Nienstedten (4. Februar 2026, Markus Krohn) – Bürgervereine aus Nienstedten und Blankenese sowie die Freunde des Hirschparks setzen sich mit einer Eingabe an Bürgerschaft und Bezirksversammlung Altona dafür ein, dass die Tiere auch künftig im traditionsreichen Park zu sehen sind –unter veränderten, tierschutzgerechten Bedingungen.

Der Hirschpark in Nienstedten ist für viele Hamburgerinnen und Hamburger weit mehr als eine Grünanlage. Seit Generationen prägt das dort lebende Damwild das Bild des historischen Landschaftsparks und gilt als identitätsstiftendes Element für den Stadtteil und die Elbvororte.

Die Sorge ist groß, dass die namensgebenden Tiere nicht wieder zurückkehren, nachdem das Bezirksamt das dort lebende Damwild in das Wildgehege Klövensteen verlegt hat.

Begründet wird dieser Schritt mit anhaltenden Tierschutzproblemen. In den vergangenen Jahren lebten im Hirschpark ausschließlich männliche Damhirsche. Diese unnatürliche Bestandsstruktur führte insbesondere während der Brunftzeit zu heftigen Rang- und Revierkämpfen mit schweren Verletzungen und erheblichem Stress für die Tiere. Das Bezirksamt sieht darin einen zentralen Grund, warum eine tierschutzgerechte Haltung im innerstädtischen Park nicht mehr möglich sei.

Das wollen die Bürgervereine so nicht stehen lassen: „Damwild ist eine polygame Herdentierart, deren Sozialverhalten auf das Leben im Familienverband ausgelegt ist“. Eine rein männliche Gruppe, so argumentieren die Initiatoren der Eingabe, müsse zwangsläufig zu Aggressionen und Verletzungen führen. Aus ihrer Sicht rechtfertigen diese vorhersehbaren Probleme nicht die Aufgabe der Tierhaltung, sondern begründen vielmehr die Verpflichtung, die Haltungsbedingungen an die natürlichen Bedürfnisse der Tiere anzupassen – etwa durch die Haltung gemischter Herden im Einklang mit den Leitlinien der Bundesregierung für Wild in Gehegen.

Unterstützung erhalten die Vereine von vielen Anwohnerinnen und Anwohnern, die das Damwild als festen Bestandteil „ihres“ Parks begreifen. Für Familien mit Kindern war das Gatter über Jahrzehnte hinweg ein niedrigschwelliger Ort der Naturbegegnung mitten in der Stadt. Historisch reicht diese Tradition weit zurück: Bereits um 1860 ließ Johann Cesar Godeffroy ein Hirschgatter anlegen, und seit der Öffnung des Parks für die Öffentlichkeit im Jahr 1924 gehört das Damwild untrennbar zur Geschichte des Hirschparks und Blankeneses.

Die aktuelle Debatte ist damit mehr als ein Streit über Tierhaltung. Sie berührt grundlegende Fragen nach dem Umgang mit historisch gewachsenen Parkanlagen, nach Transparenz politischer Entscheidungen und nach dem Ausgleich zwischen Tierschutz, öffentlicher Nutzung und kulturellem Erbe. Während das Bezirksamt Altona das Tierwohl als oberste Priorität betont, fordern Kritiker eine differenziertere Lösung statt eines endgültigen Schlussstrichs.

Wie es mit dem Damwild im Hirschpark weitergeht, ist derzeit offen. Klar ist jedoch: Mit der Eingabe der Bürgervereine ist die Diskussion neu entfacht – und das Damwild bleibt, zumindest politisch, vorerst ein fester Bestandteil des Hirschparks.

 

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