen muss. So müssen wir es auch in der Zukunft halten. Wir müssen die Sozialen Medien nutzen, ohne dabei populistisch zu werden. Das wollen wir nicht. Die Linke hat aber sicher auch davon profitiert, dass ihre Rolle im künftigen Bundestag klar war. Das war bei SPD und Grünen nicht so.

Wir haben eher deutlich gemacht, dass wir Verantwortung übernehmen wollen, wenn es passt. Am Ende konnte es sich bei den Grünen allerdings kaum noch jemand so richtig vorstellen, dass mit Friedrich Merz eine gemeinsame Regierung zustande kommen könnte.

 

Werden Sie sich denn weiter für Ihre Schwerpunkte einsetzen?

Ja, ich werde in der Natur-, Klima- und Gesundheitspolitik weiter arbeiten. In welcher Rolle, ist noch nicht klar. Dadurch, dass wir jetzt in der Opposition sind, haben wir viele Führungspersonen, die jetzt in die Fraktion zurückdrängen, die alle einen Posten haben wollen. Ich werde wieder im Umwelt- und Gesundheitsausschuss mitarbeiten – so viel ist klar. Ob ich eine führende Rolle übernehmen kann, werde ich in den nächsten Tagen und Wochen ausloten. Da wir ja jetzt nicht an den Koalitionsverhandlungen teilnehmen, fällt diese Aufgabe jetzt weg, von daher haben wir in dieser Hinsicht jetzt etwas Entlastung, aber natürlich bereiten wir uns jetzt auf die Rolle in der Opposition vor.

 

Wie sehen Sie die Aussichten in Hamburg?

Ich denke, dass die Rolle der Grünen in der Hansestadt klarer ist als im Bund. In sofern erwarte ich hier ein stabiles Ergebnis für die Grünen. Ich bin da sehr optimistisch.