Blankenese (22. Oktober 2026, Markus Krohn) · Am Ende der Sackgasse stehen jetzt Fahrradhäuschen, Briefkästen und Klingelschilder. Wer den Björnsonweg hinunterfährt, sieht drei fast fertige Häuser und eine Geschichte, die lange vor ihrer ersten Mauer begonnen hat.

Denn dieser Ort war einmal der umstrittenste Fleck der Elbvororte. Als 2016 auf dem rund 3500 Quadratmeter großen Gelände eine Unterkunft für geflüchtete Menschen entstand, blockierten Anwohner mit Autos die Baumfällungen, es gab hitzige Wortgefechte, und über Jahre blieb der Streit ein Thema im Stadtteil. 192 Menschen aus verschiedenen Ländern lebten hier auf Zeit, bis die Modulhäuser 2023 wieder abgerissen wurden. Der Bezirk einigte sich mit den Nachbarn – nicht auf eine Aufforstung, wie viele gefordert hatten, sondern auf den Bau von Sozialwohnungen. Im Frühjahr 2025 rückten die Baufahrzeuge an.

Heute ist von dieser Aufregung wenig zu hören. Rüdiger Schmitt und Mareike Selonke, die das Projekt leiten, führen über ein Gelände, dessen Arbeiten an den drei Häusern abgeschlossen sind. Die Wohnungen für Haushalte von einer bis fünf Personen sind unterschiedlich geschnitten, manche haben einen Balkon, manche eine Terrasse, Küchen sind überall eingebaut. Zwei Gebäude sind bereits vollständig bezogen, ab November beginnt der Einzug in das dritte. Damit steigt die Zahl der Sozialwohnungen in Blankenese um mehr als dreißig Prozent auf über 150.

Wer hier einzieht, hat es auf dem Wohnungsmarkt besonders schwer: Voraussetzung ist ein Dringlichkeitsschein oder eine Dringlichkeitsbestätigung. Bewerben kann man sich nicht direkt – die Fachstellen für Wohnungsnotfälle in den Bezirksämtern schlagen dem städtischen Unternehmen Fördern und Wohnen geeignete Mietparteien vor. Gedacht sind die Wohnungen unter anderem für obdachlose Menschen, Haftentlassene und Familien mit wenig Geld. Dass der Bedarf groß ist, zeigen die Zahlen der Diakonie Hamburg: Zum 31. Dezember 2025 waren 4894 Haushalte mit einem Dringlichkeitsschein registriert, weitere 13.883 mit einer Dringlichkeitsbestätigung. Angesichts solcher Größenordnungen sind 38 Wohnungen ein Tropfen auf den heißen Stein, nicht mehr.

Vor dichtem Wald stehen die Häuser am Rand der Straße, deshalb wurden alle drei baugleich als Hybridbau ausgeführt – die ersten beiden Stockwerke aus Stein, darüber ein Staffelgeschoss in Holzrahmenbauweise, abgeschlossen von einer Decke aus Brettsperrholz über vorgefertigten Wandelementen – so passt sich das Wohnprojekt optimal in seine Umgebung ein. Ein städtebaulicher Vertrag verpflichtet den Bauherrn sogar, mindestens 30 Prozent der Außenwände mit Schling- und Kletterpflanzen zu begrünen, bis hinauf auf die Dächer der Fahrradhäuschen. Versickerungsanlagen rings um die Gebäude sollen das Regenwasser aufnehmen; an den Außenanlagen wird noch gearbeitet.

Die neuen Mieter wohnen klimatechnisch vorbildlich: Beim Energieverbrauch gehen die Planer weiter als das Gesetz verlangt. Die drei Häuser erreichen den Effizienzhaus-40-Standard, brauchen also rund vierzig Prozent der Energie eines vergleichbaren Hauses ohne diesen Standard. Möglich machen das eine kräftige Dämmung, Fenster mit hochwärmegedämmten Kunststoffprofilen und Dreifachverglasung, eine kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung sowie drei Wärmepumpen, eine für jedes Gebäude. Auf den Dächern liegen knapp 200 Photovoltaikmodule mit zusammen rund 90 Kilowatt Peak Leistung.

Was eine solche Wohnung kostet, ist nicht dem Vermieter überlassen. Über das Wohnungsbauförderprogramm unterstützt die Stadt Hamburg den Neubau bezahlbarer Mietwohnungen und legt die Anfangsmiete fest. Sie liegt in Hamburg derzeit bei 7,25 Euro pro Quadratmeter im ersten Förderweg – für Wohnungen, die 2025 bewilligt wurden, bei 7,85 Euro. Der Senat will die Mieten in allen Förderwegen leicht anheben, was für neue Bewilligungen gilt.

Rund zwölf Millionen Euro hat das Projekt gekostet. Die Landschaft, die den Bau einmal verhindern sollte, ist geblieben: Der Wald steht noch, die Fassaden sollen zuwachsen, und ab November gehen dort die letzten Lichter an.